Übernahme-Lust in Westeuropa lässt nach

Weniger Volumen, weniger Transaktionen – der August verlief am Übernahme-Markt schwach. Doch eine Trendwende ist das deshalb noch nicht. (Foto: Zadorozhnyi Viktor / Shutterstock.com)

In der Vorwoche haben wir Ihnen vom robusten Übernahme-Geschäft in Nordamerika berichtet:

Trotz Sommerflaute an den US-Börsen blieb das Übernahme-Volumen auf einem hohen Niveau.

Die USA bleiben dabei das Mutterland der Übernahmen und Akquisitionen:

Was dort bei nur einer Übernahme überwiesen wird, ist nicht selten mehr als das, was in anderen Marktregionen in 1 Monat bei mehreren 100 Deals überwiesen wird.

Nicht ganz so extrem, aber schon nennenswert gering verlief zuletzt das Übernahme-Geschäft in Westeuropa:

Im August war das Gesamt-Volumen so hoch wie bei den 15 größten Deals aus Nordamerika.

Schwacher Juli und August kein Indiz für eine Trendwende am Übernahme-Markt

Es war kein guter Monat für Investment-Banker, Juristen und Deal-Berater:

Mit lediglich 1508 Deal-Ankündigungen und einem Volumen von 76,1 Mrd. € fiel die Übernahme-Aktivität auf den niedrigsten Stand seit April.

Den vorläufigen Zahlen der Übernahme-Datenbank Zephyr (Bureau van Dijk) zufolge verharrte das Übernahme-Volumen im August zwar auf dem Vormonats-Niveau.

Doch im Vergleich zum starken Juni (131 Mrd. e) hat das Übernahme-Volumen um ganze 40% nachgelassen.

Auch wenn die vergangenen beiden Monate schwächer verliefen, bedeutet das jedoch nicht, das am Markt für Übernahmen und Fusionen eine nachhaltige Trendwende stattgefunden hat.

Immerhin lag das Volumen in Westeuropa zur Jahresmitte bereits leicht über dem Vorjahres-Niveau.

Bei monatlichen Volumina zwischen 70 und 130 Mrd. € reichen wenige Großdeals, um die Statistik zu verzerren.

Zudem sollten Sie wissen, dass das Übernahme-Volumen im August des Vorjahres bei 46,9 Mrd. € lag – also etwa 1/3 unter dem diesjährigen Niveau.

13 Deals mit einem Volumen von über 1 Mrd. €

Die Deal-Anzahl lag im August mit 1508 Transaktionen etwa 1/4 unter dem Juli-Niveau. Dies zeigt Ihnen mit Blick auf das gleichhohe Volumen, dass es mehr größere Transaktionen gab.

Unter den Top20 tauchen dann auch 13 Deals mit einem Volumen jenseits der Milliarden-Grenze auf.

Die größte Übernahme stellte der Kauf der britischen WorldPay Group durch Vantiv mit einem Volumen von 10,2 Mrd. € dar.

Deutsche Unternehmen nur 1x unter den 20 größten Deals vertreten

Übernahmen mit Zielen aus Deutschland waren Mangelware:

Lediglich die Übernahme von 50% der Anteile des Immobilien-Unternehmens CG Gruppe durch die Leipziger Consus Commercial Property schafft es in die Top20.

Das Volumen der Transaktion wird mit 743 Mio. € angegeben.

Deutschland lag im Länder-Ranking auch nur auf Platz 6 hinter Dänemark und den Niederlanden.

Nach 10,9 Mrd. € Übernahme-Volumen im Juli lag das Volumen im vergangenen Monat bei lediglich 4,9 Mrd. €.

Insgesamt bleibt das Umfeld für mehr Deals in Deutschland jedoch gut.

Und wir wären nicht verwundert, wenn in den verbleibenden Monaten des Jahres noch die eine oder andere Übernahme-Überraschung in den Medien thematisiert würde.

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Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.