Übernahme abgeblasen: Icahn gewinnt Machtkampf um Xerox

Taschenrechner Stift Kurse – shutterstock_84247642 Zadorozhnyi Viktor

Der Deal zwischen Fujifilm und Xerox ist voraussichtlich vom Tisch. Damit wird es schwer für das angeschlagene Traditionsunternehmen. (Foto: Zadorozhnyi Viktor / Shutterstock.com)

Es sollte ein Deal werden, der aus zwei Lahmen einen Sprinter macht. Im Januar dieses Jahres einigten sich der angeschlagene US-amerikanische Kopierer-Hersteller Xerox mit seinem ebenfalls angeschlagenen japanischen Branchenkollegen Fujifilm auf einen milliardenschweren Zusammenschluss.

Der Deal wurde von Analysten als äußerst positiv bewertet, einige Analysten gingen sogar soweit, dass Sie vom einzigen Ausweg der Traditions-Unternehmen sprachen.

Doch nicht jeder Xerox-Kenner teilte diese Ansicht. Im Xerox-Aktionariat findet sich der berühmt-berüchtigte Aktivist Carl Icahn – und der war gegen die Transaktion.

Icahn: „Fujifilm versucht Xerox zu stehlen“

Zusammen mit dem US-Aktivisten Darwin Deason machte Icahn frühzeitig Stimmung gegen den Deal. Fuji versuche Xerox zu stehlen, wetterte der Aktivist in Anlehnung an den Übernahme-Preis und einer fehlenden Prämie auf den Aktienkurs. Aktionäre forderte er auf, bei der Abstimmung gegen den Deal zu votieren.

In der Tat: Eine Prämie auf den Aktienkurs sah die komplexe Transaktion nicht vor. Es ging um den Einstieg von Fujifilm bei Xerox mit 50,1% und sah die Einbringung eines langjährigen Joint Ventures in das neue Unternehmen vor. Zudem sollten die Xerox-Aktionäre eine Sonderdividende von 9,80 Dollar je Anteilsschein erhalten.

Hat Druck auf das Management Xerox in die Fujifilm-Arme getrieben?

Der Deal kam zunächst gut bei den Xerox-Investoren an und sorgte trotz fehlender Prämie für einen Kurssprung von rund 10%. Investoren begrüßten die bessere Perspektive des neuen Konzerns.

Für Icahn war das jedoch zu wenig. Er war der Ansicht, dass das Management einen Schnellschuss abgab, um im Amt zu bleiben. Xerox kam 2017 bereits 2 Mal unter Beschuss. Icahn forderte im Dezember einen Managementumsturz und radikale Maßnahmen, damit das Traditionsunternehmen nicht den Weg von Kodak geht.

Inwieweit dieser Vorwurf berechtigt ist, ist fraglich. Dass es aufgrund des drohenden Jobverlusts einen Interessenskonflikt im Management gab, ist jedoch offensichtlich, sodass es zumindest möglich ist, dass nicht alle Optionen im Detail geprüft wurden.

Stift Tablet – shutterstock_525817939 phongphan

Mit WashTec machen Sie dreckige Autos zu GeldMit jeder Autowäsche verdienen, geht denn das? – "Mit dieser Aktie schon!", sagt unser Börsen-Experte Volker Gelfarth an dieser Stelle. › mehr lesen

Bei 40 Dollar je Xerox-Aktie wäre Icahn an Bord – Fujifilm lehnt dankend ab

Mit Blick auf die Transaktionsparameter ist Icahn der Ansicht, dass es besser ist, wenn Xerox andere Möglichkeiten prüft. Dabei hält er auch die Möglichkeit einer Übernahme durch Fujifilm offen.

Sollten die Japaner bereit sein, 40 Dollar je Xerox-Aktie in bar zu bezahlen, dann würde man einer Transaktion offen gegenüber stehen. Das Problem ist, dass Fujifilms Finanzlage wenig Spielraum bietet. Heute hat dann auch das Fujifilm-Management klar gemacht, dass dies keine Option sei.

Xerox voraussichtlich vor langem Restrukturierungsweg: Aktie meiden

Der Übernahme-Sensor geht davon aus, dass die Chance auf einen Deal mit Fujifilm Richtung 0% geht. Möglich ist jedoch, dass Xerox einen Verkaufsprozess startet und von Finanzinvestoren abseits der Börse wieder flott gemacht wird.

Sollte es jedoch zu keiner Übernahme kommen, was das wahrscheinlichste Szenario ist, dann wird Xerox den Alleingang versuchen müssen. Dann hängt es davon ab, ob die von Icahn und Deason in die Führungsspitze geschickten Manager das Ruder herumreißen können.

Dies dürfte nicht einfach werden. Im Zeitalter des digitalen Büros wird das Stammgeschäft weiter unter Druck bleiben. Das Marktumfeld lässt sich nicht verändern.

Vieles hängt also davon ab, ob Xerox mit den begrenzten Mitteln in anderen Bereichen punkten kann. Neben einigen „Insel-Erfolgen“ ist die Bilanz der vergangenen Jahre dabei nicht sonderlich positiv – trotz des starken Firmen-Namens.

Ein Engagement ist daher riskant und langwierig. Für Anleger ist es besser, zunächst an der Seitenlinie zu bleiben.


© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Jens Gravenkötter
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.