Übernahme-Kandidat Nordex kauft zu: Aktie zieht an

Nordex übernimmt Acciona. Der 785 Mio. Euro-Deal macht einen späteren Kauf des Übernahme-Kandidaten aber nicht unwahrscheinlicher. (Foto: fokke baarssen / shutterstock.com)

Der gestrige Wochenauftakt im Übernahme-Geschäft verlief turbulent: Auf der einen Seite glückliche Nordex-Aktionäre nach einer Zukauf-Meldung und auf der anderen Seite enttäuschte Aktionäre beim Übernahme-Kandidaten K+S.

Eigentlich ist es immer anders herum. Die Aktionäre des Übernahme-Kandidaten sind die Gewinner und die Aktionäre des Bieters sind die Verlierer im Übernahme-Geschäft.

Das gilt aber nicht dann, wenn ein Deal platzt. Bei K+S sorgte das überraschende Übernahme-Aus gestern für einen Kursrückgang von über 20%. Das Papier rutschte sogar unter das Niveau, das es vor Bekanntwerden der Übernahme-Pläne durch den kanadischen Konkurrenten Potash vorweisen konnte.

Nordex-Investoren begrüßen dagegen einen Zukauf in Spanien mit einem Kursfeuerwerk.

785 Mio. Euro für regionale Expansion und Synergien

Für 785 Mio. Euro übernimmt Nordex vom spanischen Baukonzern Acciona das Geschäft mit Windkraftanlagen. Durch die Übernahme steigt Nordex in die Top 5 der größten Windkraftanlagen-Bauer auf und stellt sich regional viel breiter auf.

Während für Nordex das Europa-Geschäft größte Einnahme-Quelle ist, ist es bei Acciona das Geschäft mit Windparks in Nord- und Südamerika. Trotz einer geringen regionalen Überschneidung soll das Synergie-Potenzial bei 95 Mio. Euro ab 2019 betragen.

Nordex-Aktie gefragt

Für den Schulterschluss bekommt Nordex Beifall von Analysten und Investoren. Durch die bessere weltweite Präsenz unterliegen die Umsätze weniger regionalen Konjunktur- und Regulierungs-Risiken. Zudem sei der Preis attraktiv.

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Nach der harten Restrukturierung ist die Übernahme auch ein Zeichen dafür, dass die Krise bei Nordex – und in der Branche – endgültig abgehakt ist.

Das Nordex-Papier kann in Summe stark profitieren. In einem sehr freundlichen Marktumfeld marschierte die Aktie an die TecDAX-Spitze. Nach einem Plus von über 6% folgen heute weitere Zugewinne. Die Aktie liegt trotz der schwachen Sommermonate nur wenige Cents unter dem Jahreshoch.

Nordex bleibt trotz Zukauf Übernahme-Kandidat

Nordex stand bei vielen Anlegern lange auf der Seite der Übernahme-Ziele. Der Aufstieg in die Branchenspitze könnte für einige dieser Anleger als Grund genommen werden, um die Einstufung zu überdenken.

Doch ein Übernahme-Szenario ist dadurch keineswegs abgeschwächt. Ein Großteil des Kaufpreises zahlt Nordex mit eigenen Aktien. Da gleichzeitig noch das zu BMW-Erbin Susanne Klatten gehördende Investment-Vehikel SKion den Großteil des Nordex-Anteils abgibt, hält Acciona nach der Transaktion einen Anteil von 29,9%.

Will Acciona weiter aufstocken muss der Großaktionär nach geltendem Recht den anderen Aktionären ein Pflichtangebot vorlegen (in Deutschland ab 30%). Das ist zwar nicht der unmittelbare Plan von Acciona – es wurde eine 3 Jahres-Verpflichtung abgegeben, nicht weiter zuzukaufen – aber ab 2018 ist das Szenario durchaus denkbar.

Obwohl Nordex also jetzt auf der Bieterseite steht, könnte der Windkraftanlagenbauer mit den gleichen Beteiligten in 2018 Übernahme-Ziel sein. Das Übernahme-Szenario ist also nur zeitlich verschoben – und nicht vom Tisch.


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Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.