Übernahme-Welle in der Pharmabranche: Mit Schwung ins neue Börsenjahr

Zwischen den Feiertagen hat Ihnen der Übernahme-Sensor zum einen von der hohen Deal-Aktivität in der Pharma- und Biotech-Branche berichten und zum anderen die Einschätzung gegeben, dass sich der Trend auch 2015 fortsetzen wird.

Jetzt ist das Jahr nicht einmal 2 Wochen alt – und schon werden weitere Milliarden-Deals festgezurrt.

Roche steigt mit 1 Mrd. $ bei Foundation Medicine ein, Shire bietet 5,2 Mrd. $ für NPS Pharmaceuticals, AmerisourceBergen kauft MWI Veterinary Supply für 2,5 Mrd. $ und Biogen bietet bis zu 675 Mio. $ für das Biotech-Unternehmen Convergence Pharmaceuticals.

NPS-Übernahme keine Überraschung: Übernahme-Aufschlag unter 10%

Was für ein Wochenauftakt. 3 Milliarden-Deals und – neben Biogen – mehrere kleinere Partnerschaften/Übernahmen. Der größte Deal ist jedoch keine Überraschung für Übernahme-Spekulanten.

Denn NPS Pharmaceuticals ist kein unbekannter Übernahme-Kandidat und nicht wenige Branchen-Spezialisten waren rechtzeitig positioniert. Dementsprechend gering ist auch die Übernahme-Prämie. Shire bietet den Aktionären 46 $ je Aktie, am Freitag ging das Papier in New York mit 41,91 $ aus dem Handel.

Übernahme-Aus von Shire-AbbVie sorgte frühzeitig für Spekulationen

NPS war schon im Mai 2014 bei Shire im Gespräch. Dann trat jedoch AbbVie an Shire heran und wollte die Iren für 55 Mrd. $ schlucken. NPS war nicht Teil des AbbVie-Plans, sodass Shire von einem Deal Abstand nahm.

Nachdem die Shire-Übernahme schon fast in trockenen Tüchern war, kam jedoch das überraschende Deal-Aus. AbbVie nahm nach einer Änderung des amerikanischen Steuergesetzes Abstand von der Vereinbarung und zahlte eine Entschädigung von 1,6 Mrd. $.

Danach teilte das Unternehmen mit, dass man sich die ursprünglichen Übernahme-Pläne noch einmal anschauen wolle. Dass Shire im Bereich Biotech zukaufen würde, war klar und NPS aufgrund der Vorgeschichte logischster Kandidat.

Deal-Aus als Chance nutzen

Wer bei Aufkommen der ersten Übernahme-Gerüchte in die Aktie einstieg, der saß zwischenzeitlich auf über 30% Verlust. Wer sich jedoch davon nicht beeindrucken ließ und weiter an dem klaren Übernahme-Kandidaten festhielt, der wurde letztendlich belohnt.

Denn der jetzige Preis – wenn auch basierend auf den Freitagsschlusskurs „nur“ knapp 10% über dem Börsenkurs – ist für diese Investoren ordentlich. Damals war selbst mit dem schlechtesten Timing der Preis bei 36 $.

Anstelle von 30% Verlust ist das Resultat nach 7 Monaten 28% Gewinn. Dies zeigt Ihnen, dass Sie sich nicht immer von einem Übernahme-Kandidaten trennen sollten, wenn die „Hauptstory“ nicht direkt eintritt.

Es kann sich lohnen, dass Sie investiert bleiben. Nicht selten findet sich ein anderer Bieter, der den Übernahme-Kandidaten kauft und den Investoren dadurch doch noch zu einem hohen Gewinn verhilft.

Zudem lohnt es sich auf geplatzte Deals zu achten. Wer bei NPS nach dem Deal-Aus von Shire-AbbVie in Erwartung einer Rückkehr des Interessenten zugriff, der hat in 3 Monaten 100% Gewinn erzielt.

12. Januar 2015

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.

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