Übernahme-Volumen in Westeuropa 81% über Vorjahreswert

In Europa haben die Unternehmenschefs offenbar wieder mehr Lust auf Übernahmen. Aktuelle Daten zeigen einen Volumenanstieg von 81% gegenüber dem Vorjahreszeitraum. (Foto: NicoEINino / shutterstock.com)

In Westeuropa sind das Übernahme-Volumen und die Anzahl der Deals im Januar klar gestiegen. Nach einem schwächeren Januar mit Deal-Ankündigungen im Volumen von 70,8 Mrd. Euro, lag das Volumen im Februar gemäß dem monatlichen Zephyr Übernahme-Bericht mit 98,5 Mrd. Euro knapp 40% höher.

Gegenüber dem Vorjahresmonat ist das Volumen sogar noch deutlich stärker gestiegen (+81%). Im Februar 2014 wurden im gleichen Zeitraum Deals im Volumen von 54,4 Mrd. Euro angekündigt.

Ebenfalls stark dürfte die Anzahl der Deals ausfallen. Mit vorläufig 1.317 angekündigten Übernahmen ist die Deal-Anzahl zwar noch gering, doch in den vorherigen Monaten hat sich gezeigt, dass die ursprünglichen Zahlen in der Regel deutlich nach oben korrigiert werden.

Alle Top20 Deals sprengen die Milliardengrenze – deutsche Ziele nicht vertreten

Ein Blick auf die 20 größten Deals zeigt, dass im Februar alle Top20 Deals ein Volumen von über eine Milliarde hatten. Sie müssen schon sehr weit zurückblättern, um eine vergleichbare Liste zu finden.

Im Januar schafften es gerade einmal die Hälfte der Übernahmen über die 1 Mrd. Euro-Grenze. Der damals „kleinste“ Deal in der Liste lag bei unter 500 Mio. Euro – halb so viel wie in diesem Monat.

Obwohl das Übernahme-Volumen sehr hoch ausfiel, sind – anders als in den Vormonaten – deutsche Übernahme-Ziele diesmal nicht in den Top20 vertreten.

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Die größte M&A-Transaktion war die 16,7 Mrd. Euro schwere Übernahme von EverythingElsewhere durch BT (British Telecom). Das Übernahme-Ziel liegt zwar in Großbritannien, doch die Eigentümer sind Deutsche Telekom und Orange (ehemals France Telekom).

Länder-Ranking: Großbritannien bleibt klare Nummer 1

Im Länder-Ranking ist einmal mehr Großbritannien an der Spitze des Tableaus. Mit 42,5 Mrd. Euro liegt das Volumen 5 Mal so hoch wie im Vorjahreszeitraum. Allein die EverythingElsewhere-Übernahme ist fast so groß wie die Summe der Deals im Januar.

Deutschland ist trotz fehlender Top20-Deals immerhin noch auf einem guten dritten Platz mit einem Volumen von 11,6 Mrd. Euro. Das ist zwar im Vergleich zum Vormonat ein Rückgang – doch im Vergleich zum Februar 2014 eine Volumen-Verdreifachung.

Doch nicht nur in Deutschland scheint die Übernahme-Lust geweckt. Starke Zahlen kommen auch aus Frankreich, Irland und einmal mehr aus der Schweiz. Wenig Lust auf Übernahmen dagegen meldeten Griechenland und Zypern, was angesichts der aktuellen Situation in dem krisengeplagten Land wenig überraschend sein dürfte.

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Die gestiegene Deal-Lust deutscher Unternehmen, aber auch die gestiegene Attraktivität deutscher Übernahme-Kandidaten spiegelte sich in den vergangenen Monatsdaten klar wider.

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Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.