Übernahme-Welle in der Chemie-Branche: Auch BASF mischt mit

Aktuell gibt es am Übernahme-Markt 2 Sektoren, die besonders viele Deals hervorbringen: der Pharma-Sektor und der Chemie-Sektor.

Im Chemie-Geschäft – besonders im Agrarchemie-Geschäft – mischt der Chemie- und Pharma-Konzern Bayer mit. Die Leverkusener arbeiten mit Hochdruck an einer Übernahme des US-Rivalen Monsanto.

In dem Bereich gibt es nur etwas mehr als eine Handvoll Spieler und nachdem in der Branchen-Spitze auch noch Dow Chemical/Du Pont und Syngenta/ChemChina starke Allianzen angekündigt hatten, wurde viel spekuliert, wie sich jetzt BASF verhalten würde.

BASF kündigte immer wieder an, dass man sich heraushalten werde und vom stellvertretenden Chef Martin Brudermüller hieß es erst vor wenigen Tagen, dass man „nicht in die Ecke getrieben wurde“, doch dass BASF bei den Rochaden in der Spitze nur Zuschauer bleibt, glauben nur wenige.

Vermutet wird seit Wochen, dass BASF im Hintergrund einen Deal plant. Diese Vermutung war auch richtig, doch ist die jetzt verkündete Übernahme nicht im Agrarchemie-Bereich angesiedelt.

Übernahme erhöht Umsatz-Beitrag vom Coating-Geschäft auf fast 4 Mrd. €

BASF gab Ende vergangener Woche bekannt, dass man für 3,2 Mrd. Dollar die Albermale-Tochter  Chemetall kaufen werde. Der Übernahme-Kandidat soll das Coating-Geschäft (Oberflächen/Lacke) der Ludwigshafener stärken, ist also kein Zukauf zur Stärkung des Agrarchemie-Geschäfts.

Chemtall beschäftigt 2500 Mitarbeiter und erwirtschaftete zuletzt 800 Mio. Dollar Umsatz. BASF hat in dem Bereich 2015 einen Umsatz von 3,2 Mrd. Dollar erwirtschaftet. Der Zukauf ist also nicht nur ein kleiner Fisch, sondern auch für den größten Chemie-Konzern der Welt durchaus nennenswert.

Strategisch richtig, aber teuer: Aktie reagiert kaum

An der Börse sind die Investoren und Analysten vorsichtig optimistisch. Wie so häufig heißt es, dass der Deal strategisch durchaus Charme hat, der Preis allerdings auch ambitioniert sei. Analysten behielten ihre Einschätzungen zur BASF-Aktie bei.

Das Papier reagierte auf die Deal-Ankündigung in einem schwächeren Gesamtmarkt am Freitag mit Kursabschlägen, kann heute allerdings mit dem Markt um über 3% zulegen.

Deal bedeutet nicht, dass BASF im Agrarchemie-Geschäft keine Übernahme-Pläne hegt

Die Übernahme bedeutet nicht, dass BASF an der Branchen-Konsolidierung im Agrarchemie-Sektor nicht teilnehmen wird. Es sind viele Szenarien denkbar, wie BASF die Stellung in der Branche verbessern könnte.

Positiv wäre für die Leverkusener auf jeden Fall schon einmal, wenn Konkurrent Bayer und Monsanto sich nicht auf einen Deal einigen können. Die Chancen darauf stehen aktuellen Meldungen zufolge nicht schlecht.

Positiv dürfte auch sein, wenn die Zusammenschlüsse von Dow Chemical und Du Pont sowie von Syngenta und ChemChina untersagt werden. Da sind die endgültigen Entscheidungen auch noch nicht gefallen.

Es ist sehr gut möglich, dass in wenigen Monaten die (Volumen-mäßig) größte Branchen-Konsolidierung in der Geschichte der Chemie-Industrie ganz andere Konstellationen zutage bringt, als heute zu vermuten wäre. Es bleibt spannend.

20. Juni 2016

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Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

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