Übernahme-Aktivist Icahn steigt bei Apple ein

Der in der Finanzwelt geachtete aber auch gefürchtete US-Milliardär Carl Icahn hat am Dienstag auf seinem Twitter-Profil der Welt mitgeteilt, dass er bei Apple eingestiegen ist. (Foto: Francesco Marino - Fotolia)

Der in der Finanzwelt geachtete aber auch gefürchtete US-Milliardär Carl Icahn hat am Dienstag auf seinem Twitter-Profil der Welt mitgeteilt, dass er bei Apple eingestiegen ist.

Insidern zu Folge soll Icahn Apple-Aktien für 1 – 1,5 Mrd. US-$ gekauft haben. Obwohl eine Milliarde Dollar viel Geld ist, hält der Milliardär damit dennoch weniger als 1% der Apple-Papiere.

Im Twitter-Eintrag bezeichnete Icahn die Apple-Aktie als „extrem unterbewertet“. Einen „tweet“ später kletterte das Papier des iPhone-Herstellers um fast 5% auf 489 US-$.

Nach der Icahn-Meldung stieg der Konzernwert von Apple in der Spitze um bis zu 17 Mrd. US-$. Momentan ist Apple 444 Mrd. $ wert und bleibt damit vor Exxon Mobile  – dem Dauer-Rivalen um den Spitzenplatz – der wertvollste Konzern der Welt.

Nach Rekordhoch und Kursverlust – Apple-Aktie wieder im Aufwind

Im September 2012 markierte die Apple-Aktie bei 705 US-$ ein Allzeithoch. Danach folgte jedoch ein starker Kurs-Rücksetzer. Fast ein Jahr später liegt der Kurs um ein Drittel unter dem Allzeithoch.

Inwieweit der starke Kursrückgang gerechtfertigt ist, darüber lässt sich streiten.

Als Grund wurde jedenfalls die Wachstumsverlangsamung des Smartphone- und TabletPC-Riesen angegeben. Es wurde deutlich, dass auch bei Apple die Bäume nicht in den Himmel wachsen.

Vergangene Woche konnte die Apple-Aktie jedoch wieder spürbar zulegen, nachdem der US-Konzern für September neue Produkte ankündigte.

Icahn erwartet Rückkehr zur alten Stärke – fordert Aktienrückkauf

Der aggressive Finanz-Investor hat sich nach dem Apple-Einstieg schon mit Apple-CEO Tom Cook getroffen und dem Vorstands-Chef  in einem längeren Gespräch die Hintergründe seines Einstiegs geschildert.

Cook wurde empfohlen, die mit rund 150 Mrd. US-$ gefüllte Firmenkasse für einen größeren Aktienrückkauf einzusetzen.

Das Geld wird offensichtlich nicht für Übernahmen genutzt, sodass ein Teil der Kasse sicherlich an die Aktionäre ausgeschüttet werden könnte, ohne dass Apple direkt am Hungertuch nagt.

Apple hat schon vor einiger Zeit angekündigt bis 2015 rund 100 Mrd. $ an die Aktionäre in Form von Dividenden und Aktienrückkaufen ausschütten.

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Die Ankündigung markierte eine Strategiewende. Unter dem verstorbenen Apple-Gründer Steve Jobs gab es bei Apple keine Dividende.

Dell-Übernahme: Icahn holt für die Aktionäre 350 Mio. Dollar mehr raus

Icahn geht jedoch auch das nicht weit genug. Er ist bekannt dafür, dass er sich in ein Unternehmen einkauft und Druck ausübt. Seine Methoden sind umstritten, doch für die Aktionäre ist der Einstieg meistens sehr lohnenswert.

Momentan hat der Finanzinvestor auch seine Finger beim Dell-Börsenrückzug im Spiel. Dank Icahns hartnäckigem Verhandlungsstil musste Michael Dell das Angebot bereits anheben.

Bisher konnte Icahn für sich und die Aktionäre 350 Mio. US-$ mehr rausholen und der Deal ist noch nicht in trockenen Tüchern.

Apple: Gute Chancen auf nachhaltige Trendwende

Apple-Aktionäre können vom erfahrenen und aktiven Investor gleich mehrfach profitieren. Zum einen könnte Icahn zusammen mit anderen Investoren eine Fraktion anführen, die eine Ausschüttung oder ein Aktienrückkauf-Programm fordert.

Zum anderen sind die Perspektiven für steigende Kurse jetzt noch besser. Wenn einer wie Icahn sagt, dass Apple „extrem“ unterbewertet ist, dann hat das starke Signalwirkung auf andere Investoren.

Die Aktie ist bereits kurz nach Bekanntwerden des Einstiegs gestiegen, steigt heute gegen den Markt(!) weiter und hat gute Chancen auf weitere Kurssteigerungen.

Solange Icahn meint, dass Apple unterbewertet ist, besteht zudem die Chance, dass er weitere Aktien kauft. Das stützt den Kurs.

Neben dem „Icahn-Effekt“ bietet die Aktie auch andere Kurstreiber. Im September folgt die Präsentation des neuen i-Phones und gerüchteweise soll Richtung Weihnachten ein neues i-Pad mini mit Retina-Display auf den Markt kommen.

Gut möglich, dass Apple mit den neuen Produkten wieder technologische Neuerungen vorstellt, die Sorgen um die Innovationskraft des Konzerns zerstreuen.

Aus Sicht des Übernahme-Sensors lohnt sich ein Blick auf die Apple-Aktie und die fundamentalen Kennzahlen.


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Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.