Übernahme-Flops: Starbucks schließt Teehaus-Kette Teavana

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Nicht jede Übernahme wird ein Erfolg. Oft entscheiden schon kleine Fehleinschätzungen über Wohl und Wehe eines Deals – hier ein Beispiel: (Foto: NicoEINino / shutterstock.com)

Warum es im Übernahme-Geschäft besser ist auf das Übernahme-Ziel zu setzen als auf den Bieter? – Weil das Risiko eines Übernahme-Flops nach Abschluss der Transaktion auf den Käufer übergeht.

Während die Aktionäre des Übernahme-Ziels ausbezahlt werden, müssen die Investoren des Käufers hoffen, dass es ein guter Deal war.

Die Deal-Historie eines Unternehmens entscheidet daher auch oft, wie die Aktie des Bieters auf einen Deal reagiert.

War ein größerer Flop dabei, dann geht es mit der Aktie bei einer späteren Übernahme nach unten – auch wenn Studien zeigen, dass bei erfahrenen Käufern das Misserfolgs-Risiko geringer ist.

Studie: Bei Übernahmen gesteckte Ziele werden häufig nicht erreicht

Die Misserfolgs-Quote bei Übernahmen ist weltweit betrachtet höher als vielfach angenommen wird.

Wenn es um die Erreichung der angekündigten Ziele (z. B. Synergien, Umsatz-Wachstum) bei Übernahme-Abschluss geht, liegt die Quote (je nach Studie) bei erschreckend hohen 50%.

Weitere 20% erzielen für die Aktionäre nur einen geringen Mehrwert.

Daher sollten Sie als Aktionär eines Käufers bei Übernahme-Ankündigung nicht direkt in Euphorie verfallen, auch wenn Ihnen das Management einen erheblichen Mehrwert verspricht.

Starbucks kauft Teavana: Übernahme soll weltweite Tee-Kultur schaffen

Beispiel gefällig? – Viel Geld verbrannte die US-amerikanische Kaffeehaus-Kette Starbucks bei der Übernahme der Teehaus-Kette Teavana.

Ende 2012 schluckte Starbucks Teavana für 620 Mio. Dollar in bar. Der Übernahme-Preis beinhaltete eine Prämie von über 50% auf den Aktienkurs.

Doch dem Starbucks-Management war das nicht zu viel, schließlich schätze man den Tee-Markt auf 40 Mrd. Dollar mit prozentual 2-stelligem Wachstum.

Starbucks-Chef Howard Schultz wollte einen schlummernden Riesen wecken und blies rund um den Globus zur Tee-Offensive.

Noch 2 Jahre später, als sich die erste Euphorie gelegt hatte, setzte Starbucks aufgrund seismischer Verschiebung im Konsum-Verhalten auf Teavana.

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Internationales M&A-Rekordjahr 2015 – Deutschland hinkt mit Transaktionsvolumen hinterherDas Jahr 2015 war international das bislang stärkste M&A-Jahr aller Zeiten. Weltweit fanden mehr als 100 Mega-Deals mit einem Transaktionsvolumen von über 5 Milliarden US-Dollar statt.  › mehr lesen

Marktgröße und Wachstum klar überschätzt

Doch die Übernahme wurde ihren Erwartungen nie gerecht: 5 Jahre nach dem Deal gibt es heute 379 Teavana-Filialen. Die weltweite Expansion umfasste also ganze 79 Geschäftsstellen.

Dass nicht der ganz große Angriff kam, hat Starbucks vermutlich sogar vor einem noch viel größeren Schaden bewahrt.

Der Markt wird die 2012 geschätzten 40 Mrd. Dollar wohl erst im kommenden Jahr erreichen und das Wachstum lag eher bei 4 als 10%.

Bis 2021 wird das Wachstum dann bei immerhin 5,5% angelangt sein.

Online-Handel ist Schuld am Teavana-Flop

Das etwas stärker werdende Marktwachstum kommt für Starbucks allerdings zu spät. Der Konzern kündigte an, zum Jahresende das Teavana-Filialnetz dicht zu machen.

77 Filialen werden zwar weitergeführt, allerdings nur, weil ein Richter Starbucks aufgrund von langfristigen Verträgen mit Einkaufszentren dazu verdonnert hat.

Die Schließung der Kette hat bereits 130 Mio. Dollar Kosten verursacht und stand nach 3 Quartalen noch mit rund 400 Mio. Dollar goodwill in den Büchern.

Hinzu kommen etwa 115 Mio. Dollar für immaterielle Wertgegenstände der Teehauskette. Im Juli ließ sie wissen, dass man seit einiger Zeit schon operative Verluste hinnehmen müsse.

Die Übernahme, die durch Adaption des Starbucks-Modells ein Riesen-Erfolg werden sollte, ist ein riesiger Flop.

Auslöser für den jetzigen radikalen Schritt ist jedoch nicht das damals falsch eingeschätzte Marktwachstum.

Ursächlich ist, dass sich bei der Teavana-Übernahme vor 5 Jahren 299 von 300 Filialen in Einkaufszentren befanden.

Und mit dem fortschreitenden Online-Handel ging dann auch den Tee-Häusern die Kundschaft verloren. Diese Entwicklung wurde nicht gesehen.


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Jens Gravenkötter
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.