Uber schluckt britischen Konkurrenten Autocab

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Der Fahrdienstvermittler Uber hat wieder zugeschlagen: Das kalifornische Unternehmen übernimmt seinen stärksten Mitbewerber in Großbritannien. (Foto: MikeDotta / shutterstock.com)

Vor wenigen Tagen gab der im kalifornischen San Francisco ansässige Fahrdienstvermittler Uber Technologies Inc. bekannt, dass er eine Übernahmevereinbarung mit dem britischen Technologieunternehmen Autocab geschlossen hat. Zu den finanziellen Konditionen des Übernahmedeals machten beide Unternehmen jedoch keine Angaben.

Auch wenn keine Zahlen bekannt gegeben wurden, handelt es sich bei der Übernahme nicht um einen kleinen Deal. Sie müssen wissen: Der in der Nähe des englischen Manchesters ansässige App-Entwickler Autocab gilt als der größte Konkurrent des US-amerikanischen Fahrdienstvermittlers in Großbritannien.

Autocab im Porträt

Autocab wurde 1989 gegründet und war ursprünglich als Radiozulieferbetrieb tätig. Aber bereits im Jahre 1991 brachte das Unternehmen eine Buchungsplattform auf den Markt, über die unabhängige Taxiunternehmen Online-Buchungen anbieten konnten.

Aktuell wird diese Plattform von etwa der Hälfte der privaten Miet- und Taxiunternehmen Großbritanniens genutzt und ist somit Marktführer im Vereinigten Königreich. Das Netzwerk erstreckt sich mittlerweile auf über 30 Länder weltweit und ermöglicht es kleinen lokalen Taxi- und Mietwagenunternehmen mit den globalen Playern wie Uber, MyTaxi und Lyft zu konkurrieren.

Laut eigenen Angaben ist Autocab der weltweit größte Anbieter von Buchungs- und Abfertigungssystemen im Mietwagensektor. Die Cloud-basierten SaaS-Lösungen (SaaS = Software as a Service) unterstützen derzeit mehr als 1.500 Taxi-, Limousinen- und Transportunternehmen auf der ganzen Welt.

Autocab beschäftigt etwa 150 Mitarbeiter, die einen Jahresumsatz von etwa 28 Mio. Euro erwirtschaften. Das Unternehmen hat seinen Hauptsitz in Cheadle südlich von Manchester und befindet sich in Privatbesitz.

Uber will Marktlücken in Großbritannien schließen

Der amerikanische Fahrdienstvermittler hat im Vereinigten Königreich seit 2016 keine neuen Standorte erschlossen. Aktuell bietet Uber seine Dienstleistungen in 40 Städten bzw. Regionen Großbritanniens an. Durch die Übernahme von Autocab kann Uber seine Reichweite auf bis zu 170 Standorte ausweiten.

Uber begrüßt diese Kapazitätsausweitung, wie das Unternehmen in einer Pressemitteilung betont: „Jeden Monat öffnen Tausende von Menschen die Uber-App an Orten, an denen das Unternehmen nicht tätig ist, um zu versuchen, eine Mitfahrgelegenheit zu bekommen. Über den iGo-Marktplatz von Autocab kann Uber diese Fahrgäste mit lokalen Anbietern verbinden, die sich für ihre Buchung entscheiden.“

Uber leidet unter der Corona-Pandemie

Uber gehört zu den Unternehmen, die von der Corona-Pandemie besonders stark betroffen waren. So gab das Uber im April bekannt, dass die über seine App gebuchten Reisen aufgrund der Coronavirus-Pandemie um 80% zurückgegangen waren. Im Mai kündigte das Unternehmen an, dass es mehr als ein Drittel seiner Stammbelegschaft abbauen werde.

Auch die gerade veröffentlichten Uber-Zahlen für das 2. Quartal 2020 waren enttäuschend. Der Umsatz lag nur noch bei knapp 3,17 Mrd. US-Dollar (USD), was ein deutliches Minus von -29% im Vergleich zum zweiten Quartal 2019 bedeutet.

Speise-Lieferservice gewinnt zunehmend an Bedeutung

Neben dem Kerngeschäft, der Fahrdienstvermittlung, bietet Uber seit 2014 unter der Bezeichnung Uber Eats auch einen Lieferdienst für Speisen an. Am 06.07.2020 gab der Fahrdienstvermittler bekannt, dass er den US-Speise-Lieferservices Postmates für stolze 2,65 Mrd. USD übernehmen will.

Ein weiterer Übernahmeversuch scheiterte jedoch. Den Zuschlag für den ebenfalls in den Vereinigten Staaten ansässigen Lieferdienst Grubhub erhielt nicht Uber, sondern der niederländische Mitbewerber Just Eat Takeaway.

Die Irish Times berichtete Anfang August, dass Uber im 2. Quartal 2020 erstmals mehr Umsatz mit dem Liefern von Speisen gemacht habe als mit der Vermittlung von Fahrgelegenheiten. Der Umsatz im Lieferservice sei bei Uber bereits vor der Pandemie angestiegen. Allein im 2. Quartal des laufenden Jahres verdoppelten sich die Einnahmen aus Liefergeschäften.

Uber-Aktie zieht nach Zukauf an

Der Kurs der Uber-Papiere fiel zu Beginn der Corona-Pandemie im März 2020 um mehr als -70% auf 14,82 USD. Innerhalb weniger Wochen konnte sich der Wert der Uber-Aktie aber wieder erholen und lag vor der Bekanntgabe der Autocab-Übernahme bei 33,20 USD.

Nach Bekanntgabe des Deals schoss der Kurs der Uber-Papiere am vergangenen Donnerstag um +4,5% in die Höhe und ging mit 34,71 USD aus dem Handel. Es spricht also viel dafür, dass Investoren die Übernahme des britischen Technologieunternehmens begrüßen.

Wie es weitergeht

Nach der Übernahme wird Autocab unabhängig bleiben und einen eigenen Vorstand haben, so Uber in einer Pressemitteilung. Laut Bloomberg wird Uber die Autocab-Technologie allerdings nicht in Regionen offerieren, in denen es bereits die Uber-App anbietet. Dies gelte insbesondere für die nachfragestarke Hauptstadt London. Vor der Übernahem müssen noch die zuständigen Aufsichtsbehörden ihr OK für die Transaktion geben.


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Tobias Schöneich
Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.

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