Übernahme-Kurs und Markt-Aufhellung: Hapag Lloyd schafft Trendwende

HapagLloyd erntet die ersten Früchte früherer Übernahmen: Nach 125% Kurs-Plus trauen die Analysten der Aktie sogar noch mehr zu… (Foto: Monster Ztudio / shutterstock.com)

Der Kostendruck in der stark fragmentierten Schifffahrts-Branche zwang die Reedereien zu einer Branchen-Konsolidierung.

Neben vielen kleineren Deals kam es auch zu milliardenschweren Bündnissen innerhalb der Branchen-Spitze.

Ebenfalls mit von der Partie war die Hamburger Reederei Hapag Lloyd:

Die N.r 6 der Branche einigte sich im Vorjahr auf einen Zusammenschluss mit der Nr. 10 der Branche, United Arab Shipping Co. (UASC).

Der Deal trägt jetzt erste Früchte, und mit etwas Glück erhalten Hapag-Lloyd-Aktionäre sogar für dieses Jahr eine Dividende.

Preisverfall und sinkende Frachtraten – Es geht nicht ohne Übernahmen

Rückblick: Unter den Reedereien herrschte in den vergangenen Jahren ein erbitterter Preiskampf.

Gleichzeitig fielen die Frachtraten, sodass mehrere kleinere Gesellschaften der Entwicklung zum Opfer fielen und Konkurs anmelden mussten.

Auch Hapag Lloyd litt unter wachsenden Verlusten:

2015 stand zwar ein operativer Gewinn in den Büchern – nicht jedoch, weil die Container-Schifffahrt ihr goldenes Zeitalter erlebte, sondern weil Hapag Lloyd durch die vorher übernommene CSAV effizienter wurde.

Mit der Deal-Ankündigung folgte Hapag Lloyd einer zentralen Forderung des Großaktionärs Klaus Michael Kühne, der immer wieder forderte, dass Hapag Lloyd größer werden muss.

Kühne verwies auf den starken Druck in der Branche, dem man sich nur durch Größe entziehen könne.

Für ihn war CSAV nur der 1. Schritt vor weiteren Deals im hart umkämpften Markt. Wieder hörte das Management auf den Logistik-Experten und übernahm die UASC.

Operative Trendwende geschafft – Konzern-Gewinn bis Jahresende möglich

Der Übernahme-Kurs zahlt sich für Hapag Lloyd aus:

Heute Morgen meldete die Reederei, dass die UASC-Integration zwar noch nicht ganz abgeschlossen sei, doch schon jetzt zeigen sich erste Ergebnis-Verbesserungen.

Besonders wichtig: Zur Jahresmitte gelang der Sprung in die operative Gewinnzone.

Während im 1. Halbjahr 2016 noch ein operativer Verlust von rund 40 Mio. € anfiel, erzielte der Konzern diesmal 87,3 Mio. € Gewinn.

Unter dem Strich steht zwar noch ein Fehlbetrag von 46 Mio. € – im Vorjahr waren es jedoch rund 100 Mio. mehr.

Dank Synergie-Effekten aus der UASC-Fusion und eines etwas besseren Marktumfelds ist die -Pauch für die kommenden Monate günstig.

Sollte am Ende des Jahres ein Gewinn ausgewiesen werden, kann sich die Reederei sogar eine Dividenden-Zahlung vorstellen.

Vieles richtig gemacht: Investoren belohnen Übernahme-Kurs

Auch wenn langfristig betrachtet die Dividende eine große Auswirkung auf die Gewinn-Entwicklung einer Aktien-Investition hat, bei Hapag Lloyd ist sie aktuell nur ein Zubrot.

Denn die Aktie der Reederei hat in den vergangenen 12 Monaten über 125% zugelegt – vorher bewegte sich das Papier seitwärts.

Es waren die Übernahmen, die Hapag Lloyd den Weg zum Erfolg geebnet hatten.

Der Management-Kurs wurde daher richtigerweise von den Investoren belohnt. Und geht es nach der Privatbank Hauk&Aufhäuser, ist das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht.

Die Bank traut einem aktuellen Analyse-Update zufolge der Aktie aufgrund der Branchen-Konsolidierung und besserer Marktbedingungen einen Kurs von 47,80 € zu.

Aktuelles Gewinn-Potenzial: bis zu 30%. HapagLloyd ist zwar kein Übernahme-Kandidat, profitiert aber von den Deals der Konkurrenten.

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Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.