Übernahme-Kandidat WincorNixdorf mit starken Geschäftszahlen

Die Berichtssaison hatte in Deutschland einen ordentlichen Start. Gleich mehrere (wenn auch nicht alle!) DAX-, MDAX und TecDAX-Unternehmen konnten in der Vorwoche sowohl mit dem Geschäftsverlauf im vierten Quartal 2015 als auch mit dem Ausblick auf die ersten 3 Monate 2016 bei den Anlegern punkten.

Diesen Unternehmen gelang es dann auch, sich dem schwachen Marktumfeld zu entziehen. Sehr weit oben auf der Liste der Wochengewinner ist beispielsweise die Aktie der Software AG. Nach einem unerwartet starken Schlussspurt, pulverisierte das Unternehmen die Marktschätzungen. Die Anteilseigner honorieren die Zahlen mit einem Plus von gut 15%.

Immerhin rund 10% Wochenplus konnten Aktionäre des Übernahme-Kandidaten WincorNixdorf verzeichnen. Der Kassensysteme-Hersteller hat heute Zahlen vorgelegt und ebenfalls deutlich besser abgeschnitten als prognostiziert wurde.

Aktie schließt zum Angebotspreis auf

Dass die Wincor-Aktie in nur einer Woche zweistellig zulegte, hat allerdings auch andere Gründe. Die Aktie notierte in der Vorwoche trotz Übernahme-Interesses des amerikanischen Konkurrenten Diebold sehr weit unter dem zu erwartenden Übernahme-Preis.

Auf diese Lücke wiesen dann auch verschiedene Analysten hin und animierten die Investoren erfolgreich zum Einstieg. Vielleicht zu recht. Denn wenn kurz der Rechenschieber rausgeholt wurde, zeigte sich, dass der Aktienkurs mehr als 15% unter dem Angebotspreis lag.

Diebold und WincorNixdorf werden zu DieboldNixdorf

Die Manager von Bieter Diebold und Übernahme-Kandidat Wincor Nixdorf einigten sich im November 2015 auf einen 1,8 Mrd. Dollar schweren Deal. WincorNixdorf-Aktionäre sollen in Zuge dessen 38,98 Euro und 0,434 Diebold-Aktien je Anteilsschein erhalten.

Das Angebot hatte in der Vorwoche einen Gegenwert von 49 Euro. Am Aktienmarkt konnten Sie das Papier allerdings für 43 Euro erwerben. Obwohl ein Deal innerhalb der nächsten 6 Monate sehr wahrscheinlich ist, notierte die Aktie 14% unter dem Angebotspreis.

Attraktive Übernahme-Strategie: In laufende Übernahmen einkaufen

Lücken zwischen Übernahme-Angebotspreis und aktuellem Aktienkurs entstehen im Wesentlichen aus 2 Faktoren: Unsicherheit darüber, ob eine Übernahme auch abgeschlossen wird (und das Geld dann fließt) und der „Wartezeit-Entschädigung“ bis Sie das Geld auf dem Konto haben. Besonders in Marktphasen, in denen die Risikoneigung und Zinssatz sehr gering sind, lohnt sich ein Blick auf die Differenzen.

Anleger, die im Rahmen von Übernahme-Angeboten auf die Preisdifferenzen setzen, sind sogenannte Arbitrage-Jäger. In Deutschland ist diese Anlage-Form wenig bekannt, in den USA ist sie deutlich weiter verbreitet und auch mit sehr attraktiven Long-/Short-Strategien ausgefeilter.

Worauf Sie bei Arbitrage-Geschäften achten müssen

Im Arbitrage-Geschäft kann bei einer Angebotslücke nicht blind eingestiegen werden. Sie müssen darauf achten, ob das Übernahme-Angebot auch in bar erfolgte. Denn wenn es statt Cash Aktien des Bieters gibt, tragen Sie auch das Risiko der Bieter-Aktie.

Das kann den Wert einer Offerte deutlich mindern. Bei WincorNixdorf lag der ursprüngliche Wert der Offerte bei 52,50 Euro je Aktie. Nachdem der Deal bei den Diebold-Aktionären auf wenig Gegenliebe stieß, sank der Wert jedoch auf unter 49 Euro.

Sie müssen also bei einem Aktientausch vor Ihrem Einstieg den Wert der Übernahme-Offerte überprüfen, Einschätzen, ob der Deal zustande kommt und auch die Geschäftsentwicklung des Bieters betrachten. Kommen Sie zu einem positiven Fazit, lohnt sich für Sie der Einstieg so wie zuletzt bei WincorNixdorf.

25. Januar 2016

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Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.

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