Übernahmegerüchte: E-Plus und O2 vor Fusion?

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Die deutsche Mobilfunklandschaft könnte sich radikal verändern. Auch im Hardware-Segment gibt es wieder Gerüchte. (Foto: everything possible / Shutterstock.com)

Es könnte zur Revolution kommen. Am deutschen Mobilfunkmarkt.

Die Gerüchte um eine möglicherweise bevorstehende Fusion von E-Plus und O2 verdichten sich.

Man könnte den Schritt verstehen, beide Anbieter haben es nicht leicht.

Die Marktanteile sind in festen Händen

Seit den 1990er Jahren ist der deutsche Mobilfunkmarkt fein säuberlich aufgeteilt in vier Kuchenstücke: zwei größere für T-Mobile und Vodafone (vormals D2-Mannesmann) und zwei kleinere für E-Plus (das neuerdings nur noch mit dem Namen Base wirbt) und O2 (vormals Viag Interkom).

Doch diese althergebrachte Ordnung könnte nun neu sortiert werden.

Für die Nummer Drei und die Nummer Vier in Deutschland läuft es derzeit nicht so rund.

Angebote würden sich ergänzen

Der spanische O2-Mutterkonzern Telefónica kämpft mit hohen Schulden und sucht nach Wegen, Geld einzunehmen oder Schulden abzubauen.

E-Plus, Tochter der niederländischen Gesellschaft KPN NV, ist zwar wachstumsstark, fischt aber vor allem im Billigsegment.

Die günstigen Tarife, die E-Plus vor allem für die jüngere Kundschaft attraktiv machen, haben ihren Preis: schlechte Netzabdeckung etwa.

O2 setzt dagegen auf technologisch hohes Niveau, unterbietet preislich aber ebenfalls die großen Player in Sachen Tarifgestaltung.

Die Angebote beider Anbieter würden sich also durchaus ergänzen.

Telefónica braucht Geld, KPN will E-Plus loswerden

KPN will die lukrative Tochter im Zuge seiner Umstrukturierungen zu einem ordentlichen Preis loswerden. Es gilt aber als relativ unwahrscheinlich, dass Telefónica hier zuschlägt, betrachtet man den Schuldenberg, den es abzutragen gilt.

Denkbar wäre dagegen eine Abspaltung sowohl von E-Plus als auch der deutschen O2-Sparte, die dann in einer gemeinsamen Gesellschaft zusammengeführt werden könnten.

Änderungen: ja – nur das Wie ist noch offen

Von Seiten der Mutterkonzerne werden derlei Gedankenspiele bislang entweder nicht kommentiert oder dementiert. Laut Financial Times soll es aber schon in den kommenden Wochen konkretere Aussagen zur Sache geben.

Dass sich sowohl bei E-Plus als auch bei O2 etwas ändern wird, haben sowohl Telefónica als auch KPN schon länger angekündigt. Nur wie genau die Umwälzung aussehen wird, lassen sie bislang offen.

Nokia hat den Trend verpennt

Doch nicht nur bei den Netzbetreibern rumort es in der Gerüchteküche bezüglich neuer Kooperationen. Auch das Hardware-Segment der Handybranche kommt nicht zur Ruhe.

In den Fokus rückt hier vor allem der einstige Weltmarktführer Nokia, der allmählich zum Sorgenkind mutiert.

Die Finnen haben den Trend verpennt, als alle Welt vor einigen Jahren anfing, auf Smartphones mit Touchscreen, Apps und Onlineangeboten umzusteigen.

Das rächt sich nun. Weltmarktführer darf sich inzwischen der koreanische Hersteller Samsung nennen, weitere Konkurrenten sind auf dem Vormarsch – und Nokia guckt in die Röhre.

Kann Lumia Nokia retten?

In Kooperation mit Microsoft und mit dessen Betriebssystem Windows Mobile ausgestattet versucht die Lumia-Reihe Nokias, wieder Boden gutzumachen.

Die hochpreisigen Smartphones sind aber zu teuer für den Massenmarkt, den Nokia früher bedient hat. Nun spricht man allenfalls die Premiumkundschaft an, zumindest in den Industrieländern. Und die greift in dem Preissegment eher zum iPhone.

Oder zum härtesten Konkurrenten sowohl von Apple als auch von Nokia: Samsung.

Einsteigerhandys sollen parallel das Nokia-Geschäft in Schwellenländern reißen.

Ob die Strategie aufgeht, ist fraglich.

Übernahmegerüchte kommen nicht in Schwung

Der Unternehmenswert von Nokia ist jedenfalls dramatisch eingebrochen. Doch nahe liegende Übernahmegerüchte, die immer mal wieder rausgekramt werden, kommen nicht recht in Schwung. Offenbar hat derzeit niemand ernsthaftes Interesse daran, sich den krankenden Ex-Pionier einzuverleiben.

Doch wenn Nokia weiterhin auf sich allein gestellt bleibt, braucht es bald eine zündende Idee. Andernfalls könnte es weiterhin rapide abwärts gehen.

Geht Nokia am Smartphone zugrunde?

Zwar sind die Finnen bedeutend größer als etwa der Blackberry-Hersteller Research in Motion. Im Ergebnis könnten aber beide das gleiche Schicksal teilen und an den Smartphones zugrunde gehen.

Ob sich vorher noch ein mitleidiger Käufer findet, ist ungewiss.

Deutlich realistischer erscheint dagegen die mögliche Fusion von E-Plus und O2.

Man darf gespannt sein auf die Neuverteilung der Kuchenstücke am deutschen Mobilfunkmarkt – und auf die Entwicklung der Aktienkurse von Telefónica und KPN.

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David Gerginov
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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