Übernahme: Chinesen schlagen erneut in Deutschland zu

Der deutsche Aktienmarkt ist mit Kursgewinnen in die neue Handelswoche gestartet: Der DAX kletterte auf 10.739 Punkte.

Für gute Stimmung sorgten u. a. Kursgewinne an den chinesischen Börsen: China war heute an der Börse wieder ein heißes Thema.

Denn: Der deutsche Luftfahrt-Zulieferer Broetje-Automation wechselt in chinesische Hände.

Shanghai Electric, ein chinesischer Hersteller von Anlagen zur Energie-Erzeugung, zahlt insgesamt rund 200 Mio. € an die Deutsche Beteiligungs AG (DBAG), Dürr und die anderen Eigentümer.

Dies teilte Shanghai Electric heute mit.

Der deutsche Mittelständler Broetje-Automation, der selbst nicht börsennotiert ist bzw. war, beschäftigt weltweit rund 850 Mitarbeiter und stellt u. a. Nietmaschinen und -anlagen her.

Mit diesen können große Elemente eines Flugzeugs wie Rumpf, Flügel und Cockpit aus Metall oder Kohlefaser automatisch genietet, gefügt und montiert werden.

Warum Shanghai Electric Broetje-Automation kauft

Der Grund, warum Shanghai Electric den deutschen Luftfahrt-Zulieferer Broetje kauft, ist, dass die Chinesen sich breiter aufstellen wollen.

Aus diesem Grund hat Shanghai Electric zuletzt auch schon in Erneuerbare Energien und High-Tech-Firmen investiert.

Weiterhin haben es chinesische Unternehmen deshalb auf deutsche Mittelständler abgesehen, um an deren Know-how zu kommen.

Deshalb sind besonders innovative und auf komplexere Technologien spezialisierte deutsche Mittelständler im Visier der Chinesen.

Chinesische Unternehmen in Deutschland auf der Jagd

Die Erkenntnis, dass Chinas ganz große Wachstums-Story mit 2-stelligen Wachstumsraten in vielen Branchen vorbei ist, ist ein wichtiger Grund für Übernahmen in Deutschland.

Im Immobilien-Sektor, in der Schwerindustrie und in der Chemie etwa gibt es zur Zeit eine erste Sättigung des Marktes. Deshalb setzen chinesische Unternehmen auf einen Umbau der heimischen Wirtschaft und auf internationale Expansion.

Vielen Unternehmen ist inzwischen klar geworden, dass sie ihr Geschäft zu stark auf die Volksrepublik ausgerichtet haben. Jetzt wollen diese Unternehmen diversifizieren (sich also breiter aufstellen).

In diesem Jahr haben chinesische Unternehmen bereits mehr Geld für Übernahmen ausgegeben als jemals zuvor. Deutschland ist für China dabei mit Abstand das attraktivste Land.

Weitere chinesische Übernahmen in Deutschland

Daher ist die Übernahme von Broetje-Automation auch bei weitem nicht die einzige Übernahme durch chinesische Unternehmen, die in Deutschland in diesem Jahr stattgefunden hat.

So befindet sich seit kurzem z. B. auch der ehemals im MDax notierte deutsche Automations- und Roboter-Spezialist Kuka zu rund 95% in chinesischer Hand.

Bei Kuka war es der chinesische Haushaltsgeräte-Hersteller Midea, der zugeschlagen hat.

Anfang des Jahres wurde auch der deutsche Maschinenbauer KraussMaffei für 925 Mio. € an den chinesischen Staatskonzern ChemChina verkauft. Es folgten viele weitere kleinere Übernahmen in Deutschland.

Ausblick: Chinesen werden weiter in Deutschland zuschlagen

Ich rechne fest damit, dass die Chinesen auch zukünftig weiter in Deutschland auf Einkaufstour gehen werden.

Denn in China sind die finanziellen Mittel dafür vorhanden, und gerade das Know-how mittelständischer deutscher Vorzeige-Unternehmen ist in China sehr gefragt.

Zu den großen Gewinnern gehören daher Beteiligungs-Gesellschaften, die passende Unternehmen für China im Portfolio haben.

Dazu gehört die Deutsche Beteiligungs AG (DBAG), die jetzt Broetje-Automation mit einem hohen Gewinn verkauft hat.

15. August 2016

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist nicht nur Chefredakteur von „Morriens Einsteiger-Depot“, dem „Depot-Optimierer“, von „Das Beste aus 4 Welten“ und von „Rolf Morriens Power Depot“, er ist auch einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands.

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