Übernahme: Unternehmen vergiften als Abwehr

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Man hört immer wieder davon: Feindliche Übernahme. Was es damti auf sich hat und wie sich Unternehmen schützen, wird hier erklärt. (Foto: Zadorozhnyi Viktor / Shutterstock.com)

Nicht immer sind Unternehmen von einem Übernahme-Angebot begeistert.

In diesem Fall spricht man von sogenannten „feindlichen“ Übernahme-Angeboten. Wenn eine Übernahme als feindlich eingestuft wird, bedeutet das: Ein vorgelegtes Übernahme-Angebot zum Aktien-Erwerb des Unternehmens, wurde als unzureichend empfunden.

Übernahme: Unternehmen wollen unattraktiv werden

In diesem Fall kommt es dann durch das Management zu einer Mitteilung an die Aktionäre, in der empfohlen wird, das vorliegende Angebot nicht anzunehmen.

Soweit rechtlich zulässig, werden zusätzlich Abwehrmaßnahmen ergriffen, die es dem Bieter erschweren sollen, das betroffene Unternehmen zu übernehmen. Eine gängige Maßnahme dabei ist die so genannte Giftpillen-Strategie (Poison Pill).

Giftpille 1: Veräußerung von Konzernteilen

Mit der Giftpille versucht das betroffene Unternehmen, die Übernahme für den Bieter unattraktiv zu machen. Wenn beispielsweise die Unternehmensführung davon ausgeht, dass der Bieter es auf eine spezielle Tochtergesellschaft abgesehen hat, kann genau diese kurzerhand verkauft werden.

Hier eignet sich das Hochtief-Beispiel: Hätte Hochtief die Konzerntochter Concessions an die Börse gebracht, wäre das eine typische Giftpille für den Bieter ACS gewesen. Die Übernahme hätte sich dadurch erheblich verteuert (leider ist es dem Hochtief-Management nicht gelungen, diese Giftpille einzusetzen, bevor ACS die wichtige Marke von 30% überschritten hat).

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Giftpille 2: Kapitalerhöhung

Eine andere Anwendung der Giftpille ist die Kapitalerhöhung. Die Ausgabe neuer Aktien würde in dem Fall die Übernahme so sehr verteuern, dass der Interessent es sich unter Umständen nicht mehr leisten kann, die Übernahme zu bezahlen oder, dass sich die Übernahme nicht mehr rentiert.

Auch hier eignet sich die Hochtief-Übernahme als Beispiel: Das Management hat mit einer Kapitalerhöhung das Emirat Katar als neuen Investor an Bord geholt, um den Anteil des Bieters ACS zu verringern. Ohne diese Maßnahme wäre es für ACS noch einfacher gewesen, den Übernahme-Plan Hochtief umzusetzen.

Giftpille 3: Kasse leeren

Eine weitere Giftpillen-Strategie ist, selbst andere Unternehmen zu kaufen. So ist kurzfristig die Kasse leer und langfristig das Interesse der Aktionäre gewahrt. Hat der Bieter es nämlich nur auf die prall gefüllte Kasse des Übernahme-Kandidaten abgesehen, kann ein teurer Zukauf die Übernahme-Lust schnell dämpfen.

Der beste Schutz vor einer feindlichen Übernahme ist jedoch immer eine hohe Bewertung an der Börse. Wird ein Unternehmen mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 30 bewertet, sind schon sehr gewichtige Gründe nötig, um Ziel einer Übernahme zu werden.

Firmen greifen zu einigen Tricks, um dem Schicksal einer feindlichen Übernahme zu entgehen. Ziel ist es aber sich selbst unattraktiv zu machen und nicht Selbstmord zu begehen. Diesen Balanceakt muss das Unternehmen bewerkstelligen. Kippt das Gewicht zu jeweils einer Seite, wird nicht der gewünschte Effekt erzielt.


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Jens Gravenkötter
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.