Übernahme-Kampf um Akzo Nobel: 3. Angebot

Der Übernahme-Kampf um den niederländischen Chemie-Konzern Akzo Nobel ging in dieser Woche in die neue Runde:

Der ungeliebte Bieter  PPG Industries, ein Branchen-Rivale aus den USA, hat das Übernahme-Angebot erneut angehoben.

Die neue Offerte hat ein Volumen von 26,9 Mrd. € und soll den Übernahme-Kandidaten endlich an den Verhandlungstisch bringen.

Ob sich dieser allerdings auf die verbesserte Offerte einlässt, ist ungewiss. Als Teilerfolg kann gewertet werden, dass Akzo diesmal das Angebot nicht direkt zurückwies.

Angesichts des wachsenden Drucks und 50% Prämie auf den Aktienkurs ist es jedoch auch nicht verwunderlich, dass das Management das Angebot überprüft.

Zu wenig, zu riskant: Akzo weist 2 Übernahme-Offerten zurück

Rückblick: Anfang März dieses Jahres unterbreitete der US-amerikanische Spezial-Chemiker PPG dem niederländischen Rivalen eine Übernahme-Offerte.

Mit dem Angebotspreis von 83 € je Aktie biss PPG beim Akzo-Management jedoch auf Granit.

Daraufhin stockte PPG den Angebots-Preis auf 88,72 € je Aktie auf, erhielt allerdings auch mit diesem Vorschlag umgehend einen Korb vom Übernahme-Kandidaten.

Akzo Nobel argumentierte, dass die Offerte nicht den angemessenen Wert des Unternehmens widerspiegelt, mit Wettbewerbshürden verbunden ist und zu einem massiven Stellenabbau führen würde.

Neuer Übernahme-Preis könnte Akzo-Management überzeugen

Jetzt hat PPG den Angebotspreis noch einmal deutlich erhöht: Je Anteilsschein sind die US-Amerikaner bereit, 96,75 € zu zahlen.

Es ist durchaus wahrscheinlich, dass dieses Angebot ausreichend ist, um Akzo an den Verhandlungstisch zu bekommen.

Analysten erachten den neuen Preis als solide Ausgangs-Position.

Bei der dann folgenden Buchprüfung könnte es zu einer erneuten kleinen Aufstockung kommen und am Ende einen einvernehmlichen Deal geben.

„Letzte Einladung“: PPG-Chef McGarry droht mit feindlicher Übernahme

PPG erhöht mit dem Vorstoß den Druck auf das Akzo-Management und Firmenchef Ton Buechner enorm. Das Angebot sei die letzte Einladung, teilte PPG-Chef McGarry mit.

Sollte die Offerte nicht zu Übernahme-Verhandlungen führen, werde man das Angebot direkt an die Aktionäre geben.

Mit anderen Worten: Dann haben wir es mit einer feindlichen Übernahme-Offerte im Volumen von 29 Mrd. Dollar zu tun.

Das alleine sorgt schon für Hochspannung, in diesem Fall steigt die Spannung allerdings durch das niederländische Stiftungs-System noch weiter.

Der PPG-Chef McGarry glaubt zwar, dass die Stiftung ein überwindbares Hindernis ist, doch das könnte eine Fehleinschätzung sein.

Telekom-Mogul Carlos Slim hat schmerzhaft erfahren, wie mächtig die niederländischen Stiftungen sind, wenn sie Firmen-Interessen bedroht sehen.

Die KPN-Übernahme durch America Movil fiel ins Wasser. Als Mylan zur Abwehr ungewünschter Teva-Avancen mit der Stiftung drohte, zog sich der Bieter schnell wieder zurück.

Übernahme zu 100 € je Aktie möglich

Am Markt sorgte der neue Übernahme-Vorstoß für Gewinne bei der Akzo Nobel-Aktie:

Bei 83,09 € markiert das Papier des Übernahme-Kandidaten ein neues Allzeithoch; bis zum Übernahme-Preis fehlen rund 20%.

Das zeigt ihnen, dass ein Deal noch mit vielen Fragezeichen versehen ist. Dennoch muss auch gesehen werden, dass die Aktie seit Bekanntwerden des PPG-Plans rund 25% zugelegt hat.

Nicht wenige Investoren sind also der Ansicht, dass es einen erfolgreichen Deal-Abschluss geben wird.

Setzen sich die beiden Parteien an den Verhandlungstisch, könnte der finale Preis sogar 3-stellig sein.

Für Anleger lohnt es sich daher an Bord zu bleiben. Eine Entscheidung fällt in den kommenden 5 Wochen.

27. April 2017

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.

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