Übernahme-Trends 2011: Der Biotech-Sektor

Morphosys Symbolbild Laborarbeit_shutterstock_761873551_Motortion Films

Die Zeit läuft den großen Pharma-Unternehmen regelmäßig davon. Kaum hat sich ein Medikament am Markt etabliert und sorgt für kräftige Gewinne, verlangen die Investoren schon den nächsten „Blockbuster“ (= ein Medikament mit mind. 1 Mrd. Dollar Umsatz). (Foto: Motortion Films / shutterstock.com)

Grund: Laufen die Patente der Medikamente ab, kommt es zum Umsatzeinbruch. Bei vielen Pharma-Riesen laufen wichtige Patente bereits 2012 aus. Die Generika-Hersteller warten nur darauf, mit ihren Nachahmer-Produkten in den Markt zu gelangen und den Großen die Marktanteile abzujagen.

Pharma-Riesen brauchen eine volle Forschungspipeline

Für Pharma-Riesen wie GlaxoSmithKline, Novartis, Sanofi-Aventis und Pfizer ist es daher Pflicht, stets eine prall gefüllte Forschungspipeline zu haben. Nur so kann gewährleistet werden, dass regelmäßig neue Medikamente auf den Markt gelangen und die Gewinnquelle nicht versiegt.

Eine eigene Pipeline zu füllen, ist aber mit sehr hohen Forschungskosten und hohen Risiken verbunden. Denn nur die wenigsten der identifizierten Wirkstoffe schaffen es bis zur endgültigen Marktreife.

Übermäßiger Erfolg führt oft zur Übernahme

Die Pharma-Unternehmen überlassen die Wirkstoffsuche und aufwendige Entwicklung daher oft den Biotech-Spezialisten (die Größten in Deutschland sind: Qiagen, Morphosys, Evotec). Für den Forschungserfolg werden die Biotech-Unternehmen von den Pharma-Konzernen mit Meilensteinzahlungen bezahlt. Läuft während der Entwicklung etwas schief, muss die Meilensteinzahlung gar nicht erst gezahlt werden.

Entpuppt sich ein Biotech-Unternehmen jedoch als sehr erfolgreich, kann mit einer Übernahme gleich die komplette Forschungspipeline erworben werden. Ein Szenario, das in der Vergangenheit schon sehr häufig stattgefunden hat.

Attraktive Kurs-Chancen für Biotech-Aktionäre

Die kommende Übernahmewelle bietet dabei attraktive Kurschancen für die Aktionäre von Biotech-Unternehmen, die als Übernahme-Kandidat gehandelt werden. Ein Beispiel dafür ist der Milliardendeal von Roche. Für die ausstehenden Aktien des US-Biotech-Unternehmens Genentech zahlten die Schweizer einen Aktienpreis von 95 Dollar – wer 8 Monate vorher eingestiegen ist verdiente 60%.

Gleiches bei der Übernahme von King Pharmaceuticals durch Pfizer. Bei Pfizer ist der Druck besonders groß. Es wird vermutet, dass bereits im nächsten Jahr durch den Wegfall des Patentschutzes beim Blockbuster „Lipitor“ der Umsatz um über 30% einbrechen könnte. Daher wurde mit King Pharmaceuticals die Pipeline wieder aufgefüllt. Aktionäre verdienten an der Übernahme kräftig mit. Die King-Aktie stieg unmittelbar nach Bekanntgabe der Übernahme um 40%.

Patentdruck löst neue Übernahmewelle aus

Die Übernahmewelle im Pharma- und Biotech-Bereich geht bis ins Jahr 2005 zurück. Durch die Finanzkrise nahm die Aktivität zwar ab, doch wird bereits im nächsten Jahr der Patentdruck der Pharma-Riesen zu einer spürbaren Belebung der Übernahme-Aktivität im Biotech-Bereich führen. Davon werden auch deutsche Biotech-Firmen betroffen sein. Die Pharma-Konzerne sind bereits bei den deutschen Unternehmen mit Beteiligungen von 10% und mehr eingestiegen. Ein Forschungserfolg rückt die Firmen dann unmittelbar in den Übernahme-Fokus.

Auch innerhalb der Biotech-Branche wird es zu vermehrter Übernahme-Aktivität kommen. Viele kleinere Unternehmen werden von größeren Biotech-Unternehmen übernommen, um die Produktlinien und Wettbewerbsfähigkeit zu verteidigen. Bestes Beispiel dafür ist die im Oktober erfolgte Übernahme von Sloning durch Morphosys. Mit Sloning verkürzt Morphosys die Entwicklungszeit und erhöht die Erfolgswahrscheinlichkeit. Nur wer erfolgreich forscht, hat Chancen auf die Meilensteinzahlungen.

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Jens Gravenkötter
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Der gewiefte Börsen-Profi Jens Gravenkötter verdankt seinen Erfolg nicht zuletzt seinem Wissen aus seiner Ausbildung zum Bankkaufmann und seinem Studium der Volkswirtschafslehre.

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