Übernahme-Kampf um Akzo Nobel: Jetzt geht es nur noch feindlich

Der Übernahme-Kampf um Akzo Nobel ist so gut wie entschieden. Ein Gericht widersprach dem Übernahme-Aktivisten Elliott und schlug die Tür zu einem freundlichen Deal endgültig zu. (Foto: William Potter / Shutterstock.com)

Das nächste Kapitel im spannenden Übernahme-Krimi „Akzo Nobel gegen PPG Industries“ ist beendet. Und es endete mit einem Erfolg für den Übernahme-Kandidaten Akzo Nobel.

Hintergrund: Nach 3 abgelehnten Übernahme-Offerten von PPG Industries wollte der Übernahme-Aktivist Elliott Management per Gerichtsbeschluss eine Abwahl des Aufsichtsratsvorsitzenden Antony Burgmans erzwingen.

In den Augen des Finanzinvestors ist Burgmans „Schuld daran“, dass Akzo nicht mit dem US-Bieter PPG in Übernahme-Verhandlungen trat, obwohl eine ordentliche Offerte auf dem Tisch lag.

Doch das Gericht entschied gegen den Akzo-Großaktionär. Die Richter urteilten, dass es im Ermessen des Managements ist, Übernahme-Verhandlungen  aufzunehmen oder es zu lassen.

Gleichwohl wurde angemerkt, dass Akzo den Vertrauensverlust eines wesentlichen Anteils der Aktionäre nicht ignorieren sollte. Es wird geprüft, ob eine unabhängige Überprüfung der Vorgänge notwendig sei.

Teuer und riskant: PPG dürfte trotz eines substantiellen Rückhalts im Akzo-Aktionariat nicht den feindlichen Übernahme-Weg wählen

Für Akzo ist das Urteil vermutlich der endgültige Befreiungsschlag. PPG teilte zwar mit, dass man weiterhin an Übernahme-Gespräche interessiert sei, doch ist es äußerst unwahrscheinlich, dass sich Akzo Nobel nach dem erbitterten Abwehrkampf urplötzlich doch zu Gesprächen bereit erklären sollte.

Da der freundliche Weg versperrt ist, bleibt dann für den Bieter nur der Weg einer feindlichen Übernahme. Doch eine so große Milliarden-Offerte am Management vorbei abzugeben, ist extrem riskant. Die Erfolgsaussichten sind gering und am Ende könnte außer vergeudeter Zeit und hoher Beratungshonorare nichts bleiben.

Übernahme 2.0 im kommenden Jahr denkbar

Es dürfte viel besser für PPG sein, jetzt einen Schlussstrich zu ziehen und sich anderen Zielen zu widmen. Alternativ kann sich PPG auch erst einmal aus der Branchenkonsolidierung heraushalten und ab 2018 einen erneuten Vorstoß wagen.

Akzo Nobel ist dann ein anderer Konzern und es ist gut möglich, dass sich das Management dann – auch mit Blick auf die Vorgeschichte – offener für Übernahme-Gespräche zeigt.

Aktie des Übernahme-Kandidaten weiter im Rückwärtsgang – doch für Investoren, die schon länger dabei sind, bleibt ein Gewinn

Am Aktienmarkt kam das Gerichtsurteil nicht gut an. In einem unveränderten Markt notiert die Aktie des Übernahme-Kandidaten 2% leichter. Die Kurslücke zum zuletzt vorgelegten Angebotspreis beträgt mittlerweile fast 30%. Dies zeigt Ihnen, dass kaum noch einer an einer Übernahme glaubt.

Dennoch: Wer vor Aufkommen der Gerüchte die Akzo-Aktie im Depot hatte, für den waren die vergangenen Monate erfolgreich. Seit Bekanntwerden des Übernahme-Interesses hat die Aktie 15% zugelegt.

Dies liegt daran, dass Akzo Nobel konkrete Pläne vorgestellt hatte, wie der Wert für die Aktionäre gesteigert werden soll. Der Verkauf von Unternehmensteilen soll Milliarden in die Kasse spülen und das Management stellte den Anteilseignern in Aussicht, einen Großteil des Verkaufserlös ausgeschüttet zu bekommen.

Trotz des Deal-Aus ein Gewinn für die Aktionäre! So sehen gute Übernahme-Kandidaten aus.


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Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.