Übernahme-Volumen in Nordamerika zieht an

Übernahme-Geschäft in den USA weiter robust: Private Equity-Branche dürfte vorsichtiger werden, Kaufanreize für Firmenbosse bleiben groß. (Foto: William Potter / Shutterstock.com)

Vermutlich ist es auch Ihnen schon aufgefallen: In den USA jagte 2016 ein Milliarden-Deal den nächsten.

Die Konsequenz hoher Übernahme-Aktivität ist logischerweise ein sehr hohes Übernahme-Volumen.

So wundert es Sie wahrscheinlich auch nicht, dass im Vorjahr in vielen Branchen beim Übernahme-Volumen neue Bestwerte erreicht wurden.

Rund 4,7 Bio. Dollar betrug im Vorjahr das Übernahme-Volumen gemäß dem Übernahme-Institut Bureau van Dijk insgesamt.

Den Rekord hält das Jahr 2015 mit einem Übernahme-Volumen von 6,1 Bio. Dollar.

2017 begann insbesondere in Europa mit deutlich erhöhter Schlagzahl und hohem Übernahme-Volumen.

In Nordamerika war das Volumen im ersten Quartal zwar geringer als im Vorjahres-Zeitraum, doch das Geschäft blieb auch da robust.

Im April stieg das Volumen sogar schon wieder an und erreichte sowohl ein höheres Volumen als im März dieses Jahres als auch im Vergleich zum Vorjahres-Zeitraum.

Mit verschiedenen politischen Unsicherheitsfaktoren aus dem Weg geräumt, bleibt die Perspektive für Übernahme-Jäger sehr gut.

Spitzenwerte von 2015 werden nicht erreicht: US-Übernahme-Markt dennoch sehr robust

Neue Daten des M&A-Instituts Bureau van Dijk (M&A ist englisch für Übernahmen und Fusionen) zeigen, dass im April das Übernahme-Volumen in Nordamerika erneut über 100 Mrd. Dollar lag.

Damit ist seit über 12 Monaten das Übernahme-Volumen monatlich im 3-stelligen Milliarden-Bereich.

Auch die Anzahl der Deals bewegt sich auf hohem Niveau: In den ersten 4 Monaten wurden über 8.000 M&A-Transaktionen in Nordamerika angekündigt.

Das ist gegenüber dem Vorjahr ein Rückgang – jedoch immer noch deutlich mehr als vor 3, 4 oder 5 Jahren. Der Übernahme-Hunger ist also weiterhin hoch.

Investoren wollen mehr: Übernahmen nicht selten einziger Weg zu höherer Marge

Eine der wichtigsten Einflussgröße für das Übernahme-Geschäft ist der Zins:

Je besser die Zins-Konditionen sind, desto rentabler ist eine Übernahme, da die Kosten für die Kapital-Beschaffung geringer sind.

Sie sind wahrscheinlich auch eher bereit einen Kredit aufzunehmen, wenn der Schuldzins 5% anstelle von 15% ist.

So ist es auch bei den Firmenbossen:

Einer Umfrage unter 445 führenden US-Managern zeigte, dass 75% einen Deal zur Geschäfts-Erweiterung in diesem Jahr in Erwägung ziehen.

Zwar wird der Zins in diesem Jahr noch angehoben, doch wird auch das nichts daran ändern, dass die Unternehmen sich mit Übernahmen verstärken werden.

Der Zins ist im historischen Vergleich immer noch sehr niedrig und viele Investoren verlangen von den Konzernen, dass die Gewinnspannen ausgeweitet werden.

Bei nicht wenigen Firmen sind allerdings ohne Deals keine Steigerungen mehr möglich.

Kommende Zins-Erhöhung verringert Übernahme-Anreiz von Private Equity-Gesellschaften

Während die neu begonnene Phase steigender Zinsen die Entscheidung von Firmenbossen bezüglich eines Deals kaum beeinflussen wird, muss davon ausgegangen werden, dass Private Equity-Gesellschaften in Nordamerika nicht mehr ganz so tiefe Taschen haben werden wie zuletzt.

Noch ist die Aktivität hoch, doch das wird sich ändern.

Denn ausgehend von den erreichten Gewinnspannen einiger Übernahme-Kandidaten und den seit Mitte April weiter gestiegenen Bewertungen, werden die Anreize geringer.

Erste Gesellschaften haben bereits angekündigt, vorsichtiger zu agieren.

Vor Kurzem wurde das Anreiz-Problem auf einem Private Equity-Event in den USA thematisiert. Der Zeithorizont, mit dem Käufer aus der Branche kalkulieren, liegt bei rund 5 – 7 Jahren.

Ausgehend vom aktuellen Niveau müssen die Käufer auf Basis aktueller Wirtschaftsdaten einen Abschwung einkalkulieren, auch wenn er vermutlich nicht sehr zeitnah kommen wird.

Das führt dazu, dass sich das Auszahlungsprofil verschlechtert, ein späterer Verkauf womöglich komplizierter wird – in Summe: Eine Übernahme wird unattraktiver.

Börsendienst American Targets: Ihre Eintrittskarte für den US-Übernahme-Markt

In den vergangenen beiden Monaten lag der Anteil von Private-Equity-Deals in Nordamerika gemessen am Gesamt-Volumen zwischen 20 und 25%.

Dieser überdurchschnittliche Anteil dürfte sich mit Blick auf die 2. Jahreshälfte verringern.

Für Privat-Anleger, die an Deals innerhalb der Branche (Private Equity verkauft an Private Equity) ohnehin nicht mitverdienen können, bleibt das „normale“ Übernahme-Geschäft in den USA jedoch sehr attraktiv – und das boomt!

Mit weiteren Unsicherheitsfaktoren aus dem Weg geräumt, dürften die Firmenbosse (zum Wohl der Aktionäre von Übernahme-Kandidaten) bereits in diesem Jahr die Jagd auf die attraktivsten Ziele eröffnen.

Mit meinem Börsendienst „American Targets“ können Privatanleger seit April 2015 am US-Übernahme-Geschäft mitverdienen.

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Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.

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