Uber: Sammelklage könnte der Anfang vom Ende sein

Uber, der US-amerikanische Online-Vermittlungsdienst für Fahrdienstleistungen, wird derzeit von Finanzinvestoren mit wahnwitzigen 50 Mrd. US-Dollar bewertet. Sie kennen Uber nicht? Das sollten Sie aber. Denn schließlich ist der Wert des Unternehmens höher als der des bayerischen Automobilherstellers BMW.

Uber wurde 2009 in San Francisco als Start-up gegründet und will im laufenden Jahr auf einen Umsatz von 2 Mrd. US-Dollar kommen.

Während Uber In der Öffentlichkeit ein massives Imageproblem hat, können Investoren gar nicht genug vom US-Fahrdienst bekommen. Dies hat dann auch zur Folge, dass das bislang noch nicht börsennotierte Unternehmen Uber im Rahmen der jüngsten Finanzierungsrunde mit über 50 Mrd. US-Dollar bewertet wurde.

Doch jetzt könnte eine Sammelklage dafür sorgen, dass sich die Wachstumsfantasien rund um den Online-Fahrdienst-Vermittler nahezu komplett in Luft auflösen.

Gericht stimmt großer Sammelklage gegen Uber zu

Sind Uber-Fahrer Freiberufler oder Scheinselbständige und damit de facto Angestellte von Uber? Über diese Frage werden nun in Kalifornien Geschworene entscheiden. Derzeit verklagen 3 Fahrer das umstrittene Transport-Unternehmen Uber in San Francisco.

Der zuständige Richter hat jetzt entschieden, den Fall als Sammelklage zuzulassen. Dieser Sammelklage könnten sich theoretisch mehrere Zehntausend Uber-Fahrer aus dem US-Bundesstaat Kalifornien anschließen.

Sollten diese Fahrer vor Gericht Recht bekommen, könnten sie sich Kosten für Benzin und Verschleiß an ihren Fahrzeugen ersetzen lassen. Für Uber wäre das ein finanzielles Desaster, denn dadurch würden sich die ohnehin schon kleinen Gewinnmargen des Unternehmens möglicherweise komplett in Luft auflösen.

Uber argumentiert jedoch, dass man nur Vermittler zwischen Fahrer und Kunden und dafür am Umsatz beteiligt sei. Die Kläger aber entgegnen, dass das Unternehmen in der Praxis wie ein Arbeitgeber agiert, da unter anderem die Preise von Uber und nicht von den Fahrern festgesetzt werden und Uber auch Fahrer entlasse.

Die Anwälte der Kläger gehen davon aus, dass in Kalifornien 160.000 aktuelle und ehemalige Uber-Fahrer leben. Allerdings können sich nur jene Fahrer der Sammelklage anschließen, die vor Mai 2014 für Uber aktiv waren. Dies dürfte jedoch noch immer eine sehr beachtliche Zahl an potenziellen Klägern sein!

Es ist in jedem Fall davon auszugehen, dass Uber zunächst versucht, sich mit rechtlichen Mitteln gegen die Zulassung der Sammelklage zu wehren und dass sich dieser Rechtsstreit insgesamt noch über Jahre hinziehen könnte.

Klagerisiko ist eine massive Bedrohung für Uber

Für Uber stellt die mögliche Sammelklage ein erhebliches Risiko dar. Ein solches Verfahren wird sich mindestens negativ auf die Bewertung im Rahmen des für 2016 geplanten Börsengangs auswirken.

Darüber hinaus könnte die Sammelklage sogar Existenz bedrohend für Uber werden. Schließlich wären mit einem für Uber negativen Ausgang erhebliche Kosten verbunden, die in der Konsequenz sogar dazu führen könnten, dass Uber – so wie der Putzdienst-Vermitter Homejoy vor kurzem – in die Pleite schlittern könnte.

Meine Empfehlung daher: Investieren Sie bevorzugt in Unternehmen, die nicht solchen erheblichen Risiken unterliegen und die über Jahre – oder besser noch Jahrzehnte – bewiesen haben, dass sie sich erfolgreich am Markt behaupten können.

2. September 2015

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.

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