Übernahme gescheitert: Vonovia macht alleine weiter

Aus der größten Übernahme im deutschen Immobiliensektor wird es nun doch nichts. Der feindliche Versuch des Branchen-Primus Vonovia, die kleinere Deutsche Wohnen zu übernehmen, ist gescheitert.

Bis zum Ende der Annahme-Frist erklärten sich nicht ausreichend Deutsche Wohnen-Aktionäre bereit, die Vonovia-Offerte anzunehmen. Für einen Erfolg des Übernahme-Versuchs war eine Zustimmung von 50% notwendig, doch nur rund 30% unterstützten das Vorhaben.

Deal-Aus kommt nicht überraschend

Dass die Übernahme nicht stattfindet, ist mehrheitlich erwartet worden. Es ist auch nicht ungewöhnlich, dass ein feindlicher Versuch ins Wasser fällt. Meistens folgen die Aktionäre der Empfehlung des Managements und das Deutsche Wohnen-Management empfahl die Angebotsablehnung.

Der Gedanke dabei ist, dass Manager aufgrund ihres Informationsvorsprungs besser beurteilen können, welcher Wert im Falle einer Übernahme für das Unternehmen angemessen ist.

Deutsche Wohnen bezeichnete Übernahme als wertzerstörend

Etwa zwei von drei feindlichen Übernahme-Versuchen verlaufen erfolglos. Um das Risiko eines teuren Fehlschlags zu vermeiden, münden anfangs feindliche Übernahmeversuche häufig in einvernehmliche Deals.

Deutsche Wohnen und Vonovia standen sich jedoch bis zuletzt unversöhnlich gegenüber. Das Angebot von 83,14 Euro in bar und 7 Vonovia-Aktien für 11 Deutsche Wohnen-Aktien bezeichnete das Management des Übernahme-Kandidaten als unzureichend.

Zugleich wurde bemängelt, dass die in Aussicht gestellten Synergie-Effekte höher sind als die wirklich zu erzielenden. Ein Zusammenschluss sei für die Aktionäre wertzerstörend.

Aktien nach Übernahme-Aus deutlich fester

An der Börse reagierten die Anleger gestern erleichtert, dass der Zusammenschluss nicht zustande kommt. Besonders die Vonovia-Aktie kann in einem freundlichen Gesamtmarkt kräftig zulegen.

Bis zum Handelsschluss verteuert sich das Papier um 4,9%. Für Investoren sind die Unsicherheiten rund um den Deal raus (Verschuldung, Integrationsrisiken) und Analysten rieten zum Kauf der Aktie.

Aber auch die Aktie des Übernahme-Kandidaten gewinnt 3,9% hinzu. Die Unsicherheit ist dort ebenfalls raus und die Führungsspitze hat überzeugend dargelegt, warum die Aktie mehr wert ist als die Vonovia-Offerte.

Geplatzter Deal kennt nur Gewinner

Letztendlich kann festgehalten werden, dass alle Seiten gewonnen haben. Zunächst einmal haben die Aktionäre beider Lager gewonnen, da das Deal-Aus zumindest kurzfristig zu einem höheren Aktienkurs verhilft.

Dann hat auch noch das Deutsche Wohnen-Management gewonnen, denn es den feindlichsten Übernahme-Versuch seit Mannesmann erfolgreich abgewehrt hat.

Vergessen sollten Sie aber nicht, dass auch Vonovia trotz des gescheiterten Übernahme-Versuchs (indirekt) gewonnen hat.

Ursprünglicher Plan war es, einen Zusammengang von Deutsche Wohnen und LEG Immobilien zu verhindern und das ist mit dem Übernahme-Vorstoß gelungen.

11. Februar 2016

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.

Regelmäßig Informationen über Marktanalysen erhalten — kostenlos!
Profitieren Sie von unserem kostenlosen Informations-Angebot und erhalten Sie regelmäßig die neusten Informationen von Jens Gravenkötter. Über 344.000 Leser können nicht irren.

10 Dividendenaktien, deren Dividende IMMER steigt