Übernahme gesichert: Biotest-Aktie mit Anschlussgewinnen

Biotest Symbolbild Plasma im Labor_shutterstock_777196834_Romaset

Die US-Behörde CFIUS hat die Biotest-Übernahme freigegeben. Die Aktie klettert um 10%. (Foto: Romaset / shutterstock.com)

In der Vorwoche schrieb Ihnen der Übernahme-Sensor von der nahenden Entscheidung bei der Übernahme des Plasma-Spezialisten Biotest durch den chinesischen Bieter Creat.

Am Freitag fiel sie – und zur Erleichterung der Biotest-Aktionäre zu Gunsten des Deals. Die US-Behörde CFIUS erteilte der 1,3 Mrd. Euro-Übernahme (inkl. Schulden) die außenwirtschaftliche Freigabe.

Damit können Aktionäre, die das Angebot im Sommer vergangenen Jahres annahmen, mit der zeitnahen Überweisung des Kaufpreises rechnen. Halter der Biotest-Stammaktie erhalten 28,50 Euro je Anteilsschein, für die Aktionäre der im Nebenwerte SDAX gelisteten Vorzugsaktie gibt es 19 Euro.

Creat hält trotz erzwungenem Verkauf der US-Tochter an Übernahme fest

Für die Übernahme-Freigabe musste sich Creat verpflichten, dass komplette US-Geschäft von Biotest zu verkaufen. Mit rund 20% Umsatzbeitrag ist die Wichtigkeit des US-Geschäfts alles andere als unwesentlich.

Die Biotest-Ertragskraft – und somit der Wert für den Käufer – verringert sich also deutlich, was für Creat allerdings offenbar kein Grund ist, um den Deal abzublasen. Dies ist ein wenig verwunderlich, denn der Kaufpreis galt auf Basis der Biotest-Geschäftszahlen und mit Blick auf vergleichbare Deals schon vorher als großzügig.

Verkaufspreis bleibt im Dunkeln

Wer der Käufer ist und welcher Erlös durch den Verkauf erzielt wird, ist bislang unklar. Dass kein Preis genannt wurde, führt zu den Verdacht, dass der Verkaufspreis nicht gerade hoch ist. Wenn der Käufer weiß, dass der Verkäufer verkaufen muss, um die Freigabe zu erhalten, ist die Verhandlungsposition denkbar schlecht.

Stift Tablet – shutterstock_525817939 phongphan

Ende gut – alles gut: Creat schließt Biotest-Übernahme abCreat bringt die Biotest-Übernahme unter Dach und Fach. Gewonnen haben am Ende alle. › mehr lesen

Dass bedeutet jedoch nicht zwangsläufig, dass das US-Geschäft „verschenkt“ wurde. Bei der Monsanto-Übernahme konnte Bieter Bayer trotz des gleichen Drucks für zum Verkauf gestellte Unternehmensteile einen sehr guten Preis erzielen. Stimmt die Anzahl der Interessenten, schwindet der Verkaufsdruck von alleine.

Aktionäre des Übernahme-Kandidaten gewinnen

Für die Aktionäre des Übernahme-Kandidaten, die im Vorjahr das Angebot angenommen haben, ist es jetzt sowieso egal, ob der Deal dem Käufer den erhofften Erfolg bringt oder nicht. Das Geld fließt.

Für die verbliebenen Aktionäre spielen Übernahme-strategische Überlegungen jetzt eine wichtige Rolle. Die Chancen auf Vorteile späterer Übernahme-Phasen wie Beherrschungs-Vertrag und Squeeze Out sind groß.

Vorzugsaktie hat Luft bis über 30 Euro

Die Stammaktie schießt daher auch heute Morgen auf den höchsten Stand seit 2014 und notiert gute 6% über dem Angebotspreis. Noch deutlicher über dem Angebotspreis notiert die Biotest-Vorzugsaktie, die heute Morgen nach einem 10% Kurssprung auf 24,80 Euro klettert.

Es gibt gute Gründe anzunehmen, dass damit noch nicht Ende der Fahnenstange erreicht ist. Zwischen Vorzugsaktie und Stammaktie klafft eine Kurslücke von über 20%. In der ersten Übernahme-Runde hat es der Bieter zunächst auf die Kontrolle abgesehen und kann für die Stammaktie mehr bieten.

Am Ende des Übernahme-Prozesses wird allerdings sehr häufig für Stamm- und Vorzugsaktie der gleiche Preis gezahlt. Da gleichzeitig das Investitionsrisiko im Falle eines Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrags abnimmt, ist die Biotest-Vorzugsaktie einen genaueren Blick wert.


© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Jens Gravenkötter
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.