Überflieger unter Druck

Wer hat es erfunden? Diese in der Werbung oftmals penetrant vorgetragene Frage bezieht sich in der Praxis nicht nur auf Lutschpastillen mit Kräuter-Geschmack. In Wahrheit können die Schweizer weitaus mehr, als für unser leibliches Wohl sorgen.

Sogar in der Deutschen liebsten Branche, dem Maschinenbau, sind findige Schweizer erfolgreich zu Hause. Doch besteht kein Grund für Neid! Die Schweizer teilen ihren Erfolg gern – zumindest mit allen Aktionären von Georg Fischer!

Georg Fischer (GF) konzentriert sich auf die drei Kerngeschäfte GF Piping Systems (Rohrleitungssysteme), GF Automotive (Fahrzeugtechnik) und GF Agie Charmilles (Fertigungstechnik). Der 1802 gegründete Konzern verfügt in 30 Ländern über 125 Gesellschaften, davon 48 Produktionsstätten.

Russland-Krise belastet das Geschäft

Über den Geschäftsverlauf seit Juli 2014 ist wenig bekannt, da GF keine 9-Monats-Zahlen veröffentlicht. Allerdings hat das Management die Prognose für 2014 im Oktober bestätigt.

Entsprechend dürfte die zweite Jahreshälfte ähnlich verlaufen sein wie die erste. Die von uns erwarteten positiven Überraschungen sind offensichtlich ausgeblieben. Unsere Gewinnschätzung haben wir deshalb nach unten angepasst. 2015 rechnet GF mit einem Umsatz von 4 bis 4,5 Mrd SFr und einer operativen Marge von 8 bis 9%. Im 1. Halbjahr 2014 waren es 7%.

Die Ziele sind zwar angesichts der Franken-Aufwertung ambitioniert, aber nicht vollkommen unrealistisch. Das Währungsrisiko beziffert GF mit 200 Mio SFr oder 5% des Umsatzes. Der Konzern sollte zum einen vom anhaltenden Wachstum der Autoindustrie profitieren.

Selbst in Europa geht es wieder bergauf. Einzig das Geschäft mit den LKW-Herstellern schwächelt wegen der Krise in Russland. Zum anderen entwickelt sich die Bauindustrie in einigen europäischen Märkten immer noch robust. Dies sollte der Sparte Piping Systems weitere Impulse verleihen. Die Sparte hat auch langfristig reichlich Potenzial.

Franken-Stärke belastet

Interessante Wachstumsfelder sind die Wasserversorgung und -aufbereitung in den Schwellenländern. Auch die Sparte Fertigungstechnik ist auf Erholungskurs und hat im Oktober einen 28 Mio SFr schweren Auftrag an Land gezogen.

Es geht um die Lieferung von Fräsmaschinen zur Produktion von Triebwerkteilen für Airbusund Boeing-Maschinen. Trotz der guten Wachstumsaussichten sind die Währungsrisiken nicht zu unterschätzen. Georg Fischer büßt daher die Bestnote ein.

Dennoch ist die Aktie noch immer interessant. Eine Dividenden-Rendite von 3,1 % überzeugt jeden Dividenden-Jäger. Kurzfristig ist Georg Fischer aber ganz klar vom starken Franken und der Russland-Krise betroffen. Erst wenn das Unternehmen weitere Zahlen vorgelegt hat und mit der Situation gut klar kommt, kann es Entwarnung geben.

5. März 2015

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Volker Gelfarth. Über den Autor

Der Diplom-Ingenieur lernte die Schwächen und Stärken eines Unternehmens selbst als Manager kennen, bevor er sich voll und ganz der Value-Analyse widmete. Er ist Chefredakteur für die Dienste Aktien-Analyse, Gelfarths Dividenden-Letter, Gelfarths Premium-Depot und Strategisches Investieren.

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