Übernahme-Aus: TNT Express-Aktie schmiert ab

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Die Übernahme des niederländischen Paketzustellers TNT Express steht vor dem Aus. (Foto: Joerg Huettenhoelscher / shutterstock.com)

Die Übernahme des niederländischen Paketzustellers TNT Express steht vor dem Aus. Wie Bieter UPS heute mitteilen ließ, rechnet der amerikanische Konkurrent nicht mehr mit einer Genehmigung des Deals.

Das Deal-Aus ist für den Übernahme-Sensor keine große Überraschung. Bis zuletzt hatten sich die Wettbewerbsbehörden gegen eine Übernahme ausgesprochen und die von UPS angekündigten Maßnahmen konnten das nicht ändern.

Als gegen Ende des vergangenen Jahres noch ein letzter Versuch gestartet wurde, um mit weiteren Zugeständnissen den Deal zu retten, ließ die Behörde durchblicken, dass nur geringe Chancen auf eine Genehmigung bestehen.

Jetzt ist die Entscheidung gefallen und schon morgen soll das Deal-Aus offiziell verkündet werden.

TNT-Aktie: Hoher Kurs nur wegen der Übernahme-Chance

Die Aktie von TNT Express brach nach Bekanntwerden der Meldung ein. In einem unveränderten Markt verliert das Papier mehr als 40%. Gegenüber dem geplanten Übernahme-Preis ist die Aktie sogar 50% günstiger.

Damit notiert die Aktie nur wenige Prozentpunkte über dem Kurs, der vor Beginn der Übernahme-Spekulationen gezahlt wurde.

Dass sich die Aktie ohne Übernahme nicht lange im Bereich von 8 bis 10 Euro halten kann, wurde erwartet.

Mit Schwinden der Übernahme-Chance stiegen schon im Vorfeld viele Investoren aus. Zum Jahreswechsel notierte die TNT-Aktie bereits 15% unter Angebotspreis.

UPS-Manager haben Wettbewerbssituation falsch eingeschätzt

Der geplatzte Deal dürfte für eine Menge Ernüchterung unter den UPS-Managern sorgen. Als die Übernahme in die heiße Phase lief, hieß es noch, dass UPS binnen eines Monats mit einer Zustimmung durch die Wettbewerbsbehörden rechnet.

Angesichts der sehr hohen Konzentration im Zustellgeschäft wohl mehr Wunschdenken, denn eine realistische Einschätzung der Situation.

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Immerhin teilen sich nur vier große Unternehmen (UPS, TNT, FedEx und DHL) den europäischen Markt, sodass vorsichtigere Töne angebracht gewesen wären.

Wenn UPS Europas Nummer zwei (weltweit Nummer vier) übernehmen will, dann schaut die Wettbewerbsbehörde genauer hin. Die Entscheidung ist auch absolut nachzuvollziehen.

Aufgabe der Behörde ist es, Monopole, Oligopole und strategisches Verhalten zu unterbinden – das wurde durch die Deal-Ablehnung getan.

UPS-Investoren weinen geplatztem Deal nicht hinterher

UPS hat die Möglichkeit einer TNT-Übernahme zu optimistisch eingeschätzt. Doch auch finanziell ist das Übernahme-Aus unschön.

Während der Übernahme-Verhandlungen wurde eine Break-Up-Fee von 200 Mio. Euro vereinbart. Dieses Geld erhält TNT jetzt als Entschädigung dafür, dass die Übernahme nicht stattfindet.

Doch Übernahme-Aus und Strafzahlung trübt nicht die Freude der UPS-Investoren, von denen viele die Übernahme kritisch bewerteten.

Einige monierten, dass der Deal zu teuer sei – andere merkten an, dass zu viele Zugeständnisse an die Wettbewerbsbehörden gemacht werden müssten. UPS-Aktien legen gegen den Markt um 1,4% zu.

TNT Express kündigt „Stand Alone-Strategie“ an

TNT Express wird jetzt erst einmal alleine weitermachen. Das Unternehmen wird die Scherben zusammenkehren und mit dem neuen Chef wieder ins Alltagsgeschäft zurückkehren.

Relativ zeitnah werden zwar wieder Spekulationen aufkommen, ob nicht die beiden anderen Konkurrenten – Deutsche Post und FedEx – TNT Express übernehmen könnten, doch die dürften nach Einschätzung des Übernahme-Sensors vorerst kein Interesse haben.


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Jens Gravenkötter
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.