Übernahme-Lust in Westeuropa lässt im November nach

Die Übernahme-Lust in Westeuropa hat im November zwar nachgelassen, doch die Erfahrung zeigt: Das muss alles noch lange nichts heißen. (Foto: everything possible / Shutterstock.com)

Ende November haben wir Ihnen von dem spannenden TimeWarner-Übernahme-Versuch durch AT&T berichtet.

Bei dem Deal beläuft sich das Übernahme-Volumen incl. Schulden auf fast 100 Mrd. €.

Auch wenn solche Deals eine Ausnahme sind:

Was in den USA manchmal bei nur 1 Übernahme überwiesen wird, ist nicht selten mehr als das, was in anderen Marktregionen in 1 Monat bei mehreren 100 Deals überwiesen wird.

So war es auch im November 2017: Das Übernahme-Geschäft in Westeuropa verlief schwach und die Top-10-Deals lagen in Summe bei „gerade einmal“ 28 Mrd. €.

Schwacher November kein Indiz für eine Trendwende am Übernahme-Markt

Es war kein guter Monat für Investment-Banker, Juristen und Deal-Berater:

Mit lediglich 1767 Deals und einem Volumen von 71,2 Mrd. € fiel die Übernahme-Aktivität auf den niedrigsten Stand dieses Jahres.

Den vorläufigen Zahlen der Übernahme-Datenbank Zephyr (Bureau van Dijk) zufolge, fiel das Übernahme-Volumen im November um 21%.

Nach den starken Sommer-Monaten Mai, Juni (105 Mrd. €) und Juli (208 Mrd. €) hat die Übernahme-Aktivität spürbar nachgelassen.

Doch auch wenn Aktivität und Volumen im November schwächer ausfielen als im Sommer, bedeutet das nicht, dass am Markt für Übernahmen und Fusionen eine nachhaltige Trendwende stattgefunden hätte.

Immerhin lag das Volumen in Westeuropa im November immer noch über dem Wert des Vorjahres-Monats.

Und die sehr guten Finanzierungs-Bedingungen sowie robusten Wirtschaftsdaten können ziemlich schnell wieder einen Volumen-Anstieg nach sich ziehen.

Im Dezember 2016 verdoppelte sich das Volumen sogar.

Und so ist es gut möglich, dass auch in diesem Jahr wieder verschiedene Konzerne vor dem Bilanz-Schnitt am Jahresende noch einmal aktiv werden.

15 Deals mit Volumen von über 1 Mrd. €

Die Monats-Statistik deutet darauf hin, dass die Deal-Aktivität nach wie vor robust ist.

Es war nicht der eine große Deal, der das Volumen nach oben zog, sondern es waren Sektor-übergreifend verschiedene Milliarden-Deals.

In den Top-20 der größten Oktober-Deals finden sich gleich 15 Deals mit einem Volumen von über 1 Mrd. €.

Der größte Deal besaß ein Volumen von 8 Mrd. €. Die finnische Fortun kündigte die Übernahme des deutschen Energie-Erzeugers Uniper an.

Insgesamt war die Aktivität in der Branche Gas, Wasser und Elektrizität außerordentlich hoch:

Wurden im Vorjahr in der Branche lediglich Deals im Volumen von knapp 1 Mrd. € angekündigt, waren es diesmal 13,4 Mrd. €.

Deutschland im Länder-Ranking dank Uniper-Übernahme auf Platz 1

Während also die Deal-Lust in der Marktregion Westeuropa abermals nachgelassen hat, war dank der Uniper-Übernahme die Länder-Statistik für Deutschland sehr positiv.

Gegenüber dem Vormonat schoss das Übernahme-Volumen um 78% auf 14,2 Mrd. € nach oben.

Normalerweise landet die Bundesrepublik hinter Großbritannien immer auf dem 2. Platz in der Statistik, diesmal landet Deutschland aber auf Platz 1.

Und auch insgesamt bleibt das Umfeld für mehr Deals in Deutschland gut.

Entsprechend wären wir auch nicht verwundert, wenn im letzten Monaten des Jahres noch die eine oder andere Übernahme-Überraschung in den Medien thematisiert wird.

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Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.