Uber: Talfahrt setzt sich nach Börsengang ungebremst fort

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Lyft: Wie sich 6 Milliarden Börsenwert in Luft aufgelöst haben. Quartalsverlust von über 1 Milliarde Dollar sorgt für Ernüchterung bei den Anlegern. (Foto: jane0606 / Shutterstock.com)

Mit Spannung war der Börsengang des US-Mitfahrdienstes Lyft erwartet worden. Das Interesse der Investoren war ausgesprochen groß. Zum Schluss gingen die Papiere zu einem Preis von 72 Dollar je Anteilsschein über den Tisch und wurden damit am oberen Ende der Preisspanne platziert. Der Börsenwert lag zum IPO bei rund 24 Milliarden Dollar. Lyft nahm mit dem Sprung auf das Parkett mehr als 2 Milliarden Dollar an frischen Mitteln ein und damit mehr als der Firma ursprünglich zugetraut wurde.

Seither geht es allerdings rasant bergab. Kaum waren die Papiere an der Nasdaq notiert, legte die Aktie den Rückwärtsgang ein. Mittlerweile notiert die Aktie bei nur noch 53 Dollar und somit 26% unter dem Ausgabepreis. Innerhalb weniger Tage haben sich damit mehr als 6 Milliarden Dollar an Börsenwert in Luft aufgelöst.

Lyft im Portrait

Der US-Konzern Lyft vermittelt genau wie der Konkurrent Uber Fahrten mit privaten Fahrern, die Kunden per App bestellen können. In den USA ist Lyft nach Uber die Nummer zwei. Anders als Lyft agiert Uber global und ist bereits in rund 60 Ländern aktiv. Erst im März stemmte Uber einen Milliardenkauf im Nahen Osten. Lyft ist lediglich in den USA und Kanada tätig.

Für seine Dienstleistung erhält der Konzern eine Vermittlungsgebühr. Im Gegensatz zu klassischen Taxidiensten punkten die neuen Fahrdienstvermittler mit geringeren Fahrtkosten bei den Kunden. Der Hintergrund ist so einfach wie einleuchtend: Der Großteil der Fahrer agiert als Vertragsarbeiter und nicht als Mitarbeiter. Damit fallen für Lyft teure Sozialversicherungs- oder Gesundheitsbeiträge weg.

Verlust knackt die Milliardengrenze

Die Zahlen zum letzten Quartal konnten die Investoren aber nicht vom Hocker reißen. Zwar verdoppelte sich der Umsatz beinahe auf 775 Millionen Dollar, aber auch der Verlust weitete sich spürbar aus. Auf Grund der hohen Kosten des Börsengang schwoll der Quartalsverlust auf satte 1,1 Milliarden Dollar an. Um die Vergütungen bereinigt lag der Verlust bei 211,5 Millionen Dollar (Vorjahresquartal: 228,4 Millionen Dollar) und damit sogar leicht niedriger als von Analysten erwartet wurde. Für Sie zum Vergleich: Im Vorfeld waren die Experten von einem Verlust über 270 Millionen Dollar ausgegangen.

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Unterdessen erhöhte sich die Zahl der Kunden, die mindestens einmal im Quartal nutzen, auf 20,5 Millionen. Das entspricht einem Zuwachs von 46%.

Wachstum wird sich verlangsamen

Für das laufende Quartal tritt die Konzernführung auf die Euphorie-Bremse. Die Erlöse sollen bei 800 bis 810 Millionen Dollar liegen. Das entspricht einem Wachstum von 60%. Gleichzeitig soll dieses Jahr das verlustreichste der Unternehmensgeschichte werden – unter anderem weil massiv in Service-Stationen sowie neues Geschäft mit elektrischen Fahrrädern und Tretrollern investiert wird.

Alles dreht sich um Roboterautos

Bis die Gewinnzone erreicht wird, dürfte es also noch einige Zeit dauern. Der Schlüssel dazu dürfte in der Kommerzialisierung von autonomen Fahrzeugen liegen. Hiermit könnte der größte Kostenblock für den Konzern, die Vermittlungsgebühr für die Fahrer, eliminiert werden.

Lyft kündigte schon länger an, den Dienst für Roboterwagen verschiedener Anbieter öffnen zu wollen. Wie diese Woche bekannt wurde, werden einige Lyft-Kunden in der US-Stadt Phoenix werden demnächst in Roboterautos der Google-Schwesterfirma Waymo unterwegs sein. Einige spekulieren auch über eine Partnerschaft mit dem Autobauer General Motors, der sich bereits 2016 für eine halbe Milliarde an Lyft beteiligt hat.


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Von: Richard Mühlhoff. Über den Autor

Richard Mühlhoff analysiert die realen Anlageentscheidungen der weltbesten Investoren, wie etwa Warren Buffett oder David Tepper. Die kollektive Intelligenz dieser ausgemachten Top-Investoren ist das Erfolgsgeheimnis des Börsendiensts „Investment-Elite“.