Uber-triebene Bewertung

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Die Bewertung des Fahrdienstleisters Uber scheint wenig Spielraum nach oben zu lassen. Die Aktie gibt zum Börsendebut kräftig nach. (Foto: Sundry Photography / shutterstock.com)

So hatte sich Uber seinen Börsengang nicht vorgestellt: Zwar konnten 8,1 Milliarden Dollar eingesammelt werden, doch ist die größte Börsenpremiere seit dem chinesischen Amazon-Rivalen Alibaba bei Anlegern am Sekundärmarkt nur auf schwache Nachfrage gestoßen. Der erste Kurs der unter dem passenden Tickersymbol „UBER“ gelisteten Aktien lag am Freitag mit 42 Dollar knapp 6,7% unter dem Ausgabepreis von 45 Dollar. Am Ende gingen die Aktien sogar mit einem Minus von 7,6% aus dem Handel.

Schlechtes Timing für den Börsengang

Dabei lag der Ausgabepreis von Uber Technologies – so der vollständige Firmenname des Unternehmens – bereits am unteren Ende der festgelegten Bookbuilding-Bandbreite von 44 bis 50 Dollar. Wofür nicht allein die schwache Entwicklung des kleineren Konkurrenten Lyft verantwortlich gewesen sein dürfte, dessen Aktien seit dem Börsengang vor gerade einmal sechs Wochen bereits ein Drittel an Wert verloren haben.

Für schlechte Stimmung sorgten auch tausende Uber-Fahrer, die mit Streiks auf ihrer bescheidenen Einkommen aufmerksam gemacht haben. Und die stetigen Beschwerden über den mangelhaften Datenschutz. Und das egomanische Verhalten des Firmengründers Travis Kalanick.

Disruptives Geschäftsmodell

Insofern sind viele Anleger hin- und hergerissen, was sie von Uber halten sollen. Auf der einen Seite fühlt sich Uber nicht wie ein Unternehmen an, sondern eher wie ein innovatives – neudeutsch disruptives – Dienstleistungskonzept. Viele bezeichnen Uber sogar als Teil einer Revolution: Neben dem klassischen Fahrdienst, der mit einer Smartphone-App funktioniert, organisiert Uber inzwischen Essensauslieferungen, vermittelt Frachtaufträge für Lkw-Fahrer und bietet Elektrofahrräder sowie E-Tretroller zur Kurzzeitmiete an.

Bedarf wäre ja da. Das eigene Auto ist teuer, Parkplätze gibt es in den Innenstädten nur noch gegen hohe Gebühren, das Taxigewerbe hat seine eigenen Servicedefizite, der öffentliche Nahverkehr bietet zu Stoßzeiten nur Stehplätze und ist überdies auf die Ballungszentren beschränkt.

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Globales Börsenschwergewicht

So wurde aus dem vor zehn Jahren in San Francisco mit tatkräftiger Unterstützung von Private Equity-Investoren gegründete Unternehmen ein Börsenschwergewicht mit einer Marktkapitalisierung von nun 76,1 Milliarden Dollar. Aus dem Stand hat sich Uber damit in die Kategorie der weltgrößten Automobilkonzerne katapultiert.

Dass Uber weit davon entfernt ist, Gewinne einzufahren, scheint den Kapitalmarkt nicht zu stören. Allein in den vergangenen drei Jahren haben sich die Verluste auf rund 11,5 Milliarden Dollar summiert. Und auch wenn im vergangenen Jahr die Erlöse um 42% auf 11,3 Milliarden Dollar gesteigert werden konnten, lag der operative Verlust ohne Einbeziehung von Sondereffekten mit -3,9 Milliarden Dollar gerade einmal um 10,5% unter dem Vorjahreswert. Von Skaleneffekten kann da keine Rede sein.

Uber-Chef Dara Khosrowshahi hat denn schon vor Monaten gemeint, dass Uber nichts für Investoren sei, die sich an einem vorhersehbar profitablen Unternehmen beteiligen wollen. Auch der Wertpapierprospekt weist darauf hin, dass es ungewiss sei, ob Uber jemals die Gewinnzone erreichen wird. Solche Warnungen sind bei defizitären Börsenkandidaten zwar verbreitet, doch bei einem Unternehmen in der Größe Ubers sollten Sie ihnen durchaus Beachtung schenken.

Uber ist nicht Amazon

Nicht wenige stellen daher die Frage, ob Uber mit seinem Geschäftsmodell überhaupt je Geld verdienen kann. Um die Kritiker zu besänftigen, wurden von den Konsortialbanken immer wieder die Analogien zum Online-Handelsgiganten Amazon gezogen. Ein klassisches Silicon-Valley-Muster, bei dem geflissentlich übersehen wird, dass Jeff Bezos mit seinem Konzern bewusst Verluste in Kauf genommen hat, um seinen zunächst auf Seattle ausgerichteten Internet-Buchhandel zu globalisieren und um unzählige Produktkategorien zu erweitern.

Im Gegensatz zu Uber hat Amazon sein Produktwachstum durch die bereits etablierten Produktkategorien und seine Globalisierung durch die bereits profitablen Regionen finanziert. Im Gegensatz zu Uber war Amazon nie umstritten, sondern hat sich stets als das „freundlichste Unternehmen“ der Welt verstanden. Ob das Uber wirklich kopieren kann, bleibt abzuwarten. Daher dürfte der Uber-Aktie eine volatile Zukunft bevorstehen.


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Von: Peter Thilo Hasler. Über den Autor

Peter Thilo Hasler ist seit über 25 Jahren als Finanzanalyst tätig, zunächst für einige große Investmentbanken, seit 2010 in seiner eigenen Research-Firma. Als Analyst berät er namhafte Fondsmanagern und Vermögensverwalter weltweit.