Übernahme-Poker um Bwin: GVC überbietet 888 und kündigt doppelte Synergien an

Der Übernahme-Sensor hat Ihnen bereits mehrfach vom britisch-österreichischen Online-Casino bwin.party berichtet. Das Unternehmen steht seit Mitte 2014 immer wieder aufgrund von Übernahme-Gerüchten in den Schlagzeilen.

Konkret wurde es dann aber erst ab Februar dieses Jahres. Und in der Folge zeichnete sich ein Bieterkampf um das Unternehmen ab. Letzter Stand war, dass der kleinere Konkurrent 888, trotz einer finanziell unterlegenen Offerte, den Zuschlag erhielt und der Konkurrent GVC das Nachsehen hatte.

Der Übernahme-Kandidat entschied sich für die niedrigere Offerte, da er eine bessere Langfrist-Perspektive bei einem Zusammenschluss mit 888 sah und ein Großteil des Preises mit Aktien beglichen werden sollte.

GVC kontert mit Milliarden-Offerte – muss aber nicht langfristig besser sein

GVC hat sich jedoch nicht geschlagen gegeben und gestern das Angebot noch einmal nachgebessert. Mit finanzieller Unterstützung des US-Finanzinvestors Cerberus hat GVC eine 1 Mrd. britische Pfund-Offerte auf den Tisch gelegt.

Cerberus ist schon in der Branche Glückspielbranche aktiv und ersetzt offenbar den vorherigen GVC-Partner Amaya, zu dem die Pokerplattform PokerStars zählt.

Die neue Offerte ist zwar 10% höher als das 888-Gebot, dennoch ist nicht sicher, ob das Angebot ausreicht, um das bwin.party-Management zu überzeugen. Denn der Löwenteil des Preises soll in Aktien gezahlt werden. Es kommt also erneut darauf an, wie die Manager das Entwicklungs- und Synergie-Potenzial bei einem Zusammenschluss mit GVC bewerten.

Aktie steigt über 888-Angebot

Bwin.party-Aktien legten nach Bekanntgabe der GVC-Pläne zu. Gestern stieg das Papier auf 1,11 britische Pfund und heute können die Gewinne verteidigt werden. Der aktuelle Aktienkurs liegt oberhalb der 1,04 Pfund-Offerte je Aktie von 888; aber auch noch 11 Pence unter der GVC-Offerte.

Die Differenz von 9% ist der übliche „Unsicherheitsfaktor“. Zum einen wird damit das Risiko ausgedrückt, dass Bwin nicht die GVC-Offerte unterstützt, weil das 888-Angebot aufgrund höherer Synergien und eines besseren Zukunftsplans weiterhin überlegen ist.

Zum anderen wird damit das Risiko ausgedrückt, dass die Aktienkomponente aufgrund von Schwankungen mehr oder weniger wert ist.

Im schon zu Ende geglaubten Bieterkampf ist es zu einer unerwarteten Verlängerung gekommen. Es wird erwartet, dass 888 – sofern Bwin.party die GVC-Offerte jetzt unterstützt – ebenfalls noch einmal nachlegt.

Was allerdings sehr verwundert, ist, dass GVC das Synergie-Potenzial doppelt so hoch ansetzt wie 888 und die Maximal-Synergien auch noch ein Jahr früher erzielbar hält. Das ist ein komplett anderes Ergebnis, als das, was im Vorfeld von Analysten ermittelt wurde, die das höhere Potenzial bei einem Schulterschluss mit 888 gesehen hatten.

Es ist möglich, dass GVC aufgrund des Bieterkampfes äußerst optimistisch gerechnet hat, oder dass der ehemalige Co-Bieter Amaya, der in der ersten Runde noch mit im Boot saß, ein unglaublicher Bremsschuh war.

Ich habe ein wenig Bauchschmerzen, angesichts der ungewöhnlichen Entwicklung. Logisch wäre, dass Bwin die Seiten wechselt, weil die neue Offerte attraktiver ist.

Vorausgesetzt die von GVC genannten Zahlen passen auch wirklich so. Ansonsten sind da schon die Abschreibungen 2016 vorprogrammiert und es ist möglich, dass dann der Wechsel zum vermeintlich besseren Angebot falsch war.

Und auch wenn Analysten nach Seitenwechsel von Bwin mit einer Aufstockung durch 888 rechnen: Die Bwin-Geschäftszahlen des ersten Quartals hatten auf jeden Fall nicht das Prädikat „Premium“ verdient. Umsatzrückgang, Kundenrückgang bei den Aktiven, Verluste im Pokergeschäft und sinkende Margen sind nicht gerade Argumente für noch höhere Gebote.

Allerdings: Wir bewegen uns bei dem Deal in der Glücksspielbranche. Und Zocker schießen auch gerne mal über das Ziel hinaus. Am besten positioniert sind Sie in dem Übernahme-Kampf, wenn Sie weder 888 noch GVC im Depot halten.

28. Juli 2015

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.

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