Invest Messe Stuttgart, von 05. bis 06. April 2019

Übernahme-Kampf um SFR: Bouygues klar im Vorteil

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Die Entscheidung im Übernahme-Kampf um SFR scheint gefallen. Heute hat Konkurrenz-Bieter Altice sein Angebot ebenfalls veröffentlicht - und das liegt deutlich unter der Bouygues-Offerte. (Foto: phongphan / Shutterstock.com)

In den ÜbernahmeKampf um die Vivendi-Tochter SFR kommt Bewegung. Nachdem in der Vorwoche bereits der Bieter Bouygues die Offerte öffentlich machte, hat jetzt auch der zweite Bieter sein Angebot publik gemacht.

Altice, Großaktionär des Telekommunikationsunternehmen Numericable, bietet für SFR 10,9 Mrd. Euro in bar und einen 32%-Anteil am neuen Unternehmen. Damit bleibt das Angebot jedoch hinter der Bougues-Offerte zurück. Der Konkurrenz-Bieter hat 10,5 Mrd. Euro geboten und 46% vom neuen Unternehmen.

Gemeinsam haben beide Angebote, dass das neu entstehende Telekom-Unternehmen an die Börse gebracht werden soll und Vivendi die Möglichkeit besitzt, sich komplett aus dem Unternehmen zurück zu ziehen.

Altice könnte kontern – doch dann wird es teuer

Noch ist in dem Übernahme-Kampf die Entscheidung nicht gefallen. SFR-Eigentümer Vivendi hat die Bieter aufgefordert, ihre Angebote bis heute Nacht noch zu erhöhen, wenn das gewünscht ist. Da Bouygues aktuell die Nase vorn hat, liegt der Spielball bei Altice.

Ob Altice jedoch sein Angebot so aufstockt, dass es Bouygues unter Zugzwang setzt ist allerdings mehr als fraglich. Bouygues profitiert davon, dass ein Zusammenschluss mit deutlich höherem Kosteneinsparungspotenzial verbunden ist, sodass es für Altice schwer wird, eine lohnende Offerte zu unterbreiten.

Markt nennt Gewinner und Verlierer: Französische Telekom-Aktien Top – Numericable Flop

Der Markt hat seine Entscheidung schon gefällt: Eine Woche nachdem die Angebote eingegangen sind, wird mit einem Deal zwischen Vivendi und Bouygues gerechnet. Die Bouygues-Aktie verteuerte sich seit dem um 14,5%.

Lange Gesichter dagegen bei den Numericable-Aktionären, die sich gute Chancen ausgerechnet hatten. Auf Wochensicht verliert die Aktie des (voraussichtlich) unterlegenen Bieters um rund 21%.

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Heimlicher Gewinner der Übernahme ist Mitbewerber Iliad. Der aufstrebende Bouygues-Konkurrent hat zwar nicht direkt etwas mit dem Deal zu tun, profitiert jedoch von einer besseren Marktstruktur und von den voraussichtlich notwendigen Anteilsverkäufen im Zuge des Schulterschlusses. Die Aktie marschiert um 24% vor.

Branchenprimus France Telekom kommt ebenfalls in den Genuss der dann verbesserten Marktstruktur. Der Übernahme-Plan des Konkurrenten sorgt für einen Kursanstieg von 16,5%.

Parallelen zu Deutschland: Anbieter-Zahl verringert sich bei Übernahme von 4 auf 3

Genau wie auch bei der E-Plus-Übernahme durch Telefonica Deutschland werden auch in Frankreich im Falle eines Deals die Wettbewerbshüter auf den Plan gerufen. Denn auch bei Deutschlands Nachbarn würde sich die Anzahl der Telekom-Anbieter von 4 auf 3 verringern.

Die Politik sieht den Zusammenschluss zwar gelassen und äußert sich wohlwollend – doch das letzte Wort haben die Wettbewerbsbehörden. Um frühzeitig mögliche Bedenken zu entkräften, hat Bouygues daher auch schon Zugeständnisse signalisiert und Investitionen angekündigt.

Guter Deal für Vivendi

Zu den Gewinnern des Bieterkampfes zählt selbstverständlich auch Vivendi. Die Aktie kann zwar in der zurckliegenden Woche nicht zulegen, doch in Erwartung des SFR-Verkaufs stieg die Aktie seit Jahresbeginn um 7,9%. Der Vergleichsindex Eurostoxx 50 hat im gleichen Zeitraum um lediglich 1,9% zugelegt.

Investoren begrüßen den fairen Preis und die eingeschlagene Strategie der Franzosen. Vivendi will mit den Verkaufserlös die Verschuldung reduzieren und mehr ins Medien-Geschäft investieren.


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Jens Gravenkötter
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.