Übernahme-Volumen in Deutschland steigt im Januar um 139%

In Westeuropa sind das Übernahme-Volumen und die Anzahl der Deals im Januar klar zurückgefallen. Nach zwei robusten Monaten mit Deal-Ankündigungen im Volumen von 80 und 47 Mrd. Euro, liegt das Volumen zum Jahresauftakt bei gerade einmal 47,3 Mrd. Euro.

Auch gegenüber dem Vorjahresmonat ist das Volumen etwas geringer (-6,9%). Im Januar 2014 wurden im gleichen Zeitraum Deals im Volumen von 50,8 Mrd. Euro angekündigt.

Wieder einmal schwach war die Anzahl der Deals. Mit weniger als 1.100 angekündigten Übernahmen ist die Deal-Anzahl ebenfalls auf sehr niedrigem Niveau. Es handelt sich jedoch bislang um vorläufige Zahlen, sodass noch einige Deals dazu kommen werden. Dennoch ist schon jetzt klar, dass es kein Übernahme-Boom im Januar gab.

10 Deals sprengen die Milliardengrenze – RWE Dea auf Platz 2

Ein Blick auf die 20 größten Deals zeigt, dass im Janaur schon Übernahmen im Volumen von 430 Mio. € ausreichten, um in der Liste platziert zu werden. Im November schafften es 17 Deals über die 1 Mrd. Euro-Grenze.

Der damals „kleinste“ Deal in der Liste schafft es auf gute 826 Mio. Euro – doppelt so groß wie in diesem Monat.

Es gab keinen Big-Deal, der jenseits der 10 Mrd. Euro-Grenze lag. Die größte M&A-Transaktion war die 7,5 Mrd. Euro schwere Kapitalerhöhung der spanischen Banco Santander.

Wenn Sie nur die „richtigen“ Deals betrachten, ist eigentlich die RWE Dea-Übernahme durch den russischen Oligarchen Michail Fridman auf Platz 1. Der Deal ist schon seit März 2014 bekannt, verzögerte sich jedoch und kam erst jetzt ins Ranking des Übernahme-Instituts Bureau van Dyck.

Länder-Ranking: Deutschland mit Volumen-Schub zurück auf Platz 2

Im Länder-Ranking ist einmal mehr Großbritannien an der Spitze des Tableaus. Mit 15,1 Mrd. Euro liegt das Volumen knapp 40% über dem Vorjahreswert.

Nachdem Deutschland im Länder-Ranking zwischenzeitlich hinter Finnland zurückfiel, ist Europas größte Volkswirtschaft im Januar wieder zurück auf Platz 2. Das Deal-Volumen betrug starke 8,8 Mrd. Euro. Dies ist ein Anstieg gegenüber Dezember von 139%.

Neben der Dea-Übernahme taucht die angekündigte DMG Mori Seiki-Übernahme (ehemals Gildemeister) im Top-Ranking auf und auch die Senvion-Übernahme, eine Tochtergesellschaft der indischen Suzlon.

Portugal schaffte es im Dezember dank der Oi-Übernahme noch auf Platz 3 im Ranking. Höchst ungewöhnliche Gefilde für das südeuropäische Land. Doch ohne Großübernahme spielt das Land im internationalen M&A-Geschäft keine Rolle. Oi ist verkauft und prompt fällt das Übernahme-Volumen im Januar um 99,9% auf 7 Mio. zurück.

Ähnlich hohe Rückgänge aufgrund fehlender Groß-Übernahmen verzeichneten den vorläufigen Zahlen zufolge Österreich (-99,5%), die Türkei (-99,6) und Norwegen (-95,1%). Das hört sich sehr dramatisch an. Grund ist aber nicht, dass der Januar ein Katastrophen-Monat war, sondern dass der Dezember extrem gut lief.

Zudem sind es vorläufige Zahlen. Kommen nur 2-3 Deals mehr in die jeweilige Länderstatistik hinzu, relativiert sich das schnell. Klar ist aber: In diesen Ländern war für Übernahme-Jäger nichts zu holen.

Billiges Geld, starke Bilanzen, gute Konjunkturprognosen: Übernahme-Geschäft in Deutschland legt zu

Deutschland hat sich im Übernahme-Ranking kontinuierlich nach oben vorgearbeitet. Die gestiegene Deal-Lust deutscher Unternehmen, aber auch die gestiegene Attraktivität deutscher Übernahme-Kandidaten spiegelte sich in den vergangenen Monatsdaten klar wider.

Der Übernahme-Sensor rechnet mit einer Fortsetzung der positiven Entwicklung für den deutschen Übernahme-Markt. In meinem Börsendienst „Der Übernahme-Gewinner“ haben wir im Januar bereits dank der Gagfah-Übernahme 103% Gewinn realisiert und sind in 2 „frische“ Übernahme-Kandidaten eingestiegen.

Für meine Leser werde ich in den kommenden beiden Monaten aufgrund der guten Übernahme-Bedingungen das stets aus 20 Übernahme-Kandidaten bestehende Portfolio anpassen.

29. Januar 2015

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.

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