Übernahme-Welle im US-Energiesektor reißt nicht ab

Der M&A-Boom im Öl und Gassektor wird im weiteren Jahresverlauf anhalten. Interesserte Anleger sollten jedoch die Preisentwicklung des Schwarzen Goldes im Auge behalten. (Foto: Avigator Thailand / shutterstock.com)

Anfang April hat Ihnen der Übernahme-Sensor berichtet, dass der US-amerikanische Energiesektor bei Elite-Investoren hoch im Kurs ist. Der gestiegene Ölpreis sorgt für sprudelnde Gewinne. Kostete das schwarze Gold 2016 noch 30 Dollar, liegt der Preis für die US-Marke WTI inzwischen bei 68 Dollar.

Dementsprechend lukrativ sind Investitionen. Im ersten Halbjahr verdoppelte sich die Kredit-Neuvergabe an Unternehmen aus dem Energiesektor. Die Branchenspieler beeilen sich, ihre Fördermengen hochzufahren, um vom hohen Ölpreis zu profitieren.

Dealvolumen steigt bis Ende Juli auf 174 Mrd. Dollar

Der gestiegene Ölpreis hat auch die Übernahme-Aktivität im US-Energiesektor angefacht. Bis Ende Juli wurden Übernahmen und Fusionen im Volumen von 174 Mrd. Dollar angekündigt – 12% mehr als im Vorjahreszeitraum.

Die Vergleichsbasis ist dabei hoch. Denn bereits 2017 hatte sich das Übernahme-Volumen gegenüber dem Vorjahr mehr als verdoppelt. Und mit dem Ölpreis in der Nähe des Mehrjahreshoch sowie finanzierungswilligen Banken dürfte die Übernahme-Lust im US-Energiesektor auch im weiteren Jahresverlauf groß bleiben. 

Raffineriebetreiber Andeavor größte Übernahme im ersten Halbjahr

Der größte Deal in der Branche war im bisherigen Jahresverlauf die Übernahme des Raffineriebetreibers Andeavor. Marathon Petroleum legte für den Rivalen ein 23,3 Mrd. Dollar schweres Übernahme-Angebot auf den Tisch.

Das Umtauschangebot für die Aktionäre des Übernahme-Kandidaten liegt bei 1,87 Marathon-Aktien je Andeavor-Aktie und beinhaltet eine Prämie von 24% auf den Vortagesschlusskurs.

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Dass Marathon die Übernahme mit eigenen Aktien bezahlt ist im Trend. Der Anteil an Aktiendeals in der Branche ist auf fast 40% gestiegen – 2016 waren es nicht einmal 10%.

Auch Pipelinebetreiber fachen Übernahme-Volumen an

Während der hohe Ölpreis Zusammenschlüsse unter den Ölförderern und Raffinerien begünstigte, hat eine behördlich angeordnete Änderung der Durchleitungsgebühren auch die Pipelinebetreiber zu mehr Deals „gezwungen“.

Diese reorganisieren nun aufgrund deutlich geschmälerter Wachstumspotenzial ihre Firmenstrukturen. Anders als bei den Ölförderern und Raffinerien, konnten die Aktionäre der Übernahme-Kandidaten jedoch nicht mit einem großzügigen Angebot rechnen. Bei 2 Milliarden-Deals lag die Prämie unter 5% – bei einem musste sogar ein Abschlag hingenommen werden.

Worauf Sie bei Übernahme-Investitionen aus dem Energiesektor achten sollten

Aktien aus dem Energiesektor sind in diesem Jahr einen genaueren Blick wert, auch wenn der S&P 500 Energy-Index aktuell nur 2% zugelegt hat. Die Strategie, dem „smart money“ der Elite-Investoren zu folgen, könnte sich jedoch im weiteren Jahresverlauf als lukrativ entpuppen. Mehrere Analysten haben zuletzt ihre Ölpreisprognosen heraufgesetzt.

Ebenso aussichtsreich ist aufgrund der hohen Schlagzahl derzeit die Spekulation auf eine Übernahme. Wichtig ist aber dabei, dass Sie den Ölpreis und die Verschuldung des Unternehmens im Auge behalten. Sollte der Ölpreis stärker unter Druck geraten, dann wird sich das besonders bei verschuldeten Unternehmen schnell im Kurs bemerkbar machen.

Und da der Ölpreis auch wichtige Einflussgröße für die Berechnung des fairen Übernahme-Preises ist, würde ein Rückgang auch zu kleineren Übernahme-Gewinnchancen führen.


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Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.