Übernahmepoker: Versum jetzt doch bereit für Gespräche mit Merck

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Versum öffnet für den bislang ungeliebten Bieter Merck die Bücher. Das riecht nach Aufstockung und freundlicher Übernahme und wäre der klassische Ausgang. (Foto: phongphan / Shutterstock.com)

Im Übernahmepoker um den US-Halbleiterzulieferer Versum Materials ist wieder Bewegung gekommen. Der Verwaltungsrat von Versum lehnt das aktuell noch feindliche Übernahmeangebot der deutschen Merck zwar weiterhin ab, hat sich aber bereit erklärt, Gespräche mit dem Bieter aufzunehmen.

Versum gab bekannt, dass sogar bereits ein erstes Treffen zwischen Vertretern beider Parteien stattgefunden hat.

Gesprächsbereitschaft und Einblick in die Bücher

Laut Pressemitteilung erklärt sich Versum auch bereit, weitere Gespräche mit Merck zu führen und den Darmstädtern nicht öffentliche Informationen zur Verfügung zu stellen (due dilligence). Damit hat Versum seine bisher scharfe Abwehrhaltung aufgegeben und die Zugbrücke Richtung Merck ein großes Stück heruntergelassen.

Ziel dürfte sein, die Darmstädter zu einem freundlichen Deal zu bewegen, was eine Angebotsaufstockung impliziert. Es wäre nicht das erste Mal, dass eine zunächst feindliche Übernahme in eine freundliche mündet. In diesem Fall ist es für so eine Prognose jedoch noch zu früh, denn immerhin hat Versum auch noch die Offerte von Entegris auf dem Tisch liegen.

Was bisher geschah

Bereits im Januar dieses Jahres hatte sich das Versum-Management mit dem US-Spezialchemiekonzern Entegris auf eine Fusion unter Gleichen geeinigt. An dem aus der Fusion entstehenden Unternehmen sollen im Rahmen eines Aktientausches die Entegris-Aktionäre 52,5 % und die Versum-Gesellschafter 47,5 % der neuen Papiere erhalten.

Der fusionierte Konzern hätte einen Börsenwert von ca. 10 Mrd. USD. Für den 26. April hat das Versum-Management eine außerordentliche Hauptversammlung anberaumt, in der die Versum-Aktionäre über den Zusammenschluss mit Entegris abstimmen sollen.

Merck unterbreitet Gegenvorschlag

Am 27. Februar unterbreitete Merck dem Versum-Management ein Barangebot. Der Darmstädter Konzern ist bereit, 48 USD für jede Versum-Aktie zu zahlen. Unter dem Strich ist Merck somit gewillt, 5,9 Milliarden Dollar für die Übernahme von Versum auf den Tisch zu legen.

Hier trifft eine Bar-Offerte also auf ein Aktientausch-Angebot. In der Regel werden Barofferten von Übernahme-Kandidaten bevorzugt, besonders wenn sie rein rechnerisch überlegen sind, in diesem Fall war es allerdings anders.

Versum lehnt ab

Versum lehnte den Übernahmevorschlag kategorisch ab. Der Merck-Vorschlag sei schlechter als das Fusionsangebot mit Entegris, da den Aktionären die Chance genommen wird, von einem stärkeren, neuen Gemeinschaftsunternehmen zu profitieren.

Versum geht also davon aus, dass der Wert der Entegris-Aktie so stark steigt, dass die Versum-Aktionäre – die ja mit Entegris-Aktien bezahlt werden – besser gestellt sind, als wenn sie jetzt 48 Dollar in bar mitnehmen. Merck konnte die Haltung des Managements nicht nachvollziehen und wandte sich daraufhin direkt an die Aktionäre, um einen feindlichen (vom Management nicht unterstützten) Deal durchzudrücken.

Sensor prognostiziert freundliche Übernahme durch Merck

Es ist derzeit noch unklar, wie der Übernahme-Poker ausgeht. Der Markt rechnet allerdings bereits damit, dass Merck nach der Buchprüfung mit einer höheren Offerte zurückkommt. Die Versum-Aktie notiert mit 50,55 Dollar bereits gute 5% über der aktuellen Merck-Offerte.

Aus Sicht des Übernahme-Sensors hat Merck eindeutig die besseren Karten für einen Deal. Es dürfte schon jetzt schwer sein für das Versum-Management, den Investoren klar zu machen, dass die risikolose finanziell deutlich attraktiver erscheinende Merck-Offerte in Wirklichkeit schlechter ist. Wenn die beiden Offerten eng beieinander wären, lässt sich das vielleicht rechtfertigen, aber hier treffen rechnerische 41,50 Dollar auf 48 Dollar in bar!

Naheliegend ist eigentlich nur, dass das Versum-Management hier sich nicht direkt hat umstimmen lassen, um von Merck noch ein bisschen mehr rauszuholen. Mit Öffnung der Bücher und einer kleinen Aufstockung sollte es auf einen freundlichen Deal herauslaufen. Denn weder Merck noch Versum dürften herausfinden wollen, für welches Angebot sich die Investoren entscheiden.

Äußerst fraglich ist jedoch, ob es beim aktuellen Aktienkurs für nicht investierte Anleger noch ein gutes Chance-Risiko-Verhältnis gibt. Merck hat zwar tiefe Taschen, doch schon jetzt notiert die Aktie 60% über dem Kurs vor Aufkommen der Übernahme-Spekulationen.

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Jens Gravenkötter
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Der gewiefte Börsen-Profi Jens Gravenkötter verdankt seinen Erfolg nicht zuletzt seinem Wissen aus seiner Ausbildung zum Bankkaufmann und seinem Studium der Volkswirtschafslehre.