Uber schluckt Postmates und heizt Konsolidierung unter US-Essensdiensten weiter an

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Uber legt 2,65 Milliarden Dollar in Aktien für Essenslieferdienst Postmates auf den Tisch: Das Geschäft mit Lieferdiensten erlebt durch die Corona-Pandemie eine Sonderkonjunktur. (Foto: MikeDotta / shutterstock.com)

Die Übernahmewelle unter den US-Essenslieferdiensten rollt mit hoher Geschwindigkeit weiter. Erst im Juni streckte die niederländisch-britische Lieferando-Mutter Just Eat Takeaway ihre Fühler in die USA aus und schluckte den Lieferdienst Grubhub für stolze 7,3 Milliarden Dollar. Uber hatte selbst starkes Interesse an Grubuhub:  Mit dem Deal hätte der Konzern seinen Marktanteil in den USA auf 55% ausbauen können.

Da Uber aber beim Rivalen leer ausging, setzte der Fahrdienstvermittler seine Suche mit Hochdruck fort und wurde jetzt fündig: Für 2,65 Milliarden Dollar will sich Uber nun das Unternehmen Postmates einverleiben, das 2011 vom Deutschen Bastian Lehmann gemeinsam mit den US-Amerikanern Sam Street und Sean Plaice gegründet wurde.

Unternehmensverkauf statt Börsengang

Postmates hatte im September 2019 eine letzte Finanzierungsrunde abgeschlossen: Damals sammelte das Unternehmen 225 Millionen Dollar bei einer Bewertung von 2,4 Milliarden Dollar ein. Eigentlich war im letzten Jahr der Börsengang angedacht. Nun entschied sich die Firma aber doch offenbar für einen Verkauf. Auf Grund der Corona-Pandemie haben Essenslieferdienste zuletzt einen spürbaren Rückenwind erhalten. Das dürfte sich auch förderlich auf die Bewertung des Unternehmens ausgewirkt haben.

Uber zahlt komplett in Aktien

Für den Essenslieferdienst will Uber insgesamt rund 2,65 Milliarden Dollar auf den Tisch legen. Die Übernahme soll als reiner Aktientausch erfolgen, wofür Uber etwa 84 Millionen neue Anteilsscheine ausgibt. Laut Medienberichten hat sich Uber die Zusage für die Mehrheit der Postmates-Aktien im Vorfeld gesichert. Die Boards beider Unternehmen hätten dem Deal zugestimmt. Der Abschluss wird im ersten Quartal 2021 erwartet.

Postmates ergänzt sich Uber Eats

Die Intention hinter dem Deal liegt auf der Hand: Zum einen will Uber sein schwächelndes Geschäft mit Fahrdienstvermittlungen kompensieren. Zum anderen zählt im Business mit Essenslieferungen vor allem Größe. Mit dem Deal kann Uber seinen eigenen Essenslieferdienst Uber Eats deutlich voranbringen.

Dabei ergänzen sich beide Firmen scheinbar perfekt. Sie haben geografisch unterschiedliche Schwerpunkte. Postmates ist vor allem in Los Angeles und im amerikanischen Südwesten als gut positioniert. Postmates verfügt laut Uber auch über ein starkes Standbein bei kleinen und mittleren Restaurants. Interessant zu wissen: Die Postmates-App wird vorerst als separater Dienst fortgeführt.

Doordash auf den Fersen

Mit der Transaktion kann sich Uber Eats im harten Konkurrenzkampf wieder etwas vorankämpfen. Unangefochten an der Spitze steht der Konzern Doordash. Die gerade von Just Take away geschluckte Firma Grubhub gilt als Nummer 2, während Postmates etwas abgeschlagen auf dem vierten Platz liegt. Genaue Umsatzzahlen gibt es leider nicht.

Bestelldienste im Corona-Boom

Mit zunehmender Größe, so hoffen die Anleger, dürfte auch die Gewinnschwelle bei UberEats näher rücken. Im ersten Quartal erlebte das Geschäfte einen regelrechten Corona-Boom. Demnach stieg das Bestellvolumen bei UberEats im Vergleich zum Vorjahresquartal um 52% auf rund 4,7 Milliarden Dollar. Beim verbuchten Umsatz bedeutete das für UberEats sogar ein Plus von 121% auf 527 Millionen Dollar. Wegen anhaltend hoher Investitionen gab es jedoch sogar in dieser Konzernsparte rote Zahlen. Unter dem Strich wies die Sparte einen Verlust von 313 Millionen Dollar aus und damit sogar minimal mehr als im Vorjahresquartal.

Ob Uber mit der Verstärkung seiner Sparte mit Essenslieferdiensten den Gesamtkonzern retten kann, wird sich erst noch zeigen müssen. Immerhin fiel auf Konzernebene im Startquartal bei 3,54 Milliarden Dollar Umsatz ein gigantischer Verlust von 2,93 Milliarden Dollar an. Das Geschäft mit Fahrdienstvermittlungen verschlingt enorme Summen.

Fest steht aber, dass der Deal mit Sicherheit nicht der letzte gewesen ist. Der Markt für Essenslieferdienste gilt als stark fragmentiert und hoch umkämpft, was den Übernahmeboom weiter befeuern dürfte.


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Tobias Schöneich
Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.

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