Übernahme-Hammer in der Pharma-Branche: Zahltag für Meda-Aktionäre

Sie haben Meda-Aktien in Ihrer Depotauswahl? Dann herzlichen Glückwunsch zu einem satten Gewinn. Denn dank einer Übernahme-Offerte durch den niederländischen Pharma-Konzern Mylan, sind die Aktien über Nacht fast das Doppelte wert.

Mylan zahlt für Meda 165 schwedische Kronen je Aktie. Basierend auf den gestrigen Schlusskurs beinhaltet das Angebot eine Übernahme-Prämie von 92%.

Vielleicht haben Sie den Übernahme-Sensor vom Montag gelesen. Dort hatte ich Ihnen geschrieben, dass sich Übernahme-Preise nur zweitrangig am aktuellen Börsenkurs orientieren. Wichtiger ist für einen angemessenen Preis der operative Gewinn – und wird der zugrunde gelegt, wird aus dem augenscheinlichen Mondpreis ein ganz normaler Preis.

Mylan findet Perrigo-Ersatz und kündigt weitere Zukäufe an

Für Mylan ist die Meda-Übernahme ein Stück weit eine Alternativ-Lösung. Eigentlich wollte der amerikanisch-niederländische Konzern im vergangenen Jahr den irischen Pharma-Konzern Perrigo für 26 Mrd. Dollar übernehmen.

Das Angebot traf allerdings weder den Nerv des Perrigo-Managements, noch der Anteilseigner. Mylan hoffte, mit einer feindlichen Offerte am Management vorbei zu punkten, doch wie die Vonovia-Offerte für Deutsche Wohnen, fiel auch dieser feindliche Übernahme-Versuch ins Wasser.

Mylan kündigte nach dem Übernahme-Aus bereits an, weiter durch Zukäufe expandieren zu wollen und erachtet die jetzige Übernahme nur als einen Expansions-Baustein. Weitere Deals werden folgen.

Spielte Meda-Kursschwäche Mylan in die Karten?

Mylan hat bereits im Frühjahr 2014 versucht, die Schweden zu übernehmen, konnte jedoch auch mit 2 aufgestockten Offerten nicht das Management von einem Zusammenschluss überzeugen.

Die jetzige Offerte von knapp 10 Mrd. Dollar (inkl. Schulden) war dann jedoch ausreichend. Es ist nicht ganz klar, ob Mylan mit dem jetzigen Preis über dem 2014er Angebot liegt. Insidern zufolge soll das damalige Angebot 12% niedriger gewesen sein, doch es ist gut möglich, dass aufgrund der jüngsten Kursrückgänge der Meda-Aktie auch das gleiche Angebot diesmal ausreichend war.

Denn auch wenn sich Übernahme-Preise am operativen Gewinn orientieren ist die Prämienhöhe natürlich ein wichtiger Faktor.

Mylan-Aktienkurs kommt nach Übernahme-Ankündigung und Geschäftszahlen unter die Räder

Das Mylan-Management zeigte sich sehr zufrieden über den Deal und hob die Stärken der Schweden im Geschäft mit rezeptfreien Medikamenten hervor. Selbstverständlich gibt es auch Kosteneinsparungen, die Mylan mit 350 Mio. Dollar bezifferte.

Die Mylan-Aktionäre haben jedoch ihre eigene Vorstellung von einem zufriedenstellenden Deal. Die hohe Prämie in Verbindung mit schwachen Zahlen und der Ankündigung solche Deals weiterhin zu tätigen, war einigen Investoren dann doch zu viel des Guten. Diese hätten Mylan lieber auf der Verkaufsseite gesehen.

In einem leicht schwächeren Gesamtmarkt verliert die Mylan-Aktie gestern 18% auf 41,40 Dollar. Kaum zu glauben, dass Mylan noch im Sommer 2016 einen Übernahme-Vorstoß von Teva zu über 80 Dollar je Aktie als unzureichend wertete.

Generika-Hersteller aus dem deutschsprachigen Raum attraktives Übernahme-Ziel

In der Pharma-Branche scheint das Übernahme-Karussell nicht an Schwung zu verlieren.

2 Jahre nach Beginn der größten Sektor-Übernahmewelle aller Zeiten finden sich immer noch ausreichend Ziele, um zu expandieren.

12. Februar 2016

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.

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