Übernahmewelle im deutschen Immobiliensektor

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Der deutsche Wohnimmobilienmarkt wird gerade von einer Konsolidierungswelle erfasst: ADO Properties schluckt 2 Mitbewerber und Vonovia soll wieder an der Übernahme der Dt. Wohnen arbeiten. (Foto: hanohiki/Shutterstock)

Der deutsche Wohnimmobilienmarkt wird gerade von einer Übernahmewelle geflutet. Während zwei Übernahmen mehr oder weniger schon unter Dach und Fach sind, gibt es ein Revival der Übernahmegerüchte zwischen den Marktführern Vonovia SE (Societas Europaea; deutsch: Europäische Aktiengesellschaft) und Deutsche Wohnen SE.

Doch bevor ich Ihnen von den neuesten Gerüchten um die Fusion der beiden Marktführer berichte, möchte ich Sie über die Übernahmeaktivitäten des in Luxemburg ansässigen Wohnimmobilienkonzerns ADO Properties S.A. (Société Anonyme; deutsch: Aktiengesellschaft) informieren. Denn ADO ist aktuell dabei, gleich zwei Mitbewerber zu schlucken.

Mietpreisdeckel bremst ADO Properties aus

Die im SDax gelistete ADO Properties ist eine Immobiliengesellschaft, die ausschließlich in Berlin aktiv ist. Dort besitzt das Unternehmen rund 18.000 Wohn- und Gewerbeeinheiten. Die einseitige Ausrichtung auf den Berliner Wohnungsmarkt in ist für ADO aber zu einem Problem geworden.

Wie Sie vielleicht mitbekommen haben, hat das Berliner Abgeordnetenhaus Ende Januar beschlossenen, einen Mietpreisdeckel für die Hauptstadt einzuführen. Diese fünfjährige Begrenzung der Mietpreise ist bereits am 23.02.2020 in Kraft getreten und setzt ADO unter Druck: Das Unternehmen kann bereits eingeplante Mietpreiserhöhungen nur noch sehr begrenzt umsetzen.

ADO tritt Flucht nach vorn an

Um nicht weiterhin nur von einem Markt abhängig zu sein, hat ADO schnell reagiert und eine Diversifizierungsstrategie gestartet. ADO schaute sich also auf dem Markt nach anderen Immobiliengesellschaften um, die Wohnungen außerhalb Berlins in ihrem Portfolio haben. Mit Erfolg, denn schon am 7. Februar unterbreitete ADO den Aktionären der Adler Real Estate AG ein freiwilliges öffentliches Übernahmeangebot.

Im Rahmen eines Tauschgeschäftes bot ADO den Adler-Aktionären für jedes ihrer Papiere 0,4164 ADO-Aktien an. Bereits zwei Monate später konnte ADO den erfolgreichen Abschluss des Übernahmeangebots vermelden: 91,93% der Adler-Aktionäre hatten die Übernahmeofferte angenommen.

Und damit nicht genug: Am 25. März verkündete ADO, dass es auch den Berliner Mitbewerber Westgrund AG übernehmen möchte. Den Westgrund-Aktionären bot ADO 11,71 Euro für jede Westgrund-Aktie in bar an. Der Clou bei diesem Geschäft ist, dass Adler Real Estate bereits seit 2015 Mehrheitsaktionär der Westgrund AG ist und Ende 2019 mit 96,88% den Löwenanteil der Westgrund-Anteile hielt.

ADO steigt zur Nummer 3 auf

Die Übernahmeangebote von ADO können also, wenn überhaupt, nur noch am Veto der Aufsichtsbehörden scheitern. Nach Abschluss der Übernahmen von Adler und Westgrund steigt ADO zur Nummer 3 unter den deutschen Wohnimmobilienunternehmen auf. ADO wird in Kürze also gut 90.000 Wohnungen, die vornehmlich in Norddeutschland, NRW, Berlin und den neuen Bundesländern liegen, in seinem Portfolio haben.

Größer sind dann nur noch die Vonovia SE (Societas Europaea; deutsch: Europäische Aktiengesellschaft) mit über 400.000 Wohnungen in Deutschland, Schweden und Österreich sowie die Deutsche Wohnen SE mit etwa 163.000 Wohnungen und 2.600 Gewerbeimmobilien.

Vonovia soll an Übernahme der Deutsche Wohnen arbeiten

Am Abend des 22. April berichtete das Wirtschaftsmagazin Bloomberg, dass laut Insiderinformationen der Marktführer auf dem deutschen Wohnungsmarkt, die Vonovia SE aus Bochum, Interesse an einer Übernahme der Nummer 2, der Deutsche Wohnen SE, habe. Bereits 2015 hatte Vonovia eine Übernahme des Mitbewerbers aus der Hauptstadt versucht, war aber gescheitert.

Bereits einen Tag später gab Vonovia in einem Pressestatement bekannt, dass Akquisitionen generell integraler Bestandteil der Unternehmensstrategie seien und fortlaufend geprüft werden. Aktuell habe aber die Bewältigung der Corona-Krise absolute Priorität bei allen Beteiligten.

Dieses halbherzige Dementi reichte nicht aus, um das Übernahmegerücht gänzlich aus der Welt zu schaffen. Der Kurs der Deutsche Wohnen schoss am 23.04. um gut +6% auf über 37 Euro in die Höhe und konnte diese Kursgewinne auch bis zum heutigen Tage halten. Investoren gehen also davon aus, dass an den Übernahmegerüchten etwas dran ist. Wie heißt es doch so schön: Aufgeschoben ist nicht aufgehoben.

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Tobias Schöneich
Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.

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