Übernahme-Lust in Westeuropa lässt im August deutlich nach

Aktuelle Zahlen zeigen einen deutlichen Einbruch beim Übernahme-Volumen im August. Doch ein schwacher August ist kein Hinweis auf eine grundsätzliche Trendwende. (Foto: NicoEINino / shutterstock.com)

Trotz Handelsstreitigkeiten blieb das Übernahme-Volumen in den Sommermonaten Juni und Juli auf einem hohen Niveau. Der August hingegen war kein guter Monat für Investment-Banker, Juristen und Deal-Berater.

Mit lediglich 1819 Deal-Ankündigungen und einem Volumen von 48,6 Mrd. Euro fiel die Übernahme-Aktivität auf den niedrigsten Stand seit August 2016.

Den vorläufigen Zahlen der Übernahme-Datenbank Zephyr (Bureau van Dijk) zufolge, lag das Übernahme-Volumen im August zwei Drittel unter dem Vormonatsniveau. Auch im Vergleich zum Vorjahreswert hat das Übernahme-Volumen mit -45% deutlich nachgelassen.

Übernahme-Volumen dürfte in den kommenden Monaten wieder anziehen

Der schwächere August-Wert bedeutet jedoch nicht, das am Markt für Übernahmen und Fusionen eine nachhaltige Trendwende stattgefunden hat. Bei monatlichen Volumina zwischen 70 und 200 Mrd. Euro reichen wenige Großdeals, um die Statistik zu verzerren.

Zudem sollten Sie wissen, dass eine niedrigere Übernahme-Aktivität im August keine Ausnahme ist. Die Anzahl der angekündigten Transaktionen lag auf Vorjahresniveau und der August 2016 wies in dem Jahr die zweitniedrigste Anzahl an angekündigten Transaktionen auf.

Die grundsätzlichen Bedingungen für Übernahmen bleiben gut. Während die Bewertungen zuletzt in vielen Branchen Westeuropas abgenommen haben, verharrt der Zins zur Refinanzierung der Deals auf einem sehr niedrigen Niveau. Zusammen mit dem robusten Wirtschaftswachstum ist daher von einer Sommer-bedingten Schwäche auszugehen.

Nur 8 Deals mit Volumen von über 1 Mrd. Euro

Um in die Top20 der größten Deals zu kommen, reichte diesmal schon ein Übernahme-Volumen von 506 Mio. Euro. Lediglich 8 Deals schafften es über die 1 Mrd. Euro-Grenze. Dies ist der niedrigste Wert seit dem August 2017.

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Der größte Deal ist dabei streng genommen keine „reine“ Übernahme, sondern eine politisch motivierte Anteilsaufstockung. Die französische Post übernimmt aufgrund des schrumpfenden Briefmarktes zur Stärkung des Finanzgeschäfts einen 42%-Anteil am Versicherer CNP für 5,8 Mrd. Euro.

Der zweitgrößte Deal ist die Übernahme der britischen Kaffeehauskette Costa durch den US-Getränkehersteller CocaCola für 4,3 Mrd. Euro. Mit der Übernahme setzen die Amerikaner auf einen wachstumsstarken Markt, bezahlen dafür aber auch einen sehr hohen Preis.

Deutsche Ziele 2 Mal unter den 20 größten Deals vertreten

Übernahmen mit Zielen aus Deutschland waren zwei Mal vertreten. Zum einen erhöhte die US-Investmentgesellschaft The Capital Group Companies ihren Anteil am Turbinenhersteller MTU von 10 auf 15%, und zum anderen unterbreitete der Morgan Stanley-Infrarstrukturfonds den VTG-Aktionären ein Übernahme-Angebot.

Dank der beiden größeren Transaktionen sowie mehrere kleinerer, lag Deutschland im Länder-Ranking vor den Niederlanden auf Platz 3. Nach 12,6 Mrd. Euro Übernahme-Volumen im Juli, lag im vergangenen Monat das Volumen hierzulande jedoch bei lediglich 6,9 Mrd. Euro.

Wie bereits geschildert ist der August bekannt für wenige Deals, sodass der Jahresvergleich deutlich besser ausfällt. Gegenüber dem August 2017 stieg das Deal-Volumen in Deutschland um rund 7% an.

Insgesamt bleibt das Umfeld für mehr Deals im deutschsprachigen Raum gut und der Übernahme-Sensor wäre nicht verwundert, wenn in den verbleibenden Monaten des Jahres noch die ein oder andere Übernahme-Überraschung in den Medien thematisiert wird.


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Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.