Überhöhte Steuern: Finanzminister will Spitzensteuersatz anheben

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Finanzminister Olaf Scholz denkt über einen höheren Spitzensteuersatz nach – davon wären wegen der Steuerprogression alle Einkommen betroffen. (Foto: RomanR / shutterstock.com)

Wie Bundesfinanzminister Olaf Scholz in einem Interview erklärte, denkt er darüber nach, den Spitzensteuersatz in Deutschland um drei Prozentpunkte auf 45 Prozent anzuheben. Er fände das nur gerecht, wenn hohe Einkommen mehr besteuert würden. Zudem wäre der Spitzensteuersatz zu Zeiten von Bundeskanzler Helmut Kohl schon einmal bei 56 Prozent gewesen.

Doch die Realität sieht heute anders aus: Was sich zunächst anhört, als ginge es nur darum, die „Reichen“ mehr zu besteuern, betrifft letztlich alle steuerpflichtigen Einkommensbezieher. Jede Erhöhung des Spitzensteuersatzes wirkt sich auf die komplette Steuerprogression aus und belastet letztlich die Steuerzahler insgesamt, weil die komplette Progressionstabelle für alle Steuerklassen ungünstiger wird.

Dazu kommt, dass heute bereits ein nur wenig über dem Durchschnittsverdienst liegendes Einkommen ausreicht, um in die Nähe der Grenze zum Spitzensteuersatz zu kommen. Im Jahr 1960 betrug der Durchschnittslohn nur 5,5 Prozent des Spitzensteuersatzes. Im Jahr 1980 waren es etwa 22 Prozent und 2016 bereits 62 Prozent. Das heißt, dass sich der Durchschnittslohn immer mehr der Grenze zum Spitzensteuersatz nähert. Heute reicht es bereits aus, das 1,5-fache des Durchschnittslohns zu verdienen, um voll als vermeintlich „Reicher“ besteuert zu werden.

Das bedeutet auch, dass die 56 Prozent Spitzensteuersatz vor über 20 Jahren für den Durchschnittsverdiener eine erheblich geringere Belastung waren, als die 42 Prozent heute. Es geht hier also nicht um „Reiche“ und „hohe Einkommen“, sondern um die noch stärkere Besteuerung des Mittelstands. Dabei ist Deutschland nach einer OECD-Untersuchung heute schon – nach Belgien – das Industrieland mit den höchsten Steuern und Abgaben weltweit.

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Speziell in der nächsten Finanzkrise drohen uns massive Steuererhöhungen

Solche Gedankenspiele über Steuererhöhungen in der Politik bestätigt meine Befürchtung, dass uns erst recht in einer neuen Finanzkrise massiv steigende Steuern drohen. Anders als mit der immer stärkeren Belastung der Steuerbürger kann der Staat seinen Verpflichtungen nicht mehr nachkommen, die in einer Krise für eine sehr wahrscheinlich notwendig werdende Eurorettung und die Finanzierung der möglicherweise völlig aus dem Ruder laufenden Ausgaben für den Sozialstaat entstehen.

Deshalb geht es heute nicht mehr nur darum, Ihr Vermögen vor einer Krise zu retten, sondern auch dieses gegen den Zugriff eines immer begehrlicher werdenden Staates abzusichern. Wenn Sie Fremdwährungen teilweise als Bargeld halten und Edelmetalle anonym kaufen, dann unterliegen diese Vermögensteile keiner staatlichen Kontrollmöglichkeit. Folglich können diese Kapitalanlagen auch in einer Krise nicht besteuert werden. Dazu gehört auch ein Bargeldvorrat in Euro, mit dem Sie für mindestens zwei Monate die Ausgaben zur Finanzierung Ihres Lebensstandards bestreiten können.

Vor allem sollten Sie außer dem Eigenheim auf Immobilieninvestments verzichten. Nichts ist besser für den Staat belastbar als Immobilien, die im Grundbuch stehen und jederzeit mit Sonderabgaben und Zwangshypotheken belastet werden können.


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Günter Hannich
Von: Günter Hannich. Über den Autor

Günter Hannich, Bestseller-Autor und gefragter Experte auf dem Gebiet Kapitalschutz, unter anderem bei n-tv. Er steht mit dem „Crash Investor“ ab sofort zur Verfügung, um sein persönliches Wissen zu teilen. Für Ihre ­Sicherheit.