Übernahme-Gerüchte treiben Tesaro-Aktie: Vorsicht!

Tesaro stellt sich nach 250%-Rally zum Verkauf. Doch Vorsicht: Die Bewertung ist bereits anspruchsvoll! Übernahme-Jäger bleiben vorsichtig. (Foto: phongphan / Shutterstock.com)

Im Biotech-Sektor jagt ein Deal den nächsten. Investoren fragen sich: Wer ist das nächste Übernahme-Ziel?

Etliche Branchen-Größen wie Gilead Sciences oder Sanofi spüren den Druck der Aktionäre endlich einen Deal einzufädeln. Entsprechend stark brodelt es in der Gerüchte-Küche.

Viele Konstellationen sind denkbar, doch nicht bei jedem Übernahme-Kandidaten lohnt es sich für Privat-Anleger zu investieren.

Gestern tauchten kurz vor Handelsschluss in den USA erneut heiße Übernahme-Gerüchte auf. Der Biotech-Konzern Tesaro soll in den vergangenen Wochen auf der Suche nach einem finanzstarken Käufer gewesen sein. Kommt es zu einem Deal, der den Investoren die Taschen füllt?

Gewinn-Potenzial für Anleger von rund 20%

Tesaro ist seit -Längerem Übernahme-Kandidat. Im Februar hieß es, dass das Unternehmen „von mehreren Pharma-Konzernen“ Übernahme-Interesse erhielt.

Die Aktie reagierte mit einem Kurssprung auf über 180 Dollar. Als im weiteren Verlauf die Gerüchte abkühlten, ging es allerdings mit dem Papier wieder nach unten.

Nach einem 4%-Kurssprung kostet die Aktie heute noch 150 Dollar.

Sollte es zu einem Deal kommen, wird mit einem Preis von über 180 Dollar je Aktie gerechnet. Das Gewinn-Potenzial beträgt demnach mehr als 20%.

Insidern zufolge hat Tesaro einen Unternehmens-Verkauf angestoßen.

Gleichzeitig wurde allerdings eingeschränkt, dass das Interesse dabei „lauwarm“ gewesen und eine Übernahme in nächster Zeit unsicher sei.

Interessent muss Konkurrenz-Risiko einpreisen

Tesaro hat Ende März die Zulassung für Zejula erhalten, einem Medikament zur Behandlung von Eierstockkrebs.

Das Umsatz-Potenzial des Medikaments wird mit über 3 Mrd. Dollar jährlich angegeben, wenn es auch bei anderen Krebs-Arten eingesetzt werden kann.

Da im Onkologie-Bereich mehrere Milliarden-Deals bereits eingefädelt wurden, wundert es, dass offenbar nur überschaubares Interesse an Tesaro herrscht.

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Dies könnte damit zusammen hängen, dass Zejula im Wettbewerb mit Clovis Rubraca und AstraZenecas Lynparza steht.

Für Mitte 2017 werden Rubraca-Forschungs-Ergebnisse erwartet.

Einige Analysten halten es für möglich, dass das aktuell noch restriktiv eingesetzte Clovis-Medikament die sichere Variante bei vergleichbarer Wirksamkeit sein könnte.

Ebenfalls vergleichbar sei Lynparza. Zu Beginn der Therapie ist die Behandlung mit Zejula im Vergleich zu den anderen beiden Medikamenten zudem teurer.

Ein potenzieller Käufer geht bei einer Tesaro-Übernahme also ein nicht zu unterschätzendes Risiko ein.

Schon kommenden Dienstag könnte die Tesaro-Aktie deutlich tiefer notieren

Nach dem 250%-Kurszuwachs seit Mitte 2016 ist es sehr gut möglich, dass Tesaro jetzt verkaufen will.

Es ist gut möglich, dass das Tesaro-Management in naher Zukunft größere Konkurrenz befürchtet und noch schnell das Maximum rausholen will.

Morgen beginnt in Chicago eine wichtige Biotech-Konferenz (ASCO), auf der von vielen Konzernen zusätzliche Forschungs-Ergebnisse veröffentlicht werden.

AstraZeneca wird dabei neue Informationen zu Lynparza vorstellen; Clovis zu Rubacra.

In Abhängigkeit der Informationen könnte das bereits (positive wie negative) Auswirkungen auf die Tesaro-Aktie haben.

Die Frage, die sich stellt:

Will ich 1 Tag vor der wichtigen Konferenz in eine von Übernahme-Spekulationen getriebene Aktie aus dem Biotech-Sektor investieren? – Mit Blick auf das Investitions-Risiko wohl kaum.

Es empfiehlt sich, bis Dienstag an der Seitenlinie zu bleiben, die Marktreaktion abzuwarten und dann unter Einbeziehung der Neuinformationen ein Urteil zu fällen.


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Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.