Übernahme-Glossar: Diese Fachbegriffe sollten Sie kennen (Teil 1)

Übernahme Symbolbild Puzzlestücke_shutterstock_701748778_NicoEINino

In den nächsten beiden Ausgaben meines Newsletters möchte ich Ihnen ein Helferlein zur Hand geben. Ich habe die gängigen Fachbegriffe rund um das Thema Übernahme für Sie in einem Glossar zusammengefasst. (Foto: NicoEINino / shutterstock.com)

In meinen Artikeln des Übernahme-Sensors präsentiere ich Ihnen regelmäßig die spektakulärsten und interessantesten Unternehmensübernahmen aus aller Welt. Um diese Texte möglichst allgemein verständlich zu halten, versuche ich Sie nicht allzu sehr mit Fachbegriffen zu überschütten.

Doch ganz ohne Fachwörter geht es nicht und daher möchte ich Ihnen in der heutigen und morgigen Ausgabe des Übernahme-Sensors einen besonderen Service bieten, der das Problem mit dem „Übernahme-Fach-Chinesisch“ beheben kann: Ich werde Ihnen einige Fachbegriffe rund um das Thema Übernahme in einem Glossar möglichst allgemein verständlich erläutern.

Mein Tipp für Sie

Wenn Sie sich bisher noch nicht intensiv mit den Themen Fusionen und Übernahmen (engl. Mergers & Acquisitions) befasst haben, ist dieses Glossar bzw. diese kleine Liste mit Übernahme-Fachbegriffen eine wichtige Hintergrundinformation für das Lesen und Verstehen meiner Artikel.

Drucken Sie sich bei Interesse also die heutige und morgige Ausgabe meines Übernahme-Glossars aus. Wenn Sie dann in einem meiner Artikel auf ein Fachwort stoßen, greifen Sie einfach auf das ausgedruckte Glossar zurück.

Abwehrstrategien

Viele Übernahmen werden im gegenseitigen Einvernehmen abgewickelt. In diesem Fall spricht man von einer -> freundlichen Übernahme. Lehnt ein Unternehmen aber einen Übernahmeversuch kategorisch ab, liegt eine -> feindliche Übernahme bzw. Übernahmeversuch vor. Doch wie kann sich das Zielunternehmen im Falle einer feindlichen Übernahme wehren? Hier einige der möglichen Abwehrstrategien:

Öffentliche Kritik: Im Fall einer feindlichen Übernahme kann das betroffene Unternehmen auf unterschiedliche Abwehrstrategien zurückgreifen, um die Übernahme zu verhindern. Eine gängige Methode ist es, das feindliche Übernahme-Angebot öffentlich zu machen und zu brandmarken. Dies Mittel wird in der Praxis durch Pressemitteilungen, Offene Briefe oder einem entsprechenden Eintrag auf der Homepage des Unternehmens ausgeführt.

Besseren Investor suchen: Es kommt vor, dass Unternehmen eine feindliche Übernahme vermeiden, indem sie sich mit einem aus ihrer Sicht besseren Investor zusammentun. Sie lassen sich von einem sogenannten „-> weißen Ritter“ retten, indem sie sich von diesem übernehmen lassen und kommen dem feindlichen Bieter somit zuvor.

Übernahme uninteressant machen: Eine gängige Abwehrstrategie ist auch, die Übernahme durch sogenannte Giftpillen zu versalzen und somit uninteressant zu machen. Denkbar sind z. B. Kapitalerhöhungen, die den Kaufpreis erhöhen, verstärkte Investitionen in Unternehmensbereiche, die für den feindlichen Bieter uninteressant sind oder gar die eigene Übernahme eines anderen Unternehmens.

Den Spieß umdrehen: Es kommt auch vor, dass das von einer feindlichen Übernahme bedrohte Unternehmen den Aktionären des feindlichen Bieters ein Gegenangebot unterbreitet. Dieses Vorgehen wird in Anlehnung an ein bekanntes Computerspiel auch als -> Pac-Man-Strategie bezeichnet.

Aktientausch

Im Übernahmeangebot muss der Bieter den Aktionären des Zielkonzerns (des zu übernehmenden Unternehmens) laut ->Wertpapiererwerbs- und Übernahmegesetz (WpÜG) ein konkretes Angebot unterbreiten.  Darin muss er offenlegen, welche Gegenleistung er für die Aktien des Zielkonzerns zu zahlen bereit ist. Möglich sind ->Barangebote, ein Aktientausch (das Anbieten eigener Aktien im Tausch gegen die des Zielunternehmens) und eine Kombination aus beiden.

In der Praxis werden häufig eigene Aktien im Tausch gegen die Papiere der Zielgesellschaft angeboten. Das Tauschverhältnis orientiert sich dabei an den aktuellen Börsenkursen beider Unternehmen und beinhaltet i.d.R. einen ->Übernahmeaufschlag bzw. eine Übernahmeprämie zugunsten der Aktionäre der Zielgesellschaft.

Annahmefrist

Das Übernahmeangebot muss laut ->Wertpapiererwerbs- und Übernahmegesetz (WpÜG) in Deutschland eine Annahmefrist von 4 – 10 Wochen beinhalten. So lange hat der Aktionär des Zielunternehmens Zeit, das Angebot anzunehmen und seine Aktien dem Bieter zu verkaufen bzw. anzudienen.

Barangebot

Laut deutschen ->Wertpapiererwerbs- und Übernahmegesetz (WpÜG) muss der Bieter den Aktionären des Zielkonzerns (des zu übernehmenden Unternehmens) ein konkretes Angebot unterbreiten. Darin muss er offenlegen, welche Gegenleistung er für die Aktien zu zahlen bereit ist. Möglich sind Barangebote, der Tausch gegen eigene Aktien und eine Kombination aus beiden.

In der Praxis kommt es häufig vor, dass reine Barangebot für die Papiere der Zielgesellschaft unterbreitet werden. Das Barangebot orientiert sich dabei an dem aktuellen Börsenkurs der Zielgesellschaft und beinhaltet i. d. R. einen ->Übernahmeaufschlag bzw. eine Übernahmeprämie zugunsten der Aktionäre der Zielgesellschaft.

Breakup Fee

Bei dem Breakup Fee handelt es sich um eine im Übernahmevertrag festgelegte Auflösungs- bzw. Vertragsstrafe. Ein Breakup Fee wird fällig, wenn die Übernahmevereinbarung nicht umgesetzt werden kann. Die Auflösungsstrafe/Breakup Fee beläuft sich üblicherweise auf 1 – 3% der Transaktionssumme.

Übernahme Symbolbild Puzzlestücke_shutterstock_701748778_NicoEINino

Abbott Laboratories: Endgültig ein Corona-GewinnerDer neue Corona-Schnelltest von Abbott Laboratories verspricht für das Unternehmen ein großes Geschäft zu werden.  › mehr lesen


© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Tobias Schöneich
Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.

Profitieren Sie von unserem kostenlosen Informations-Angebot und erhalten Sie regelmäßig den kostenlosen E-Mail-Newsletter von Tobias Schöneich. Herausgeber: GeVestor Verlag | VNR Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG. Sie können sich jederzeit wieder abmelden.

Hinweis zum Datenschutz