Über die Blasenbildung bei einigen Internetportalen

Der deutsche Leitindex DAX konnte heute kräftig zulegen und deutlich über die 11.000-Punkte-Marke springen. Auslöser waren Nachrichten und Gerüchte aus Griechenland. Das Wort Chaos beschreibt die unklare Nachrichtenlage am besten.

Ich gewinne langsam den Eindruck, dass die amtierende griechische Regierung bewusst eine Niederlage ansteuert, um dann einen Grund zu haben, das sinkende Schiff zu verlassen. Die Lage in Griechenland bleibt daher unberechenbar.

Während aus meiner Sicht das Thema Griechenland an der Börse weit überschätzt wird, übersehen einige Investoren die echten Risiken bei einigen Investments. Teilweise war in der jüngeren Vergangenheit von Übertreibungen (Blasenbildung) am Aktienmarkt zu lesen und zu hören.

Ich habe Sie an dieser Stelle jedoch regelmäßig darauf hingewiesen, dass von einer flächendeckenden Blasenbildung am Aktienmarkt sowohl in Europa als auch in den USA keine Rede sein kann.

Denn: Die durchschnittlichen Kurs-Gewinn-Verhältnisse europäischer und US-amerikanischer Aktien lagen zuletzt im Bereich der historischen Durchschnittswerte. Daher sind amerikanische und europäische Aktien mehrheitlich fair bewertet.

Dennoch sind einzelne Blasenbildungen zu erkennen. Beispielsweise am Anleihenmarkt. Da ich Ihnen darüber aber schon berichtet habe, möchte ich mich heute einem anderen Bereich widmen, in dem ebenfalls – teils sogar massive – Blasenbildungen zu beobachten sind. Es handelt sich dabei um den Bereich der Internetportale.

Bewertungen von Reise- und Übernachtungsportalen explodieren

Airbnb, das Start-up (Jungunternehmen), das weltweit private Unterkünfte vermittelt, hat die eigene Bewertung im Rahmen der jüngsten Finanzierungsrunde auf 25 Mrd. US-Dollar hinaufkatapultiert. Und das bei einem erwarteten Umsatz für 2015 in Höhe von nur 900 Mio. US-Dollar und defizitärem (also Verlust bringenden) Geschäft.

Damit ist Airbnb derzeit mit dem 28-fachen Jahresumsatz bewertet. Zum Vergleich: Die 30 DAX-Unternehmen werden derzeit nicht einmal mit dem 1-fachen Jahresumsatz bewertet. Selbst die deutschen Wachstumswerte im TecDax kommen nur auf ein Kurs-Umsatz-Verhältnis von 2. Zwar ist Airbnb in dieser Branche hinsichtlich der Bewertung das extremste Beispiel, doch es gibt noch viele weitere Beispiele für sehr hohe Bewertungen.

Der Online-Reisevermittler Priceline bringt es – primär dank des Zugpferdes Booking.com – mit einem Jahresumsatz von 8,4 Mrd. US-Dollar auf eine Marktkapitalisierung (Börsenwert) von 60 Mrd. Euro.

Ganz anders sieht es beim Priceline-Konkurrenten Expedia aus: Das Unternehmen generierte im vergangenen Jahr zwar einen Umsatz von 5,8 Mrd. US-Dollar, wird an der Börse aber derzeit „nur“ mit rund 14 Mrd. US-Dollar bewertet. Doch woher kommt dieser enorme Bewertungsunterschied zwischen Priceline und Expedia?

Die unterschiedliche Bewertung dürfte im Wesentlichen ein Ergebnis der sehr unterschiedlichen Rendite-Kennzahlen sein. Denn: Während Expedia zuletzt auf eine operative Marge von 9% kam, erreichte der Konkurrent Priceline stolze 36%.

Generell aber gilt in dieser Branche, dass die Bewertungen zuletzt explodiert sind. Zwar wuchs auch der Markt für Internet-Urlaubs- und Übernachtungsbuchungen in den vergangenen Jahren sehr rasant, doch in den kommenden Jahren wird sich dieses Wachstumstempo nur schwer fortsetzen können.

Daher sind einige Bewertungen aus meiner Sicht mit Vorsicht zu genießen. Hohe Bewertungen haben nur die Anbieter verdient, die Marktführer sind, stark wachsen und bewiesen haben, dass sie profitabel arbeiten können.

Airbnb zählt jetzt zu den teuersten 3 Start-ups der Welt

Airbnb ist mit einem Wert von aktuell 25 Mrd. US-Dollar in die Top 3 der weltweit teuersten Start-ups aufgestiegen. Die Plätze 1 und 2 belegen der chinesische Smartphoneproduzent Xiaomi mit einem Wert von 46 Mrd. US-Dollar und der amerikanische Online-Fahrdienstleister Uber mit einer Bewertung von 41,2 Mrd. US-Dollar.

Der einstmals exklusive „Milliarden-Dollar-Club“ der Start-ups mit einer Bewertung von mindestens 1 Mrd. US-Dollar zählt laut „Wall Street Journal“ inzwischen schon 99 Mitglieder. Um es in die Top 10 zu schaffen, muss ein Start-up heute schon auf einen Wert von mindestens 10 Mrd. US-Dollar kommen.

Noch vor einem Jahr hätte bereits eine Bewertung von 5 Mrd. US-Dollar (also gerade einmal die Hälfte) ausgereicht. Ein Start-up mit einer Bewertung von mehr als 20 Mrd. US-Dollar gab es vor einem Jahr noch nicht. Diese Entwicklung zeigt Ihnen, dass sich hier spätestens in den vergangenen 12 Monaten eine Spekulationsblase gebildet hat.

Mein Fazit für Sie: Sollten diese Jungunternehmen demnächst an die Börse gehen, ist große Vorsicht geboten. In den Unternehmensbewertungen ist bereits sehr viel Wachstumsphantasie enthalten.

1. Juli 2015

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist nicht nur Chefredakteur von „Morriens Einsteiger-Depot“, dem „Depot-Optimierer“, von „Das Beste aus 4 Welten“ und von „Rolf Morriens Power Depot“, er ist auch einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands.

Regelmäßig Informationen über Marktanalysen erhalten — kostenlos!
Profitieren Sie von unserem kostenlosen Informations-Angebot und erhalten Sie regelmäßig die neusten Informationen von Rolf Morrien. Über 344.000 Leser können nicht irren.

10 Dividendenaktien, deren Dividende IMMER steigt