Übernahme-Volumen in Deutschland stieg 2017 um 62%

Der deutsche Übernahme-Markt brummte 2017 und 2018 dürfte ebenfalls ein gutes M&A-Jahr werden. (Foto: phongphan / Shutterstock.com)

Das Analyse-Unternehmen Bureau van Dijk hat kürzlich die M&A-Statistik 2017 veröffentlicht. Aus den Daten geht hervor, dass im Vorjahr die Übernahme-Aktivität einmal mehr auf einem äußerst hohem Niveau lag.

Unter dem Strich ging das Übernahme-Volumen zwar vorläufigen Zahlen zufolge um rund 3% zurück – lag mit 4,74 Bio. Dollar aber weiterhin deutlich höher als der langjährige Durchschnitt.

Die hohe Übernahme-Aktivität ist wenig verwunderlich, da das Geschäft äußerst zyklisch ist. Läuft die globale Wirtschaft auf Hochtouren, sprudeln die Unternehmensgewinne. Dieses Geld wird genutzt, um sich zu verstärken. Und wenn dann auch noch die Kreditkonditionen günstig sind, darf es ruhig auch ein größerer Zukauf sein.

US-Volumen rückläufig – aber Trendumkehr in 2018 wahrscheinlich

Das „Mutterland“ der Übernahme-Transaktionen war einmal mehr die USA. Dort lag der Wert der Deals bei 1,45 Bio. Dollar. Fast jeder dritte Übernahme-Dollar wurde also für ein Ziel in den USA ausgegeben.

Die Deal-Anzahl lag bei 20.897 Transaktionen, was auch für den ersten Platz reichte. Allerdings bedeutet die Zahl genauso ein Rückgang gegenüber dem Vorjahr (-10,4%) wie das Deal-Volumen (-16,3% ). Der gestiegene Zins und die gestiegenen Bewertungen könnten also die Übernahme-Lust ein wenig eingetrübt haben.

Nach dem zweistelligen Rückgang stehen für dieses Jahr die Zeichen dagegen wieder auf Volumenanstieg. Zwar werden in vielen Branchen weiterhin Höchstpreise ausgerufen und es werden auch weitere Zinsschritte erwartet, doch die US-Steuerreform mit der Repatriation dürfte den Effekt überdecken.

Es wird erwartet, dass durch die Repatriation fast 1 Bio. Dollar den US-Unternehmen zufließen. Auch wenn ein Großteil dessen für Dividenden und Aktienrückkäufe ausgegeben werden dürfte, reicht es, wenn nur 15% davon für Übernahmen ausgegeben werden, um das Transaktionsvolumens von 2017 um 10% zu steigern.

Chinas M&A-Markt im Rückwärtsgang

Im Länder-Ranking liegt China in diesem Jahr einmal mehr auf dem zweiten Platz. Doch wie auch in den USA und einigen anderen Ländern ist im Reich der Mitte das Volumen rückläufig.

Wurde 2015 noch fast 1 Bio. Dollar für chinesische Übernahme-Kandidaten ausgegeben, waren es 2017 „nur“ 720 Mio. Dollar. Die Anzahl der Transaktionen ist zwar weiter gestiegen, doch die Dealgröße nahm ab.

Dies könnte daran liegen, dass der chinesische Markt für ausländische Käufer nach den gestiegenen Bewertungen und den erheblichen Lohnsteigerungen an Attraktivität eingebüßt hat. Da gleichzeitig das Geld für eine innerchinesische Konsolidierung nicht mehr so locker saß, kam es zu einem kleinen Volumen-Rückgang (-4,1%).

Übernahme-Lust in Deutschland zieht stark an

Richtig groß war die Übernahme-Lust in Westeuropa, wo mit 1,28 Bio. Dollar sogar fast US-Verhältnisse herrschten und der zweithöchste Wert nach der Finanzkrise gemessen wurde.

Der deutsche Volumenbeitrag belief sich dabei auf 175 Mrd. Dollar – ein Anstieg von 62% gegenüber 2017. Da die Deal-Anzahl mit 4253 (-9) minimal niedriger ausfiel als im Vorjahr, bedeutet dies, dass die durchschnittliche Deal-Größe zunahm.

Ein Blick auf die größten Deals liefert dann die Bestätigung: Linde ( Deal-Volumen 37,8 Mrd. Dollar) und Uniper (9,3 Mrd. Dollar) lieferten einen erheblichen Beitrag zum deutschen Übernahme-Volumen.

Wenige Großdeals können die Statistik zwar ein wenig verzerren, doch die Zahlen zeigen auch so, dass das Übernahme-Geschäft in Deutschland brummt. 2018 dürfte sich das nicht wesentlich ändern. Zwar gibt es in Deutschland und Westeuropa keinen „Repatriationsbonus“ wie in den USA, doch die gute wirtschaftliche Verfassung der Länder und rekordtiefe Zinsen sollten auch so die Deal-Lust anfeuern.

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Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.