Übernahme von Laudamotion stärkt Ryanairs Position des Kostenführers

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Ryanair übernimmt Laudamotion komplett. Auch sonst läuft es bei der irischen Billigfluglinie gar nicht schlecht. (Foto: JJFarq / Shutterstock.com)

Es gibt Geschäftsmodelle, von denen uns in den vergangenen Jahren eingeimpft wurde, dass es schlechterdings unmöglich wäre, sie wertschöpfend zu führen. Zu diesen zählen Luftfahrtgesellschaften. Beinahe endlos ist die Liste der insolventen Airlines: Allein in Deutschland sind seit der Jahrtausendwende mehr als 50 Airlines dem Preiskampf und Kostendruck zum Opfer gefallen, darunter so prominente Namen wie Air Berlin oder Augsburg Airways, aber auch weniger bekannte Gesellschaften wie Bizair, dauair oder Jet Connection.

Der weiße Rabe am Himmel

Selbst von Deutschlands Nummer eins, der Deutsche Lufthansa, sind wir nicht gerade von berauschenden Gewinnen verwöhnt. Um so überraschender ist es, dass mit Ryanair doch eine Luftfahrtgesellschaft tätig ist, die genau dazu in der Lage ist: Hohe Gewinne zu erwirtschaften.

Um so interessanter ist es da, wenn der irische Billigflieger seine Marktstellung durch Zukäufe weiter verbessert. So geschehen Anfang der Woche, als die vollständige Übernahme von Laudamotion bekannt gegeben wurde. Erworben hat Ryanair die verbliebenen 25% von Firmengründer Niki Lauda. Der ehemalige Formel 1-Weltmeister, der sich nach einer Lungentransplantation in ärztlicher Behandlung befindet, meinte in einer Stellungnahme, dass die „Kooperation von Laudamotion mit Ryanair war von Anfang an ein großartiger Erfolg“ gewesen sei. Dadurch wurde Laudamotion bereits im ersten Jahr zur Nummer 1 der Billigflieger in Österreich.

Laudamotion schon im dritten Jahr profitabel

Was sich auch in Zahlen niederschlägt. Bereits im Sommer hat Ryanair-Chef Michael O’Leary erklärt, Laudamotion werde im ersten Geschäftsjahr zwar noch Verluste von 150 Mio. Euro schreiben, dann aber bereits die schwarze Null erreichen und ab 2020 Gewinne erzielen.

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Dass Ryanair der Turnaround von Laudamotion gelingt, wird von den wenigsten in Frage gestellt. Zu gut ist der Track Record der irischen Fluglinie. Gegründet 1984 in Dublin ist Ryanair, bezogen auf die Anzahl der beförderten Passagiere, heute die mit Abstand größte Airline Europas. Dabei ist die Flugzeugflotte stets auf dem neuesten Stand, was dem Geschäftsmodell geschuldet ist, in dem Flugzeuge wesentlich häufiger in der Luft sind als bei anderen, weniger agil geführten Airlines.

Gewinnwarnung schon eingepreist

Doch auch Ryanair ist nicht vor den Unwägbarkeiten des Geschäftsmodells gefeit. Fallende Ticketpreise haben dem Unternehmen zuletzt zugesetzt, und auch der Brexit könnte zumindest in seiner ungeordneten Variante dem irischen Unternehmen Schaden zufügen. Dementsprechend rechnet Ryanair laut dem jüngsten „Trading Update“ für das laufende Geschäftsjahr mit einem bereinigten Betriebsgewinn zwischen 1,0 und 1,1 Mrd. Euro, 100 Mio. Euro weniger als zuvor angenommen.

Doch dürften deren Effekte bereits im Kurs eskomptiert sein. Zumal, und das ist der entscheidende Vorteil eines Kostenführers, niedrigen Preise dazu führen, dass die ertragsschwachen Wettbewerber aus dem Markt ausscheiden und sich so die Marktstellung der verbleibenden Airlines sukzessive verbessert. Für langfristige Investoren könnte der jüngste Kursrückgang daher eine attraktive Einstiegsgelegenheit bieten.


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Von: Peter Thilo Hasler. Über den Autor

Peter Thilo Hasler ist seit über 25 Jahren als Finanzanalyst tätig, zunächst für einige große Investmentbanken, seit 2010 in seiner eigenen Research-Firma. Als Analyst berät er namhafte Fondsmanagern und Vermögensverwalter weltweit.

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