Übernahmeaktivität im ersten Quartal 2019 deutlich schwächer

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Brexit, Handelsstreit und Konjunkturverlangsamung haben im ersten Quartal zu deutlich weniger Deals geführt. Langfristig betrachtet bleibt es aber ein Klagen auf hohem Niveau. (Foto: NicoEINino / shutterstock.com)

Weltweit hat sowohl die Zahl der Übernahmen als auch das Übernahmevolumen im ersten Quartal 2019 klar nachgelassen. Insg Zahlen des M&A-Datenanbieters Bureau van Dyck zufolge, wurden insgesamt 21.462 Übernahmen registriert. Dies sind 4.390 Übernahmen weniger als noch im letzten Quartal 2018.

Der Wert markiert gleichzeitig die tiefste Übernahme-Anzahl der vergangenen beiden Jahre.  Rückläufige Wirtschaftsdaten und vor allem die gestiegene Unsicherheit im Zuge des US-Handelsstreits mit China sowie die Unsicherheit über den Austritt Großbritanniens aus der EU haben deutliche Spuren hinterlassen.

Denn nicht nur die Anzahl der Übernahmen, sondern auch das Übernahmevolumen ließ deutlich nach. So wurden für Übernahmegeschäfte im 1. Quartal 2019 weltweit nur 1,129 Billionen US-Dollar gezahlt. Gegenüber dem Schlussquartal 2018 ging das Übernahmevolumen zwar nur um 13 Mrd. US-Dollar, doch setzt sich damit eine Quartal-übergreifende fallende Tendenz fort.

Acht Mega-Deals im Volumen von über 10 Mrd. Dollar

Nicht alle Firmenlenker haben aufgrund der gestiegenen Unsicherheit ihre Übernahme-Pläne zurückgestellt oder aufgegeben. Acht Übernahme-Deals kamen auf ein Volumen von mehr als 10 Mrd. US-Dollar.

Bei sieben dieser Mega-Deals handelte es sich um Transaktionen zwischen US-Firmen. Nur an einem der Mega-Deals – die Übernahme des Clariant-Großaktionärs Saudi Basic Industries Corporation (SABIC)durch die Saudi Arabian Oil Company – war kein US-amerikanisches Unternehmen beteiligt.

Der größte Deal in Q1 war die Übernahme von Celegene durch Bristol-Myers Squibb für 74 Mrd. USD gleich zu Beginn des Jahres. An zweiter Stelle lag der bereits erwähnte saudi-arabische Deal mit einem Volumen von 69,1 Mrd. USD. Den dritten Platz unter den Mega-Deals belegte Fidelity National Information Services Inc., die im März 2019 Worldpay für 43 Mrd. USD übernahmen.

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Übernahmegeschäft auch in Deutschland rückläufig

Im internationalen Vergleich lag Deutschland mit 1.154 Übernahmen in Q1 auf Platz vier der Rangliste. Im vierten Quartal des Vorjahres lag Deutschland allerdings noch bei 1.700 Übernahmen, was einen deutlichen Rückgang von 546 Transaktionen bedeutet.

Nur China – die Nummer zwei der weltweiten Übernahme-Rangliste – musste in Q1 einen noch deutlicheren Rückgang im Übernahme-Geschäft hinnehmen. Wurden dort in Q4 2018 noch 4.256 Übernahmen verzeichnet, fiel diese Zahl um 1.561 Transaktionen auf nur noch 2.695 Übernahmen in Q1 2019.

Was das Übernahmevolumen angeht, lag Deutschland mit 41,3 Mrd. USD weltweit auf dem fünften Platz hinter den USA (421,2 Mrd. USD), China (126,6 Mrd. USD), Großbritannien (70,8 Mrd. USD) und – ausnahmsweise – Saudi-Arabien (69,8 Mrd. USD).

Übernahme-Volumen dürfte 2019 dennoch auf hohem Niveau bleiben

Trotz des augenscheinlich großen Rückgangs der Deal-Aktivität ist bei langfristiger Betrachtung sowohl Deal-Volumen als auch Deal-Anzahl weiterhin auf hohem Niveau. Und auch im weiteren Jahresverlauf dürfte das Übernahme-Geschäft robust bleiben.

Denn die Zinsen sind weiterhin auf niedrigem Niveau und jüngste Wirtschaftsdaten aus den USA und China deuten an, dass die Wirtschaftsaktivität vielleicht doch nicht so stark zurück geht, wie im vierten Quartal 2018 noch angenommen.

Wenn dann auch noch der Handelsstreit zwischen den USA und China beigelegt ist, könnten Firmenbosse ihre zurückgestellten Übernahme-Pläne wieder herausholen und dem Übernahme-Geschäft einen unerwarteten Schub verleihgen.


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Jens Gravenkötter
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.