Übernahme-Kampf in der Pharmabranche: Kauft Mylan am Ende Teva?

In der Pharmabranche geht der Kampf, wer wen kauft, in eine neue Woche. Die Fronten sind verhärtet – Zeit für den Übernahme-Sensor, Ihnen ein Update zur verfahrenen Situation zu liefern.

Zur Erinnerung: Anfang April gab der amerikanisch-niederländische Pharma-Konzern Mylan bekannt, dass er für den amerikanisch-irischen Rivalen Perrigo eine Übernahme-Offerte mit einem Gegenwert von 204 US-Dollar je Aktie plane. Dieser Vorstoß wurde von Perrigo als unzureichend zurückgewiesen.

Der Vorstoß von Mylan wurde als Präventiv-Aktion gewertet, um nicht selbst Ziel einer Übernahme zu werden. Als Käufer wurde der israelische Konkurrent Teva genannt, die dann auch Mitte April eine Übernahme-Offerte im Gegenwert von 82 Dollar je Aktie abgaben.

Mylan lehnte den Vorstoß ab und teilte mit, dass man weiter den Schulterschluss mit Perrigo suche.

Mylan will nichts von Teva wissen: Stiftung kann Übernahme verhindern

Inzwischen ist viel passiert. Mylan machte in den vergangenen Wochen klar, dass ein Deal mit Teva eigentlich zu keinem Preis gewollt ist. Das Angebot wurde Insidern zufolge intern als Toilettenpapier bezeichnet. Gegen das Teva-Management wurde auch geschossen.

Sollte Teva versuchen, Mylan feindlich zu übernehmen, wird Mylan voraussichtlich die Giftpille zücken. Rechtssitz von Mylan ist die Niederlande. Dort ist es möglich eine Stiftung zum Schutz der Interessen des Unternehmens und der Aktionäre ins Leben zu rufen. Das hat Mylan Anfang April getan.

Die Stiftung hat das Recht Vorzugsaktien mit Stimmrecht zu erwerben, was einen Deal dann unmöglich macht. Vergleichbar ist diese Art von Verteidigung in etwa mit einer Kapitalerhöhung unter Ausschluss des Bieters.

Im September 2013 kam eine Stiftung beim ungewollten Übernahme-Versuch von KPN durch den mexikanischen Telekom-Mogul Carlos Slim zum Einsatz.

Teva arbeit an Finanzierung für neues Angebot

Obwohl Teva weiß, dass eine Übernahme nur geringe Erfolgsaussichten hat, hält der Bieter an einem Deal fest. Neuesten Gerüchte zufolge sollen die Israelis in Verhandlungen mit Banken stecken, um die Offerte noch einmal zu versüßen.

Analysten zufolge könnte ein Angebot ab 100 $ je Aktie das Teva-Management zum Nachdenken bringen. Mylan selbst hat nach Ansicht des Übernahme-Sensors jedoch klar gemacht, dass es keine Frage des Geldes ist.

Das Management will nicht übernommen werden und hat auch die Stiftung nicht ohne Grund ins Leben gerufen. Vermutlich wurde erwartet, dass Teva bietet, wenn man selbst versucht zuzukaufen.

Übernahme-Dreikampf weiter offen

Perrigo will – genau wie Mylan – jedoch nicht übernommen werden. Auch eine aufgestockte Offerte führte nicht zum Beginn von Übernahme-Verhandlungen. Dabei sieht das Mylan-Angebot für Perrigo auf Basis der Übernahme-Multiplikatoren (EBITDA und Umsatz) verlockend aus.

Doch muss gesehen werden, dass Perrigo erstklassige Wachstumsraten vorzuweisen hat, sodass ein Vergleich mit den Multiplikatoren anderer Deals nicht gerechtfertigt wäre.

Fraglich ist jedoch, ob Mylan noch einmal mit einem höheren Angebot zurückkommt. Sollte es dazu kommen und am Ende ein Deal zwischen Perrigo und Mylan geben, ist sogar laut Mylan-Vorstand Robert Coury dann eine Teva-Übernahme denkbar. Dies soll Coury Insidern zufolge auf einer Investoren-Veranstaltung gesagt haben.

Alles in allem bleiben weiterhin viele Fragezeichen, wer wen am Ende zu welchen Preis übernimmt. Wenn Sie investiert sind, wird es in den kommenden Tagen jedenfalls nicht langweilig. Es ist mit Neuigkeiten zu rechnen, die vielleicht eine stärkere Tendenz zeigt, wie der Dreikampf ausgeht. Der Übernahme-Sensor bleibt für Sie am Ball.

11. Mai 2015

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.

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