Übernahme-Glossar: Diese Fachbegriffe sollten Sie kennen (Teil 2)

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In der heutigen Ausgabe des Übernahme-Sensors erhalten Sie die Fortsetzung bzw. den 2. Teil meines Übernahme-Glossars beginnend mit C wie Closing bis W wie Wertpapiererwerbs- und Übernahmegesetz (WpÜG). (Foto: NicoEINino / shutterstock.com)

In meinem heutigen Artikel habe ich weitere Fachbegriffe rund um das Thema Übernahme und Fusionen für Sie zusammengefasst.

Closing

Als Closing (engl. schließen) wird der erfolgreiche Abschluss einer Übernahme bezeichnet.

Feindliche Übernahme

Ein Übernahmeversuch wird als feindlich bezeichnet, wenn der Übernahme-Interessent den Aktionären eines Zielunternehmens ein Übernahmeangebot gegen den Willen des Zielunternehmens unterbreitet. Um einer feindlichen Übernahme entgegenzuwirken, stehen dem Zielunternehmen diverse Abwehrstrategien zur Verfügung.

Freundliche Übernahme

Bei einer freundlichen Übernahme tritt der Übernahme-Interessent an das Zielunternehmen heran und bekundet sein Interesse. Unter Ausschluss der Öffentlichkeit werden Übernahmeverhandlungen zwischen den Geschäftsführungen bzw. Vorständen beider Unternehmen geführt. Diese führen häufig zu einer Einigung in Form einer Übernahmevereinbarung, in der die genauen Konditionen der Übernahme festgelegt werden. Ist eine Übernahmevereinbarung unterzeichnet, treten i. d. R. beide Unternehmen an die Öffentlichkeit und informieren die Aktionäre über die Vereinbarung. Häufig ist diese Vereinbarung mit einer Empfehlung zur Annahme des Übernahmeangebots versehen.

Übernahme- bzw. Fusionskontrolle

-> Kartell- bzw. Wettbewerbsbehörde

Institutioneller Investor

Institutionelle Investoren bzw. Anleger sind sehr häufig an Übernahmen beteiligt. Unter diesem Begriff fallen Kapitalgesellschaften (Institute) wie etwa Fondsgesellschaften, Hedgefonds, Vermögensgesellschaften, aber auch Pensionskassen und Versicherungen. Alle Institutionelle Investoren sammeln Kapital, um es auf den Kapitalmärkten gebündelt anzulegen. Institutionelle Investoren treten bei Übernahmen sowohl als Käufer als auch Verkäufer auf.

Kartell- bzw. Wettbewerbsbehörde

Übernahmen müssen in der Regel von den zuständigen Aufsichtsbehörden (Kartell- bzw. Wettbewerbsbehörde) kontrolliert und ggf. mit Auflagen genehmigt werden. Bei internationalen Übernahmen können die Aufsichtsbehörden mehrerer Länder und Staatengemeinschaften wie z. B. der EU beteiligt sein.

Kurs-Reaktionen bei Übernahmen

Bei der Veröffentlichung einer Übernahmevereinbarung und häufig schon bei aufkommenden Gerüchten über eine mögliche Übernahme reagiert der Aktienkurs des Zielunternehmens sehr schnell. Erhöht sich der Kurs etwa auf die Höhe des Angebotspreises, erwartet der Markt bzw. die Investoren einen reibungslosen Ablauf des Übernahmedeals. Schießt er jedoch deutlich über den Angebotspreis hinaus, erwartet der Markt entweder eine Aufstockung des Angebots bzw. rechnen die Investoren mit einer Konkurrenzofferte. Bleibt die Kursentwicklung jedoch deutlich unter dem Angebot, rechnen die Investoren mit nicht mit einem Zustandekommen der Übernahme. Für die Kursreaktion der Aktie des Bieters lässt sich hingegen keine Faustformel ableiten.

Marktkapitalisierung

Die Marktkapitalisierung spiegelt den aktuellen Börsenwert einer Aktiengesellschaft wider. Sie ergibt sich aus der Multiplikation von aktuellem Aktienkurs und der gesamten Aktienanzahl.

Megadeal

Als Megadeal werden Übernahmen bezeichnet, die einen Angebotspreis von mehr als 1 Mrd. US-Dollar bzw. Euro haben.

Mergers & Acquisitions (M&A)

Englische Bezeichnung für Fusionen (Unternehmenszusammenschlüsse) und Übernahmen bzw. Unternehmenskäufe.

Pac-Man-Strategie

-> Abwehrstrategie

Squeeze-Out

Ein Squeeze-Out (engl. für Herausquetschen) bezeichnet den zwangsweisen Ausschluss von Minderheitsaktionären aus einer Aktiengesellschaft durch den Mehrheitsaktionär. In Deutschland muss der Mehrheitsaktionär mindestens 95 % des Grundkapitals einer Aktiengesellschaft halten, um ein Squeeze-Out durchführen zu können. Der Mehrheitsaktionär muss den enteigneten Minderheitsaktionären eine angemessene Abfindung zahlen.

Übernahmeprämie bzw. Übernahmeaufschlag

Eine Übernahmeprämie ist die Differenz des Aktienkurses eines Zielunternehmens und dem angebotenen Übernahmepreis je Aktie. In der Regel wird hier der Kurs des Vortages vor Bekanntwerden der Übernahme oder auch der 30-tägige Durchschnittskurs als Berechnungsbasis genommen. Je höher die Übernahmeprämie, desto größer ist der Anreiz für die Aktionäre des Zielunternehmens, das Angebot anzunehmen. Übernahmeprämien können in einigen Branchen wie z. B. der Pharma- und Biotechnologie dreistellige Prozentwerte annehmen. 

Übernahmevereinbarung

-> Freundliche Übernahme

Übernahme-Wettstreit/-Gefecht

Es kommt vor, dass nach Bekanntwerden eines Übernahmeangebots weitere Unternehmen ein zweites oder gar drittes Übernahmeangebot für ein Zielunternehmen abgeben. In diesem Fall spricht man von einem Übernahme-Wettstreit bzw. Übernahmegefecht. Diese Übernahme-Wettkämpfe können über mehrere Bieterrunden gehen und den Transaktionspreis in die Höhe treiben.

Weißer Ritter

-> Abwehrstrategie

Wertpapiererwerbs- und Übernahmegesetz (WpÜG)

Im WpÜG sind Übernahmen von Aktiengesellschaften in Deutschland gesetzlich geregelt. Laut WpÜG müssen Übernahmeangebote z. B. veröffentlicht werden und genau festgelegte Punkte beinhalten. Zuständige Aufsichtsbehörde ist die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht. In vielen anderen Ländern gibt es vergleichbare Gesetze.

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Tobias Schöneich
Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.

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