Übernahme-Lust in Westeuropa lässt im Oktober spürbar nach

In der Vorwoche hat Ihnen der Übernahme-Sensor von der der spannenden Übernahme von Time Warner durch AT&T berichtet.

Bei dem Deal belief sich das Übernahme-Volumen inklusive Schulden auf fast 100 Mrd. €.

Auch wenn solche Deals eine Ausnahme sind:

Was in den USA manchmal bei nur einer Übernahme überwiesen wird, ist nicht selten mehr als das, was in anderen Marktregionen in 1 Monat bei mehreren 100 Deals überwiesen wird.

So war es auch im Oktober: Das Übernahme-Geschäft in Westeuropa verlief schwach und die Top-10-Deals lagen in Summe bei gerade einmal 12 Mrd. €.

Schwacher Oktober kein Indiz für eine Trendwende am Übernahme-Markt

Es war kein guter Monat für Investment-Banker, Juristen und Deal-Berater. Mit lediglich 1646 Deals und einem Volumen von 32,6 Mrd. € fiel die Übernahme-Aktivität auf den niedrigsten Stand seit über 1 Jahr.

Den vorläufigen Zahlen der Übernahme-Datenbank Zephyr (Bureau van Dijk) zufolge, fiel das Übernahme-Volumen im Oktober um 62%.

Nach den starken Sommer-Monaten Juni (105 Mrd. €) und Juli (208 Mrd. €), hat die Übernahme-Aktivität spürbar nachgelassen.

Doch auch wenn der Oktober schwächer verliefen, bedeutet das nicht, das am Markt für Übernahmen und Fusionen eine nachhaltige Trendwende stattgefunden hat.

Immerhin lag das Volumen im 3. Quartal dieses Jahres in Westeuropa bei 321,6 Mrd. €, obwohl der August ähnlich schwach verlief wie der Oktober.

Dennoch lag das Volumen am Ende 28% über dem Volumen des 2. Quartals und 50% über dem Volumen des Vorjahres-Zeitraums.

Die sehr guten Finanzierungs-Bedingungen und robusten Wirtschaftsdaten können ziemlich schnell wieder einen Volumen-Anstieg nach sich ziehen.

Nur 5 Deals mit Volumen von über 1 Mrd. €

„Echte Deals“ – also Übernahmen, bei denen ein Unternehmen ein anderes übernimmt waren Mangelware.

In den Top 20 der größten Oktober-Deals finden sich etliche Minderheits-Beteiligungen, Aufstockungen und Kapital-Erhöhungen.

Der größte echte Deal besaß ein Volumen von 2,9 Mrd. €. Der US-amerikanische Finanz-Investor Carlyle schnappte sich die niederländische Spezialchemie-Unternehmen Atotech.

Mit 1,5 Mrd. € landete die Übernahme der dänischen LM Wind Power durch GE auf Platz 2.

Deutsche Unternehmen 3x unter den 20 größten Deals vertreten

Übernahmen mit Zielen aus Deutschland summierten sich auf ein Volumen von 4,3 Mrd. €. Die Übernahme der Rimowa GmbH im Volumen von 640 Mio. € schafft es sogar in die Top10 der größten Oktober-Übernahmen Westeuropas.

Ebenfalls erwähnenswert ist der 4%-Einstieg eines Investors bei Evonik sowie die Übernahme des Oberflächen-Spezialisten Hornschuch durch E.ON.

Das Volumen hätte in Deutschland höher ausfallen können, wenn nicht einige Deals auf der Zielgeraden gescheitert wären.

So wären die Aixtron-Übernahme durch einen chinesischen Investor und auch die SLM-Übernahme durch General Electric gemessen am Deal-Volumen noch vor der Rimowa-Übernahme gelandet.

Insgesamt bleibt das Umfeld für mehr Deals in Deutschland jedoch gut.

Und so wären wir nicht verwundert, wenn in den letzten beiden Monaten des Jahres noch die ein oder andere Übernahme-Überraschung in den Medien thematisiert würde.

4. November 2016

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Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.

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