Übernahme-Geschäft in Nordamerika brummt auch 2018

Der starke Januar am US-Übernahme-Markt liefert einen Vorgeschmack wie das Jahr werden könnte. (Foto: NicoEINino / shutterstock.com)

Zu Jahresbeginn hatte Sie der Übernahme-Sensor vom starken Übernahme-Geschäft 2017 berichtet. Weltweit wurden Deals im Volumen von 4,7 Bio. Dollar geschlossen. Ein starker Konjunkturverlauf in Nordamerika, Europa und Asien gepaart mit niedrigen Finanzierungskosten sorgte für große Lust auf Übernahme-Deals.

An den Voraussetzungen hat sich zu Beginn dieses Jahres nichts geändert. Und so ist es auch nicht verwunderlich, dass in Nordamerika – dem „Mutterland“ der mergers and acqusisitions (Übernahmen und Fusionen) der Jahresauftakt ebenfalls stark ausfällt.

Dritthöchstes Übernahme-Volumen der vergangenen 12 Monate

Isoliert betrachtet, verlief der Januar am Übernahme-Markt schwach. Mit einem Volumen von 157,3 Mrd. Dollar lag das Deal-Volumen gut 37% unter dem Vormonatswert.

Auch gegenüber den168 Mrd. Dollar aus Januar 2017 wirkt die Zahl klein. Doch das war es dann auch schon. Denn in allen anderen Monaten des Vorjahres lag das Volumen niedriger.

Und mit 2054 Transaktionen lag die Deal-Anzahl gemäß den Daten des Übernahme-Portals vom Bureau van Dijk rund 10% über dem Dezemberwert.

4 Deals über 10 Mrd. Dollar

Um es in die Top20 der größten Januar-Deals zu schaffen, bedurfte es diesmal einer Mindestgröße von 1,6 Mrd. Dollar. Für Sie zum Vergleich: In Europa wäre dies der sechstgrößte Deal gewesen.

Ganz oben auf der Liste der größten Deals steht die Übernahme des Kerngeschäfts des Nachrichten- und Datenanbieters ThomsonReuters. Für 20 Mrd. Dollar griff der US-Finanzinvestor Blackstone zu.

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Knapp dahinter rangiert ein Deal unter deutscher Federführung. JAB, die Familienholding des Reimann-Clans schnappte sich für 18,7 Mrd. Dollar den Softdrink-Hersteller Dr. Pepper.

Ebenfalls über 10 Mrd. Dollar schwer waren die Übernahmen von Scana durch Dominion Energy im Volumen von 14,6 Mrd. Dollar und die Bioverativ-Übernahme durch Sanofi im Volumen von 11,6 Mrd. Dollar.

Private Equity als wesentlicher Treiber

Ein Großteil der Transaktionen entfiel auf die Sektoren Biotech und Energie. Dank der Dr. Pepper-Übernahme rangierte auch die Getränke-Industrie unter den Übernahme-stärksten Sektoren.

Mit 45,5 Mrd. Dollar betrug der Anteil von Finanzinvestoren gemessen am Übernahme-Volumen hohe 29%. Auch die Deal-Anzahl von 1.469 – ein Plus von +28,7% gegenüber Dezember – zeigt, dass Private Equity das neue Jahr mit großer Übernahme-Lust beginnt.

Repatriation dürfte für starkes Übernahme-Jahr sorgen

Nach dem starken Jahresauftakt ist für die Marktregion Nordamerika auch im weiteren Jahresverlauf von einer hohen Schlagzahl im Übernahme-Geschäft auszugehen.

Zwar werden in vielen Branchen weiterhin Höchstpreise ausgerufen und es werden auch weitere Zinsschritte erwartet, doch die US-Steuerreform mit der Repatriation dürfte den Effekt überdecken.

Es wird erwartet, dass durch die Repatriation fast 1 Bio. Dollar den US-Unternehmen zufließen. Auch wenn ein Großteil dessen für Dividenden und Aktienrückkäufe ausgegeben werden dürfte, reicht es, wenn nur 15% davon für Übernahmen ausgegeben werden, um das Transaktionsvolumens von 2017 um 10% zu steigern.


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Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.