Übernahme-Fieber in Deutschland: Warum besonders chinesische Investoren zugreifen

Langsam neigt sich das Jahr 2016 dem Ende zu. Für den Markt mit Fusion und Übernahmen (M&A) war es ein ausgesprochen positives Jahr.

Und auch die zahlreichen Berater, Banken und Kanzleien dürften sich über die guten Geschäfte gefreut haben.

Denn die Anzahl der durchgeführten Transaktionen ist im laufenden Jahr spürbar nach oben geklettert.

Warum der Markt für Firmen-Übernahmen regelrecht durch die Decke ging und wie die Perspektiven für das kommende Jahr sind, erfahren Sie an dieser Stelle.

Deutsche Firmen setzen immer stärker auf Übernahmen

Auch deutsche Unternehmen zeigten sich deutlich offensiver bei Firmen-Übernahmen. So gab es allein 25 Mehrheits-Übernahmen mit deutscher Beteiligung, bei denen der Kaufpreis bei über 1 Mrd. € lag.

Insgesamt stieg die Zahl der registrierten Übernahme mit deutscher Beteiligung auf beeindruckende 2.104.

Das bedeutet ein sattes Plus von 40% gegenüber dem Vorjahr und ist das höchste Niveau seit dem Jahr 2001 (2.173 Deals).

Prall gefüllte Kassen und niedrige Zinsen sorgen für Rückenwind

Dass die Übernahme-Welle so kräftig ausfiel, ist unterdessen kein Wunder.

Denn das Marktumfeld mit dem historisch niedrigen Zinsniveau und die gut gefüllten Kassen der Unternehmen bildeten eine starke Basis für anorganisches Wachstum.

Viele Firmen operieren im Moment mit historischen Rekordmargen. Zugleich gibt es ein immer stärkeres Interesse von Private-Equity-Investoren.

Der Anlagedruck ist hoch und die massiven Mittel-Zuflüsse in die Private-Equity-Fonds müssen investiert werden.

Somit ist es kein Wunder, dass die in Übermaß vorhandene Liquidität den Markt für Fusionen und Übernahmen regelrecht anfeuert.

Chinesen im Anmarsch

Dabei spielen auch immer mehr Investoren aus China eine Rolle bei Zukäufen:

Die Unternehmens-Beratung Ernst & Young ermittelte, dass von Januar bis Oktober dieses Jahres insgesamt 58 deutsche Firmen durch chinesische Anleger geschluckt wurden.

Das Übernahme-Volumen überstieg mit 11,6 Mrd. € den Vorjahreswert immerhin um das 20-fache und ist höher als die kumulierten Transaktions-Summen sämtlicher Vorjahre zusammen.

Warum v. a. deutsche Firmen für die Chinesen so interessant sind, liegt auf der Hand:

Denn die Regierung in Peking verfolgt das Ziel, bis 2050 in sämtlichen Schlüssel-Branchen die technologische Weltmarktführung übernehmen zu wollen.

Da kommt den Chinesen das weltweit angesehene Technologie-Know-how der deutschen Firmen gerade recht.

Ausländische Investoren in China unerwünscht

Umgekehrt finden Sie jedoch eine komplett konträre Situation vor: Denn Übernahmen von ausländischen Konzernen sind im Reich der Mitte ausgesprochen schwierig.

In 38 Geschäftsbereichen wurden Übernahmen durch ausländische Investoren sogar grundsätzlich von der Regierung verboten.

In vielen anderen Bereichen ist der Einstieg in den chinesischen Markt nur mit einem Partner vor Ort möglich.

Fundamental steht die Übernahme-Ampel weiter auf grün

Gerade hat der chinesische Staat beschlossen, dass jede Transaktion im Ausland mit einem Firmenwert von über 5 Mrd. € genehmigt werden muss.

Dies dürfte den Übernahme-Hunger der chinesischen Anleger aber nicht stoppen, sondern höchstens etwas verlangsamen.

Auch sonst dürfte das kommende Jahr ähnlich stark werden.

Die in den USA eingeleitete Zinswende ist noch zu zaghaft, um die Übernahme-Aktivität durch verteuerte Kredite ausbremsen zu können.

Zugleich könnte sogar die Politik von Trump ungewollt zu einem verstärkten Interesse aus dem Ausland führen.

Wenn der zukünftige Präsident wirklich seine Abschottungs-Politik durchzieht, wären Übernahmen in den USA ein galanter Weg für ausländische Firmen, um die Aktivitäten in den USA auszubauen.

27. Dezember 2016

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.

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