Übernahme-Chance Motorola Solutions: Finger weg!

Gestern hat Ihnen der Übernahme-Sensor geschrieben, dass der Gewerbe-Immobilienkonzern Macerich kein Interesse an einer Übernahme durch Simon Property hatte.

Immer wieder gibt es Übernahme-Kandidaten, die nichts von einem Deal wissen wollen. Es geht aber auch anders herum: Übernahme-Kandidaten, die sehr gerne von einem größeren Konzern übernommen werden wollen, um die Geschäftsperspektive zu verbessern.

Einer dieser Kandidaten ist Motorola Solutions. Der Hersteller von Kommunikations-Geräten und Drahtlos-Netzwerken ist seit Monaten auf Partnersuche. Problem ist, dass keiner die Reste des Motorola-Konzerns haben will.

Motorola Solutions: Ergebniseinbruch nach gutem Start

Motorola Solutions ist 2011 aus einer Aufspaltung des amerikanischen Traditions-Unternehmens Motorola hervorgegangen. Auf Druck des berüchtigten Übernahme-Investors Carl Icahn wurde das Mobilfunkgeschäft abgespalten und dann an Google verkauft.

Ohne dem Geschäft war Motorola Solutions zunächst noch erfolgreich. Im Vorjahr allerdings brach der bereinigte Profit um 45% ein. Und auch für dieses Jahr wird es schwierig. Das Umsatzwachstum soll zwischen 2 und 4% liegen, doch einige Analysten rechnen damit, dass Motorola das Ziel verfehlt.

Branchengrößen wollen nicht….

Über 2015 hinaus könnte es schwierig bleiben. Auf der Suche nach Partnern soll Motorola auch bei den größeren Technologie-Konzernen Tyco und Honeywell vorstellig gewesen sein. Diese lehnten aber zum derzeitigen Zeitpunkt eine Übernahme ab.

Grund soll gewesen sein, dass die Motorola Solutions Technologie schneller zu veralten droht als angenommen wird. Das würde einen hohen Übernahme-Preis nicht rechtfertigen.

Ein vernichtendes Urteil. Wenn Branchenkenner wie Tyco und Honeywell das Unternehmen für viel zu teuer halten, dann würde mich als Aktionär das schon nervös machen.

…und auch Finanzinvestoren lehnen ab

Zum Glück gibt es ja noch die Option „Übernahme durch Finanzinvestoren“. Die Profis in der Branche haben schon so manches Unternehmen mit schlechterer Perspektive flott gemacht und sich dann bei Weiterverkauf die Taschen gefüllt.

Leider sollen verschiedene Finanzinvestoren auch abgewinkt haben. Nicht einmal ein Zusammenschluss mehrerer Finanzinvestoren – zuletzt häufiger bei Milliarden-Übernahmen gesehen – sieht eine gewinnbringende Investitionschance.

Wenn keiner will, ist die Aktie vielleicht zu teuer

Wenn keiner – trotz aktiver Suche – die Motorola-Reste haben will, weil die Bewertung für einen Deal zu hoch sei, dann sollten Sie Ihre Investition hinterfragen. Die Geschäftsperspektive ist nicht gerade rosig, die KGV-Bewertung (2016) von 15,5 kein Schnäppchen, bei dem man zwingend zugreifen muss.

Die Aktie ist gestern unter Druck geraten (-6%) nachdem die Insider berichteten, dass die Käufer-Suche ergebnislos verlief. Ohne Übernahme-Chance drohen sogar weitere Verluste. Zwar könnte das Management den Kurs mit einem Aktienrückkaufprogramm stützen, doch der Cash-Abfluss würde die Übernahme-Attraktivität weiter verringern.

Achten Sie auch bei Übernahme-Kandidaten auf Qualität und Bewertung

Der Übernahme-Sensor sieht in Motorola Solutions keine Investitionschance. Es ist eine klassische Investment-Strategie sich Aktien von Unternehmen ins Depot zu legen, die sich zum Verkauf stellen, um dann hinterher die Übernahme-Prämie zu kassieren.

Doch wie immer im Übernahme-Geschäft, muss auch da genau hingeschaut werden, was man kauft. Die Käufersuche für einen Konzern, der mit über 14 Mrd. Dollar an der Börse bewertet wird, ist nie einfach. Wenn die Bewertung in Bezug auf die Perspektiven bereits hoch ist und die möglichen Käufer selbst nicht unter Druck stehen, etwas zu machen – warum dann auf einen Deal setzen?

Denken Sie daran: Sie müssen nicht jeder Übernahme-Chance hinterherjagen, um mit Übernahme-Investitionen mehr Anlage-Erfolg zu haben als der Durchschnittsanleger. Achten Sie auf Qualität. Dann ist das Rückschlagspotenzial geringer falls ein Deal ausbleibt und die Übernahme-Prämie höher, wenn der Deal stattfindet.

3. April 2015

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.

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