Übernahme-Spekulanten jubeln über Kraft-Heinz-Hochzeit

In der amerikanischen Nahrungsmittelbranche findet eine milliardenschwere Fusion zweier Traditionskonzerne statt. H.J. Heinz – bekannt für seine Ketchup-Sorten geht mit dem Konkurrenten Kraft Foods zusammen.

Durch den Zusammenschluss entsteht der fünftgrößte Nahrungsmittelkonzern der Welt. Der gemeinsame Umsatz wird mit 28 Mrd. $ angegeben. An der Börse sorgte die Deal-Ankündigung für einen Run auf die Kraft-Anteilsscheine.

Einstieg in die Aktie selbst wenige Stunden vor Deal-Bekanntgabe noch hoch attraktiv

Als am späten Dienstag nach Beendigung des US-Handels das Wall Street Journal von dem bevorstehenden Deal berichtete, wurden die Investoren hellhörig. Ein Insider steckte dem stets gut informierten Blatt, dass 3G Capital, Mehrheitseigner von Heinz, eine Kraft-Übernahme plane.

Die brasilianische Beteiligungsgesellschaft ist bekannt für Milliarden-Übernahmen. Da unter anderem ein Zusammengang von Heinz und Kraft eine nicht zu verkennende industrielle Logik aufwies und sich 3G erst kürzlich Milliarden für eine weitere Übernahme sicherte, überzeugte die Meldung die Investoren.

Wenige Minuten nach der Meldung ging es im nachbörslichen US-Handel mit dem Anteilsschein deutlich nach oben.

In Deutschland startete der Handel dann bereits mit einem kräftigen Kursaufschlag von rund 15%. Ein Investor sicherte sich früh Morgens im Frankfurter Handel einen 2.000er Aktienblock zu 64,75 Euro. Wie sich später rausstellen sollte, ein höchst attraktiver Kurs für die Aktie.

Gegen 12 Uhr wurden die Übernahme-Gerüchte von Kraft Foods bestätigt. Als Details zu den Deal-Bedingungen publik wurden, schoss die Aktie weiter hoch. In der Spitze verteuerte sich das Papier auf fast 80 Euro. Der „Frühaufsteher“ hatte also binnen weniger Stunden einen Kursgewinn von etwa 23% erzielt.

Nichts zu verschenken: Alte Weisheit „Auch Kleinvieh macht Mist“ gilt besonders im Übernahme-Geschäft

Dieser hohe Gewinn trotz konkreter Übernahme-Hinweise ist eigentlich unüblich – konnte aber zuletzt auch bei der Salix-Übernahme erzielt werden. Meistens liegen jedoch die noch zu erreichenden Prämien bei konkreten Übernahme-Hinweisen bei etwa 10%.

Doch auch das ist für Übernahme-Spekulanten, die regelmäßig an Deals beteiligt sind, ein absolut lohnendes Geschäft. Und wenn ab und an eine Kraft-oder Salix-Übernahme dabei ist, dann erst recht.

Kraft-Management beziffert Synergie-Potenzial mit 1,5 Mrd. $

An der über 40 Mrd. $ schweren Übernahme nimmt auch die Investoren-Legende Warren Buffett mit seiner Beteiligungsgesellschaft Berkshire Hathaway teil.

Berkshire ist Heinz-Miteigentümer und investiert gemeinsam mit 3G Capital zusätzlich rund 10 Mrd. $ in das neue Unternehmen. Das Geld soll eine Fusionsprämie für die Kraft-Aktionäre sein, die je Anteilsschein 16,50 Dollar in bar erhalten.

So gut diese Einmalzahlung auch ist: Der wirkliche Mehrwert für die Aktionäre liegt in den Synergien. Ab 2017 sollen bei „Heinzkraft“ jährlich 1,5 Mrd. $ eingespart werden. Das ist die Zahl, die heute neben der Fusionsprämie den Kurs treibt.

26. März 2015

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Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.

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