Uber trennt sich auch vom Luft-Taxigeschäft

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Nur einen Tag nach dem Verkauf seiner Robotaxi-Sparte trennt Uber sich auch von Uber Elevate, dem Entwickler von Flugtaxis. Kein Wunder, denn der Fahrdienst-Vermittler schreibt nicht nur wegen der Corona-Pandemie tiefrote Zahlen. (Foto: MikeDotta / shutterstock.com)

Heute möchte ich Ihnen eine Übernahme präsentieren, das in einem direkten Zusammenhang mit einem Deal steht, über den ich Ihnen in der letzten Woche berichtet habe. Der US-amerikanische Fahrdienst-Vermittler Uber Technologies Inc. trennt sich von seiner Tochter Uber Elevate, die an der Entwicklung eines Flugtaxis arbeitete.

Käufer von Elevate ist das erst 2009 gegründete Start-up Joby Aviation aus Santa Cruz, Kalifornien. Obwohl es sich bei Joby um ein sehr junges Unternehmen handelt, ist die kalifornische Firma Marktführer im Bereich der Flugtaxi-Entwicklung.

Das Besondere an diesem Verkaufsgeschäft ist, das Uber nur einen Tag zuvor bekannt gegeben hatte, dass es seine auf die Entwicklung autonomer Fahrzeugsysteme spezialisierte Tochter ATG für 4 Mrd. US-Dollar (USD) verkauft hat. Über den Kaufpreis, den Uber und Joby für Uber Elevate vereinbart haben, machten beide Unternehmen jedoch keine Angaben.

Uber will in Sachen Flugtaxi-Entwicklung Fuß in der Tür halten

Ganz aussteigen will Uber aus dem Flugtaxi-Geschäft jedoch nicht. So haben die Mitfahrer-Vermittler aus San Francisco eine Partnerschaft mit Joby vereinbart. Beide Unternehmen werden ihre jeweiligen Dienste in die Apps des jeweils anderen integrieren, um eine nahtlose Integration zwischen Boden- und Flugreisen für zukünftige Kunden zu ermöglichen.

Darüber hinaus wird Uber 75 Mio. USD in Joby investieren. Wie erst jetzt bekannt wurde, hatte sich Uber bereits an einer Joby-Finanzierungsrunde Anfang Januar 2020 beteiligt und 50 Mio. USD in das Start-up aus Santa Cruz investiert.

Joby Aviation im Kurzporträt

Joby Aviation ist ein Luft- und Raumfahrtunternehmen mit Sitz in Kalifornien, das ein vollelektrisches, senkrecht startendes und landendes Flugzeug entwickelt. Dieses Flugtaxi soll bereits ab 2023 als schneller, leiser und erschwinglicher Lufttaxi-Dienst eingesetzt werden können.

Das emissionsfreie Flugzeug, welches vier Passagiere und einen Piloten transportieren kann, hat eine Reichweite von bis zu 150 Meilen (etwa 240 km) und erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von 200 mph (etwa 322 km/h). Es soll dazu beitragen, Staus in den Städten zu reduzieren und den Umstieg auf nachhaltige Verkehrsmittel zu beschleunigen.

Joby Aviation wurde 2009 gegründet, hat in mehreren Finanzierungsrunden 820 Mio. USD an Investitionen erhalten und beschäftigt mehr als 500 Mitarbeiter. Joby hat Büros in Santa Cruz, San Carlos und Marina, Kalifornien, sowie in Washington D.C. und ist auch in der bayerischen Hauptstadt München vertreten.

Das Start-up befindet sich in Privatbesitz. In bisher 6 Finanzierungsrunden haben 19 Investoren ihr Geld in das innovative Unternehmen gesteckt, darunter Uber mit 125 Mio. USD und der saudi-arabische Investor Abdul Latif Jameel mit 590 Mio. USD.

Uber wurde gehypt…

Uber wurde 2009 als Limousinenservice in San Francisco gegründet. Mit der Entwicklung der mobilen Uber-App in 2011 startete das Unternehmen als Vermittler von Mitfahrgelegenheiten durch. Das Unternehmen expandierte in den Folgejahren mit einem kometenhaften Tempo.

Wurde die Fahrer-Vermittlung im Jahre 2014 bereits in 200 Städten angeboten, war Uber 2016 schon in 471 Städten vertreten. In den Folgejahren wurde Uber als Vorzeige-Start-up gehypt. Zahlreiche Konzerne und Investmentgesellschaften investierten Milliarden von USD in das Unternehmen, darunter z. B. Benchmark Capital, Goldman Sachs, Google Ventures, PayPal und Toyota.

…und hat sich verzettelt

Die Milliarden Dollar investierte Uber in zahlreiche Projekte, die im weitesten Sinne mit dem Transportwesen zu tun haben. So startete Uber in 2014 einen Speise-Lieferdienst unter der Bezeichnung Uber Eats.

2015 gründete Uber mit Uber ATG ein Tochterunternehmen, dass sich mit der Entwicklung autonom fahrender Pkw befasste. Ein Jahr später investierte Uber mit dem Projekt Uber Elevate in die Flugtaxi-Entwicklung. Seit 2018 kooperiert Uber auch mit dem E-Bike- sowie E-Scooter-Verleiher Lime.

In 2018 scheiterte Uber Rent, eine App für das kurzfristige Verleihen privater Fahrzeuge.

Auch die Ende 2019 gegründete Arbeitsvermittlungs-App Uber Works wurde schon nach einem halben Jahr eingestellt. Ebenso floppte der Börsengang von Uber im Mai 2019. Die Aktie verlor am ersten Börsentag satte 11% und stellte damit einen Negativrekord in der US-Börsengeschichte auf.

Bei der Vielzahl an Projekten (ich habe Ihnen hier nur eine Auswahl präsentiert), war es kein Wunder, dass Uber irgendwann die Puste ausgehen musste. Nach Beginn der Corona-Pandemie kündigte Uber im Mai 2020 an, knapp 7.000 Mitarbeiter entlassen zu wollen. Im vergangenen Monat gab das Unternehmen bekannt, dass es in diesem Jahr aufgrund der Covid-19-Pandemie 5,8 Mrd. USD an Verlusten einfahren wird.

Aufgrund dieser tiefroten Zahlen musste sich der App-Spezialist jetzt von kostenintensiven Firmenbestandteilen wie der Uber ATG und auch Uber Elevate trennen. Ob das allerdings reichen wird, um Uber wieder in die Gewinnzone zu bringen, wird die Zukunft zeigen.

Der Verkauf von Uber Elevate an Joby bedarf noch der Zustimmung der Aufsichtsbehörden. Der Deal soll im ersten Quartal 2021 abgeschlossen werden.

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Tobias Schöneich
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Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.

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